Archive for May, 2012

30
May

LARP-Outfit

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 

Diese Ausstattung habe ich für einen LARPer  gemacht.

Die Grundidee war, dass die Kleider angelehnt werden sollten an Kleidung des 16. Jahrhunderts.

Die dargestellte Rolle sollte die eines Kommissars sein, also sind wir mit schweren Wollstoffen gegangen; Sachen, die nicht unbedingt fancy sind, aber qualitativ hochwertig und haltbar. Alle Sachen sind vollständig gefüttert mit einem mittelschweren Leinenstoff, der noch mehr zur Stabilität des Sitzes der Kleider beiträgt. Außerdem können die Sachen auf diese Art ihren Träger besser vor scharfem Wind schützen und das Leinenfutter nimmt Hautschweiß auf und gibt so ein trockenes Gefühl auf der Haut.

Der Hut ist nicht versteift, außer mit dem normalen Leinenfutter. Der grüne Rand ist dazu gedacht, hochgeklappt zu werden, wie hier auf dem Bild. Diese Krempe ist auch ein guter Ort, um kleine Abzeichen o.ä. anzubringen.

Die Jacke haben wir stark abgeändert. Während die Jacken im 16.Jahrhundert nur bis Hüfthöhe gingen, haben wir diese Jacke so weit verlängert, dass sie über den Hintern fällt. Dann haben wir einen Umschlagkragen nach Vorbild des 19. Jahrhunderts zugefügt, so wie Taschen mit farblich abgesetzten Einfassungen, die ich ebenfalls bei einem 19.Jh Frack entlehnt habe.

Die Flügelchen an den Schultern und die angenestelten Ärmel dagegen entsprechen dem 16.Jh Vorbild, genau wie die Zinknöpfe

Die Hose ist 1:1 vom 16. Jh historische Vorbild übernommen, sie geht bis über’s Knie und wird unter dem Knie mit Zinnknöpfen geschlossen. Der farblich abgesetzte Hosenschlitz wird mit Zinnknöpfen geschlossen, an den Seiten hat sie tiefe Taschen.

Eigentlich würde eine solche Hose am Wams befestigt, aber, da das Wams so stark verändert wurde, soll auch diese Hose wie eine moderne Hose ohne Unterstützung auf den Hüften halten.

Eine Kombi wie diese kostet ungefähr 400,-Euro, zuzüglich den Stoffkosten. Dafür bekommt der Kunde ein Wams, Hosen und Hut nach seinen Vorstellungen und in seinen Maßen. Der Entwurf wird mit dem Kunden so gestaltet und so lange verändert, bis er seinen Vorstellungen entspricht. Selbstverständlich sind auch alle nötigen Anproben im Preis enthalten.

 

Tags: ,

21
May

Pelz-Cotta

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 

Ein Kunde brachte mir einen alten Pelzmantel mit, den er geschenkt bekommen hatte und fragte mich, ob ich da draus eine Cotta (einen Surcot) machen könnte. Er hätte sie gerne vorn offen und anstelle des Synthetik-Watte-Futters ein Futter aus einem ungebleichtem Leinenstoff.

Ich habe erst mal vorsichtig das Futter herausgetrennt und zur Seite gelegt, denn das brauchte ich ja noch für die Schnittmustererstellung des neuen Futters.

Dann habe ich damit begonnen, möglichst vorsichtig (der Pelz ist stellenweise schon brüchig) alle Knöpfe und Verschlüsse zu entfernen und die Schlitze, die das im Pelz hinterlassen hat, möglichst unauffällig zu schließen.

Das ist bei Pelz immer ein bisschen tricky: Macht man zu wenige Stiche, sieht man es, macht man zu viele Stiche, entsteht eine wunderbare Perforierlinie, an der der Pelz reißen kann.

