23
Mar

What I did on my holidays

   Posted by: jea   in Durcheinander, Mittelalter-Manufaktur

Und wieder einmal ist es eine halbe Ewigkeit her, dass ich zuletzt gebloggt habe.

Ich habe einfach immer so viel zu tun, dass ich nie dazu komme, gute Fotos zu machen, geschweige denn, einen halben Tag am Computer zum Bloggen auszugeben. Weil aber nun schon Leute fragen, ob es mich überhaupt noch gibt, habe ich mal gestöbert, was ich aus den letzten zwei Jahren so an brauchbaren Fotos gefunden habe und alles hier zusammen in einen Riesen-Blogeintrag geschmissen. Hier ist nichts sortiert und nichts ist editiert,  alles kommt so in das Blog, wie es auf meinem Rechner herumdümpelt. Ich hoffe, es ist für jeden von euch irgendwo etwas Interessantes dabei: Auch, wenn vieles immer irgendwie das Gleiche ist, sind trotzdem auch immer wieder auch ganz neue Sachen dabei.

Und jetzt, ohne further ado:

Viel Spaß beim Stöbern!

Aus Alt mach neu: Diese Schwertscheiden- und Dolch- Kombi bekam einen neuen Bezug aus einem feinen Ziegenleder, das mit Eisensulfat schwarz gefärbt wurde. Außerdem wurde der Regenlappen gegen einen größeren, passend schwarzen, ausgetauscht.

alte Schwertscheide

alte Schwertscheide

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neue, frisch bezogene Scheiden

Dieses Spätmittelalter-Schwert bekam eine neue Triple-A-Scheide mit passendem Gürtel und schicken Gürtelstreckern , alles aus einem schönen vegetabil gegerbten Rindsleder. Die Halteriemen fürs Schwert wurden dabei in kleine Erhebungen eingefaßt, die Aufhänger am Gürtel sind verschiebbar, um besser an den Träger und seine Rüstung angepasst werden zu können. Der Sturz des Schwertes kann mit Hilfe der kleinen B-Schnallen verstellt werden.

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Spämi-Scheide mit 3 Aufhängepunkten

 

Ein Paar hochmittelalterlicher Schnürschuhe. Bei der Ausführung haben wir ein wenig geschummelt und eine am Seitenstreifen angenähte Doppelsohle verwendet, die zeitlich eigentlich erst ins Spätmittelalter gehört. Aber sie verbessert den Tragekomfort unheimlich , und, wenn die äußere Sohle durchgelaufen ist, kann man sie einfach entfernen und eine neue am Seitenstreifen anbringen.

Dieses Paar Schuhe wurden mit Leisten von knieriem angefertigt, eine Methode, die ich jedem Kunden für gut sitzende Schuhe empfehlen kann. Der Vorteil ist weiterhin, dass ich bei weiteren Bestellungen einfach den Leisten aus dem Regal nehmen kann und nicht neu gemessen werden muss. Ein Paar Leisten kostet 77,- und geht in den Besitz des Kunden über, der damit natürlich auch bei anderen Schuhmachern für seine Füße Schuhe machen lassen kann.

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Hochmittelalter-Schnürschuh auf Leisten

 

Something new: 1890-1920er dress shirts. Eine Vielzahl von Formen, Kragen und Manschetten ist möglich, dabei ist das Material wie sonst auch vollständig dem Kundenwunsch überlassen. Dies Hemd hier hat eine gefältete Brust und lange Manschetten.  Der Stoff ist ein weich fallender Diamantköper-Leinen, Die Knöpfe hier sind angenäht, idealerweise trägt man diese Hemden aber mit shirt studs und Manschettenknöpfen.

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1920er dress shirt mit gefälteter Brust

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Passende Krawatte im Dr Who-Thema

Hemd und passende Krawatte mit Nadelmalerei-Bestickung. Das Hemd ist aus Leinen, die Krawatte aus feiner Wolle.

Dress Shirt mit bestickter Brust und passender Krawatte

Dress Shirt mit bestickter Brust und passender Krawatte

 

Diese Cotta im hochmittelalterlichen Zuschnitt ist aus indigogefärbtem antiken Leinen vollständig mit der Hand genäht. Der Futterstoff ist ein leichteres, ebenfalls antikes Leinen. Die Borten sind in Brettchenwebtechnik gemacht (nicht von mir)

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Homi-Cotta handgenäht

 

Ein Paar einfache Wiki-Schuhe (hochgezogene spitze Hacke, Naht auf dem Rist) aus Ziegenleder mit einfacher Sohle aus Rinderhals. Ohne Leisten genäht.

