Archive for the ‘Mittelalter-Manufaktur’ Category

21
May

Luxus-Hosen

   Posted by: jea Tags: , ,

Hier will ich euch mal ein Paar Luxus-Hosen vorstellen: Vom Schnitt her sind es nichts anderes als die ‘normalen’ spätmittelalterlichen Hosen mit Schamlatz und angesetzten Fußlingen, aber diese hier sind komplett handgenäht und haben auch sonst noch ein paar sehr nette Extras aufzuweisen: Hosen ‘für den verwöhnten Hintern’! ;-)

Gesamtansicht der Hosen von vorn

Der Schnitt ist wie bei allen anderen spätmittelalterlichen Hosen auch: Jedes Bein wird aus einem Stück Stoff (vorzugsweise Wolle) schräg zur Webrichtung zugeschnitten und in der Mitte zusamengefügt. Hier sieht man den Schnitt ganz besonders gut, weil hier jedes Bein eine andere Farbe hat. Geschlossen werden die Hosen auf der Vorderseite mittels eines Bändchens, das durch Nestellöcher auf beiden Seiten gezogen wird, wie man einen Schuh schnürt. Das hat den weiteren Vorteil, dass, wenn der Ritterschmaus gar zu gut war, man dieses Bändchen etwas lockern kann und die Hosen trotzdem nicht herunterrutschen ;-) .

Verdeckt wird diese Schnürung von einem Schamlatz (oder Schamkapsel),  man möchte ja nicht, dass gar jemand einen Blick auf das Allermännlichste erhaschen kann.

Vorderansicht Schamlatz

Weil man im Mittelalter aber nicht prüde war, stellte Mann seine Männlichkeit auch gerne etwas heraus (vergleichsweise damit, wenn heutzutage Schauspieler ihre Badehosen ausstopfen). Dieser ‘Prallsack’ reichte von sehr moderat bis zu ausufernden Größen mit zusätzlich angebrachten ausgestopften Röhren.  Dies hier ist eine recht moderate Größe, sie deutet an, ohne hervorzustechen.

Sehr schön sind auf diesem Bild auch die vielen kleinen Vorstiche zu sehen, mit denen der gewendete Latz noch mal weiter verfestigt wurde.

Schamlatz mit moderatem Prallsack

Hier sieht man eines der Extras: Auf Höhe der Kniekehlen wurden pro Seite vier Nestellöcher angebracht, durch die dann ein brettchengewebtes Band durchgezogen wurde. Mit diesen Bändern kann man dafür sorgen, dass die Beine nicht ‘heruntersacken’, wenn nach längerem Tragen der Stoff sich etwas gedehnt hat. Schließlich sind diese Hosen dazu da, mit seinen perfekt geformten Männerbeinen anzugeben!

Hosenbeine mit durchgezogenem brettchengewebtem Band

Hier gibt es noch mal eine Nahansicht der Nestellöcher mit dem durchgezogenen Band. Die Löcher werden so gefertigt, dass die Fäden des Stoffes mit einer Nähahle auseinandergeschoben werden, um das Loch zu bilden, die Stiche mit dem hellen Leinenfaden halten das Loch dann offen. Kein Faden wird hierfür durchgeschnitten, das ist besonders wichtig, wenn man Löcher mitten auf einer Fläche anbringt und nicht z.B. in Saumnähe.

Nahansicht Nestellöcher und durchgezogenes Brettchenband

Am Fuß wird mit dem Stoff eine Art Schuh gebildet, ein sogenannter Fußling komplett mit Ferse. Die senkrechte Naht verläuft über den Spann an seiner höchsten Stelle, und die waagerechte Naht unten (hier nur durch den Wulst zu erkennen) verläuft um die Fußsohle herum.

Fußling

Hier kann man einen Blick auf das Darunter erhaschen, das Außenstehenden sonst verwehrt bleiben sollte: Der Schnürverschluss hält den Schlitz zusammen und kann, genau wie auch beim Schuh, gelockert oder enger gemacht werden, wie es dem aktuellen Nahrungsangebot entspricht. Auch der Schamlatz wird mit Bändern obengehalten, die natürlich auch verstellbar sind.

Hosen mit offenem Schamlatz

Hier sieht man ein weiteres Extra dieser Luxus-Hosen: Der gefütterte Schamlatz ist als Tasche gearbeitet: Hier kann man(n) alles aufbewahren, was ihm dicht am Herzen (oder anderen Körperregionen) liegt: saubere Taschentücher, Geldbeutel, ein extra Paar Socken, und, und, und. Damit kann man auch den Grad der männlichen Selbstdarstellung weiter varieren.

Auf dem Leinenstoff kann man auch die feinen Handstiche sehr schön sehen.

Schamlatztasche

Mehr Extras: im ganzen oberen Bereich sind diese Hosen mit einem feinen Leinenstoff gefüttert und sorgen damit für einen besonderen Tragekomfort: Das Leinen saugt Schweiß sehr gut auf, im Gegensatz zu Baumwolle gibt es die Feuchtigkeit aber als Wasserdampf leicht wieder ab, der Wasserdampf kann durch den Wollstoff diffundieren.

helles Leinenfutter

Hier noch mal ein Blick nach innen: Sieht das nicht aus, als wäre es furchtbar angenehm auch im Sommer zu tragen?

Hosenfutter

Hier kann man erahnen, wie weit das Futter geht: Es hört auf Höhe der Oberschenkel auf, weil ja ab dort die Beine möglichst eng anliegen sollen und ein Futter hier für einen unmodischen Knuddel-Look sorgen könnte.