Wiki-Stiefelchen

Wiki-Stiefelchen

 

Und wieder etwas neues: Eine LARP-Charaktergewandung für’s DSA LARP, eine bornische Traviageweihte. Da das Bornland _ungefähr_ einem mittelalterlichen Russland entspricht, habe ich für die Grundform eine Vorlage aus russischen Volksstämmen gesucht und bin bei den Mari fündig geworden, einem Stamm nach Russland ausgewanderter Finnen. Das Obergewand ist aus einem sehr grob gewebten antikem Leinen gefertigt, der gesamte Brustbereich ist mit bunter Wolle bestickt. Dabei ist die Gewandung eine work in progress, nach und nach soll die Stickerei auch die Ärmel und den Rücken bedecken. Die Kopfbedeckung ist mit sog, Nadelmelerei bestickt, einer Freihand-Nähmaschinentechnik.

Geweihte

Geweihte

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mehr Stickereidetails

 

Hier haben wir eine Hochzeitsausstattung: Beide tragen frühgotische Bliauts, aus einem zartgrünen Leinen mit silbernen Borten abgesetzt, die offenen Ärmel beim Herrengewand sind grau gefüttert. Die Bindebänder für die Schnürung sind aus schmaler Brettchenborte von mir selbst gewebt. Ihr Kleid hat eine leichte Schleppe.

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Hochzeits-Bliauts I

 

Hochzeits-Bliauts 2

Hochzeits-Bliauts II

 

Als nächstes ein Mantel aus dicker, mit Pflanzenfarben leuchtend grün gefärbter Wolle, gefüttert mit einer feinenKammgarn-Wolle in gelb (auch pflanzengefärbt) und eine passende Gugel. Der Mantel besteht aus vielen schmalen Dreiecken, um den großen Halbkreis ohne Stoffverlust durch Zuschnitt zu erzielen. Alle Nähte sind Handnähte mit passend gefärbten Garnen, alle bildenden Nähte sind Kappnähte d.h., es halten zwei Nähte die Stoffstücke zusammen.

Mantel und Gugel

Mantel und Gugel

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Mantel-Details

 

Eine weitere neue Charaktergewandung für’s LARP: Ein Schelm. Die Cothardie und das Wams darunter sind aus (chemisch) gefärbter Wolle, genauso wie die Hosen, das Futter ist aus Leinen. Alle Teile sind aufwendig gezaddelt. Die Vorlage habe ich von einer alten Cothardie-Abbildung eines Barden.

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Schelmengewand

 

Diese Halbschuhe sind aus einem oberflächlich mit Eisensulfat schwarz gefärbten Ziegenleder mit Sohlen aus Rinderhals und eingenähten Brandsohlen aus Ziege. Der Zierrand ist nicht gefärbt, um einen schönen farblichen Kontrast zu erzielen. Nach den Vorlagen um 1200 herum sind die Riemen nicht mit Schnallen versehen, sondern werden gebunden.

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Offene Halbschuhe, ca. 1200

Diese Kombination aus Cotta und passendem, ärmellosem Surcot ist außen aus indigoblauer Wolle, gefüttert mit gebleichtem Leinen und abgesetzt mit krapproter Wolle. Nach typisch hochgotischem Schnitt werden die Armkugeln durch Einsetzen eines Keils auf der Oberarmrückseite erzielt, an den Handgelenken sind die Ärmel ca, 5 cm weit geschlitzt, damit man sie zurückklappen kann.

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Cotta und Surcot

 

Weiterhin: Eine Hochgotische Vollausrüstung für einen vermögenden jungen Mann.

Angefangen bei der Bruche im (in meinem) Bruchen-Standard-Schnitt. Die Beininnenseiten sind offen, damit die Bruche besser um den Oberschenkel gewickelt werden kann, bevor sie in die Beinlinge gesteckt wird, die Bruche selbst wird mit einem Band im Tunnelzug gehalten.

Bruche

Bruche

 

Die Beinlinge sind nach hochgotischer Form mit  nur einem Aufhängepunkt vorn, aus Wollstoff diagonal zum Fadenlauf zugeschnitten und mit angesetzten Füßen.

Beinlinge

Beinlinge

Die Handnähte sind mit einem ungefärbten Leinengarn ausgeführt, ebenso die Nestellöcher.

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Detail Beinlinge

Für die Cotta wurde ein antikes Leinen außen, ein neu gewebtes innen verwendet, die Färbungen sind mit basischen modernen Farben ausgeführt. Die Borten (nicht von mir) sind in Brettchenwebtechnik gearbeitet.

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Cotta

Am Unterarm werden die Ärmel mit kleinen Kugelknöpfen geschlossen und auf die beliebte enge Form gebracht.

Ärmeldetail

Ärmeldetail

Der Surcot hat halblange, relativ weite Ärmel, aus denen die geknöpften Unterärmel der Cotta modisch gervorschauen. Der Schlüsselloch-Halsausschnitt ist ebenfalls mit Kugelknöpfen geschlossen.

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blauer Surcot

 

Auf dem Kopf gibt’s eine Bundhaube und darauf einen Manesse-Hut. Die Haube ist dreiteilig und gefüttert (Handnähte) und der Hut, der ebenfalls vollständig von Hand genäht wurde, ist mit Ziegenfell bezogen.

Kappe und Hut

Kappe und Hut

 

Nahansicht Hut

Nahansicht Hut

 

As nächstes eine hochgotische Cotta aus antikem, indigogefärbtem Leinen, ungefüttert und mit brettchengewebten Borten (nicht von mir). Natürlich handgenäht.

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Hochgotische Cotta

Nahtdetail

Nahtdetail

Das nächste Projekt ist fast schon eine Neverending Story:

 Der Kunde wollte gerne einen Polsterbeinling, den er unter seinen frisch bestellten Kettenbeinlingen tragen könnte. Wir haben eine ganze Weile über das Projekt diskutiert und kamen schließlich zu folgender Lösung: Ein Polsterbeinling aus Fischgrat-Leinen mit hochgotischer Aufhängung vorn und einer Bedeckung für den Fußspann. Schmale Stege unterm Stiefel sollten den Beinling an seiner Position halten.

Details Rüstbeinling

Details Rüstbeinling

Der Beinling selbst wurde, nach -  wie üblich bei Stepparbeiten – monatelanger Handarbeit, noch am Mann angepasst und ist längst fertig.

Das größere Problem ist die Kette. Gewünscht wurde ein Kettenbeinling nach normannischem Vorbild, also einigten wir uns darauf, dass ich den Fußteil der Kette mit zusätzlichen Ringen an  einer Doppelsohle aus Leder befestigen würde. Die Doppelsohle haben wir gewählt, weil sie a) doppelt so lange hält wie eine einfache Sohle und b) ich die Ringe an den Seiten der oberen Sohle einhängen kann, ohne, dass sie auf den Boden kommen.

Zusätzlich sollte ich hinten zum Schnüren noch extra runde Ringe einhängen, (weil die flachen vernieteten mit ihren scharfen Rändern das Schnürband schnell aufreißen würden) und eine Befestigung am Rüstgürtel oben anbringen.

Details Kettenbeinling

Details Kettenbeinling

Es gab erst einiges Hin und Her, weil zunächst falsche Ringe geliefert wurden, doch das Hauptproblem ist dieses:

Kettenbeinling unten

Kettenbeinling unten

 

An der Kette fehlen hinten gut 30 cm.

Normalerweise mache ich keine Ketten, und das aus gutem Grund: Mit Ketten geht es mir wie beim Stricken: Ich seh’ nie, welcher Ring wie rum wo rein muss. Ich brauche locker drei Mal so lange wie Leute, die das können. Weil aber der Kunde so nett war und weil es wohl recht unmöglich für ihn gewesen wäre, die Beinlinge, die  von der Stange waren, ändern zu lassen, habe ich mich bereit erklärt, die fehlenden Ringe einzusetzen.

Dann kam meine Hand-OP. Ich habe mir eine Fingersehne gerissen, und, wenn ich wieder einen funktionierenden Finger haben wollte, musste ich das wohl oder übel operieren lassen. Die OP war Anfang Dezember, seit Februar bin ich gipsfrei und dank der langen Zeit im Gips habe ich wohl noch einige Monate vor mir, bis die Hand wieder funktioniert wie vorher.

Da hat Sven sich bereit erklärt, mir auszuhelfen und für mich Ringe zu klöppeln, weil das mit der lädierten Hand einfach nicht so richtig will.  Aber auch Sven hat immer viel zu tun und so wachsen die Beinlinge zentimeterweise.

 

So sieht der Polsterbeinling aus:

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und so, wenn er auf dem Stiefel aufliegt:

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Dies sind die Sohlen mit zwei Reihen Kettenzeug:

Kettensohle

Kettensohle

Und dies sind die Befestigungen für den Rüstgürtel.

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Befestigungsschnalle

 

 

Und Sven klöppelt an der Kette. Und klöppelt und klöppelt und köppelt.