Blick ins Hosenbein

Um einen besseren Eindruck der Features verschaffen zu können, habe ich noch mal ein Model in die Hosen gesteckt, das nur leider nicht genau die Maße des designierten Trägers hat: Mein Model hat etwas kürzere Beine und leicht dickere Oberschenkel.

Trotzdem kann man hier sehen, wie die Bänder unter den Knien funktionieren sollen

Kniebänder am Modell (von hinten)

Kniebänder am Modell (von vorne)

Hier sieht man noch mal wie die Fußlinge (hier nicht ganz passend) sitzen:

Fußligne mit Füßen drin

Und dies Bild zeigt sehr schön, wie der Schamlatz die Scham verdeckt und gleichzeitig ein bisschen angibt.

Schamlatz, getragen,nicht ausgestopft

Und, zuguterletzt, ein Blick auf einen feinen Männerhintern, der hier gut abgemalt wird, auch, wenn die Maße für dieses Modell nicht ganz passend sind.

Hinter(n)ansicht, getragen

Ein Paar solcher Luxus-Hosen sind bei mir ab 200,- (plus Stoff) zu erstehen. Dafür bekommt ihr ein handgenähtes, gefüttertes Kleidungsstück, mit brettchengewebten Bändern und einer Tasche im Schamlatz.

Im Preis inbegriffen sind selbstverständlich sämtliche Anproben inklusive aller Cookies, die ihr währenddessen verdrücken könnt!

Auch abweichende Vorstellungen sind fast immer möglich, ich fertige ausschließlich Einzelstücke an, die ich zusammen mit dem zukünftigen Träger genau für ihn (sie) und nach seinen Maßen entwerfe.

Schreibt mir einfach eine eMail an info@mittelalter-manufaktur.de und fragt nach!

10
May

Hochmittelalterliche Damengugel

   Posted by: jea Tags: ,

In vielen Städten war es Frauen im Mittelalter verboten, Kleidung zu tragen, die als Männerkleidung galt.  Auch, wenn dieses Verbot nicht zog, gab es doch einen guten Grund, warum frau nicht die typische Männergugel trug, und das war die Tatsache, dass frau für gewöhnlich einen Schleier trug. Wollte sie über einen Schleier eine Männergugel ziehen, würde der Schleier sicherlich verrutschen.

Also entwickelte sich ein Kleidungsstück, das vorne offen war, so, dass man es über den Schleier ziehen konnte, ohne ihn zu verrutschen.

Am Hinterkopf hatte die Gugel einen kleinen Zipfel, wie auch bei den Männergugeln üblich.

Geschlossen wurde die Gugel mit geflochtenen Bändern, die entweder durch Nestellöcher gezogen oder fest angenäht wurden.

Genau wie die Männergugeln wurde auch bei den Frauengugeln der Saum umgeschlagen, so, dass das kontrastierende Futter sichtbar wurde.

Eine solche Gugel kostet ab 45,- Euro, dazu kommen noch die Kosten für den verwendeten Stoff. Dafür bekommt die Kundin eine vollständig gefütterte Gugel, angepasst für ihre Größe, inklusive handgeflochtener Bänder in einer passenden Farbe, verziert mit Nestelspitzen.

Hier ist ein Spätmittelalterlicher Mantel, genannt Cioppa. Es handelt sch um einen sehr eindrucksvollen Mantel der auf Abbildungen zwischen Spätmittelalter und Frührenaissance in Italien zu sehen ist.

Er hat sich recht sicherlich aus dem Kreismantel entwickelt, dessen Saum bereits mit der Entwicklung der geschlossenen Hosen nach oben gerutscht ist.

Der ganze Mantel

Hier sieht man den Zuschnitt des Mantels, der im ganzen einen Vollkreis ausmacht. Anstatt die Stofffülle wie in der Gotik in schweren Falten nach unten fallen zu lassen, werden für diesen Mantel regelmäßige Falten gelegt und später mit vielen kleinen Stichen fixiert.

Zuschnitt

Diese Art Mantel ist häufig mit halbkreisförmigen Scheinärmeln zu sehen, aber für diesen Mantel wünschte sich der Kunde ein weites Paar Ärmel mit einer Öffnung am Ellenbogen zum Durchstecken der Arme (vgl. Gardecorps), das an den Handgelenken eng genug anliegt, dass der leicht überlange Ärmel nicht über die Hände rutscht.

Hier hat man einen guten Blick auf die fixierten Falten und  die Öffnung im Ärmel zum Durchstecken der Arme.

Vorn wird der Mantel mit einer Reihe stoffbezogener Knöpfe geschlossen.

fixierte Fältchen

Hier hat man einen guten Blick auf den Mantel von der Seite, besonders auf die überlangen, weiten Ärmel.

Seitenansicht

Hier sieht man noch einmal den Mantel nvon hinten, die gleichmäßige Verteilung der Falten und die weiten Ärmel.

Rückansicht

Ein solcher Mantel ist ab 300,- Euro zu haben, die Kosten für die verwendeten Stoffe kommen noch dazu.

Dafür bekommt ihr einen  für euch persönlich und nach euren Maßen gefertigten, vollständig gefütterten Mantel, mit von Hand stoffbezogenen Knöpfen und mit Handnähten und superfeinen Stichen fixierten Falten inklusive aller nötigen Anproben.