Durchzugsringe

Durchzugsringe

 

 

Hier haben wir ein Wikinger Kleid mit einer brettchengewebten Wollborte (noch nicht befestigt) aus einem indigoblau gefärbten Woll-Kammgarn-Köper, der wunderschön weich und fließend fällt.

Wikinger-Kleid

Wikinger-Kleid

 

Und hier ist ein ähnliches Kleid mit einer Leinenborte. Der Stoff ist ein feiner Kammgarn Wollköper, der mit Pflanzenfarben eingefärbt wurde.

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Wiki.Kleid aubergine

Hier sieht man ein Detail der Borte, die ich aus sehr feinem, pflanzengefärbten Leinengarn gewebt habe.

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Bortendetail

 

Diese Beinlinge sind innen mit Leinen gefüttert: Für den verwöhnten Ritter und schweißaufsaugend im Sommer!

feine Beinlinge

feine Beinlinge

 

Dieser ungefütterte Halbkreismantel ist aus naturbrauner (von braunen Schafen) Wolle mit Leinengarn von Hand genäht.

Halbkreismantel

Halbkreismantel

 

Das war bei Weitem noch nicht alles, was ich in den letzten zwei Jahren angefertigt habe, es war alles, von dem ich auf die Schnelle halbwegs brauchbare Fotos finden konnte.

Ich hoffe, es ist für euch alle Interessierten etwas dabei, ein kleines Lebenszeichen von mir an die Welt!

 

Schauen wir uns nochmal den Thorwaler auf dem Bild an:

Über der Hose trägt er eine Art Weste, die von einem breiten Gürtel in der Taille zusammengehalten wird, zusätzlich im Brustbereich geschnürt und mit ganz vielen Nieten besetzt ist.

Laut den DSA-Beschreibungen dürfte es sich hier um eine sogenannte Krötenhaut handeln, eine leichte und flexible Rüstung aus Leder, deren viele Nieten dazu gedacht sind, scharfes Metall abzulenken.

Idealerweise sollte eine solche Rüstung auch aus Leder umgesetzt werden. Ich beschreibe hier eine Umsetzung aus Leder, gefüttert mit Leinen oder Baumwollstoff, wer Kunstleder oder einen wie-Leder-aussehenden Synthetik benutzt, kann die Anleitung aber trotzdem benutzen.

Für das Schnittmuster kommt es jetzt ein bisschen darauf an, wie ihr gebaut seid: Falls ihr, wie der Thorwaler auf dem Bild, männlich seid und zwischen Brust und Hüfte so gut wie keine Kurven aufweist, könnt ihr ein ganz rechteckiges Schnittmuster verwenden. Seid ihr dagegen weiblich oder tragt ein kleines Fäßchen am Bauch mit euch herum, solltet ihr die Rüstung lieber etwas genauer zuschneiden.

Genauso wie Ziegenschädel, schwarze Kerzen und Molchaugen unbedingt nötig sind zum Beschwören von Dämonen, gibt es ein paar Dinge, die die Probe beim Nähen von Gewandung erleichtern. Dieser Post ist ursprünglich Teil einer Näh-Anleitung für ein Paar Thorwaler Hosen gewesen, aber ich habe mir gedacht, dass es vielleicht ganz praktisch wäre, ihn noch mal einzeln zu posten, sozusagen zum Nachschlagen, was man als Grundausrüstung so braucht, um sich seine Gewandung selbst zu nähen:

Nähparaphernalien

Nähparaphernalien

Um die Sachen so zu nähen, wie ich es hier beschreibe, benötigt ihr neben Stoff und Nähnadeln noch ein paar Paraphernalien:

  1. Schneiderschere
    eine große, scharfe Schere. Wenn ihr eine neu kauft, lasst euch nicht so’n Quatsch mit Sägeschneiden aufschwätzen. In einem guten Messergeschäft kostet eine große Schneiderschere, die ihr ein Leben lang nachschärfen könnt, um die 30,-
  2. Bügeleisen und Bügelbrett
    Nix besonderes. Das Eisen muss heiß werden und so regulierbar sein, dass ihr auch mal Synthetics bügeln könnt, ohne sie zu schmelzen. Wer kein Bügelbrett hat oder keinen Platz für eines, kann auch ein dickes Handtuch auf einen (unempfindlichen) Tisch legen.
  3. Schnittmusterpapier
    Man kann im Schneiderbedarf extra Schnittmusterpapier kaufen,das sehr leicht ist und halbdurchsichtig, so, dass man damit fertige Muster aus Zeitschriften o.ä. kopieren kann (3,- bis 4,-). Eine Rolle Packpapier erfüllt für uns den gleichen Zweck, genaugenommen jeder Papierbogen, der glatt genug und groß genug ist. Wer also noch etwas rumliegen hat, muss sich nicht extra Schnittmusterpapier kaufen.
  4. Bleistift und Radiergummi
    Ebendiese. Wer gekauftes Schnittmusterpapier verwendet, ist mit einem weichen Bleistift und weichen Radiergummi besser beraten, weil das Papier leicht reißt.
  5. Maßband
    Prinzipiell tut’s das für 1,- aus der Grabbelecke im großen Supermarkt. Leichter handzuhaben sind diese, bei denen jeder Dezimeter unterschiedlich eingefärbt ist. Richtig doof sind die, die auf beiden Seiten gegengleich beschriftet sind. So mancher Messfehler geht auf diese Maßbänder zurück.
  6. Schneiderkreide
    ist eine feste Kreide, deren bunter Staub sich aus den meisten Stoffen rückstandslos auswaschen lässt. (kostet ca 1.-) So lange wir alle Markierungen ausschließlich auf der Rückseite machen, tut’s aber auch ein weicher Bleistift oder sogar ein Kugelschreiber, das sieht später sowieso niemand mehr.
  7. Stecknadeln
    Wer immer genau darauf achtet, die Nadeln nicht zu übernähen und gestecktes Nähgut nicht rumliegen lässt, kann die billigen nehmen. Wer damit rechnet, dass zusammengesteckte Sachen schon mal ein paar Wochen rumliegen, bevor sie fertig genäht werden, nimmt lieber teurere (im Schneidergeschäft beraten lassen), da die superbilligen oft Flugrost ansetzen.
  8. Nähgarn
    Wer am Nähgarn spart, kauft sich Ärger ein. Ich persönlich bevorzuge Baumwollgarn, weil ich selten mit Synthetikstoffen arbeite und daher lieber das gleiche Material für Stoff und Naht haben will. Viele kleine Stoffgeschäfte führen aber eine größere Farbauswahl nur in Synthetik, so, dass man hier vielleicht Zugeständnisse machen muss. Synthetikgarn ist allgemein etwas reißfester.
    Gütermann oder Anker sind gute Marken, von den großen Boxen mit 50 verschiedenfarbigen Rollen im Supermarkt sollte man sich lieber fernhalten.
  9. Nähmaschine
    Prinzipiell geht es auch ohne. Was die Nähmaschine nähen kann, kann man mit der Hand schon längst nähen. Aber es dauert! Weil ich davon ausgehe, dass viele LARPer ähnlich ungeduldig oder vielbeschäftigt sind wie ich, rate ich zur Nähmaschine. Wenn sie gut gepflegt ist, ist die von Oma oder Mama eine gute Wahl. Da bekommt man auch gleich eine Einweisung kostenlos dazu.
    Wer sich extra eine Nähmaschine kaufen will, der lasse sich Zeit. Geht in verschiedene Nähmaschinenläden, nehmt Stoffstückchen mit und verlangt, probezunähen. Wo ihr nicht probenähen dürft, da seid ihr schlecht beraten.  Lasst euch beraten, hört euch alles an.
    Dann schlaft darüber und überlegt, wie oft ihr die elvendröfzig Zierstiche und den Kniehebel brauchen werdet. Für die allermeisten Bedürfnisse des Anfänger-Kostümschneiders tut’s das einfachste Modell.
    Das einzigste Extra, das wirklich auch für blutige Anfänger ein wahrer Segen ist, ist der sogenannte Walking foot: Eine gewöhnliche Nähmaschine transportiert den Stoff von unten: Eine Art Sägezahnkette schiebt zwischen zwei Nadelsenkungen den Stoff en Stückchen nach vorne, damit die Nadel an der nächsten Stelle einstechen kann. Der Nähmaschinenfuß klemmt dabei den Stoff von oben fest und bewegt sich nicht. Dadurch kann es, je nach Material, schon mal zu Verschiebungen zwischen Ober- und Unterstoff kommen, die einen auch schon mal in den Wahnsinn treiben. Der Walking foot dagegen bewegt sich mit jedem Stich mit und bewegt den Stoff gleichzeitig mit dem Untertransport. Viele Nähmaschinen kommen heutzutage schon gleich mit Walking foot, aber häufig sind das die, die auch noch die zweitausend Zierstiche und den Kniehebel haben. Da fährt man meist besser damit, den Fuß einzeln nachzukaufen.

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