Im Übrigen habe ich mittlerweise herausgefunden, dass es sich bei dem unbekannten Pelz um einen Hamsterpelz handelt. Feldhamster waren vor noch gar nicht sooo langer Zeit nicht selten, sondern so häufig, dass man gefangene und erschlagene Exemplare bei öffentlichen Stellen gegen Bares tauschen konnte. Heutzutage ist das etwas anders, Zusammenhänge mit der oben erwähnten policy sind selbstverständlich rein zufällig…

Das Futter wurde dann noch mal aus dem ungebleichten Leinenstoff zugeschnitten und mit einer französischen Naht vernäht. Diese ist sehr schön haltbar, weil doppelt gemoppelt, aber auf der Außenseite ganz unsichtbar. Das fertig zusammengefügte Futter wurde dann mit einem gewachsten doppelt verzwirnten Leinengarn rechts auf rechts auf den Pelz genäht (immer schön auf die kleine Haare aufpassen, denn, wenn man die mit durch den Stich zieht, gibt es einen großen dicken Klumpen, bevor man sh*t sagen kann und das Garn reißt) und dann durch eine kleine Öffnung gewendet. Öffnung schließen, fast fertig.

Schließlich habe ich noch aus dem gleichen Stoff acht Schlaufen angefertigt und aufgenäht, mit denen der Surcot über der Brust geschlossen werden kann.

Passend zum Pelz ist das Verschlussband dann auch nicht aus Stoff, sondern aus einem weichen Leder.

Wie man an den Dummy-Fotos sehen kann, ist ein richtig schicker Sorcot daraus geworden, ein echtes Angeberstück, das, wenn auf links getragen, seinen Träger zusätzlich noch mollig warm halten kann.

 

Tags: , , ,

21
May

Luxus-Hosen

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 

Hier will ich euch mal ein Paar Luxus-Hosen vorstellen: Vom Schnitt her sind es nichts anderes als die ‘normalen’ spätmittelalterlichen Hosen mit Schamlatz und angesetzten Fußlingen, aber diese hier sind komplett handgenäht und haben auch sonst noch ein paar sehr nette Extras aufzuweisen: Hosen ‘für den verwöhnten Hintern’! ;-)

Gesamtansicht der Hosen von vorn

Der Schnitt ist wie bei allen anderen spätmittelalterlichen Hosen auch: Jedes Bein wird aus einem Stück Stoff (vorzugsweise Wolle) schräg zur Webrichtung zugeschnitten und in der Mitte zusamengefügt. Hier sieht man den Schnitt ganz besonders gut, weil hier jedes Bein eine andere Farbe hat. Geschlossen werden die Hosen auf der Vorderseite mittels eines Bändchens, das durch Nestellöcher auf beiden Seiten gezogen wird, wie man einen Schuh schnürt. Das hat den weiteren Vorteil, dass, wenn der Ritterschmaus gar zu gut war, man dieses Bändchen etwas lockern kann und die Hosen trotzdem nicht herunterrutschen ;-) .

Verdeckt wird diese Schnürung von einem Schamlatz (oder Schamkapsel),  man möchte ja nicht, dass gar jemand einen Blick auf das Allermännlichste erhaschen kann.

Vorderansicht Schamlatz

Weil man im Mittelalter aber nicht prüde war, stellte Mann seine Männlichkeit auch gerne etwas heraus (vergleichsweise damit, wenn heutzutage Schauspieler ihre Badehosen ausstopfen). Dieser ‘Prallsack’ reichte von sehr moderat bis zu ausufernden Größen mit zusätzlich angebrachten ausgestopften Röhren.  Dies hier ist eine recht moderate Größe, sie deutet an, ohne hervorzustechen.

Sehr schön sind auf diesem Bild auch die vielen kleinen Vorstiche zu sehen, mit denen der gewendete Latz noch mal weiter verfestigt wurde.

Schamlatz mit moderatem Prallsack

Hier sieht man eines der Extras: Auf Höhe der Kniekehlen wurden pro Seite vier Nestellöcher angebracht, durch die dann ein brettchengewebtes Band durchgezogen wurde. Mit diesen Bändern kann man dafür sorgen, dass die Beine nicht ‘heruntersacken’, wenn nach längerem Tragen der Stoff sich etwas gedehnt hat. Schließlich sind diese Hosen dazu da, mit seinen perfekt geformten Männerbeinen anzugeben!

Hosenbeine mit durchgezogenem brettchengewebtem Band

Hier gibt es noch mal eine Nahansicht der Nestellöcher mit dem durchgezogenen Band. Die Löcher werden so gefertigt, dass die Fäden des Stoffes mit einer Nähahle auseinandergeschoben werden, um das Loch zu bilden, die Stiche mit dem hellen Leinenfaden halten das Loch dann offen. Kein Faden wird hierfür durchgeschnitten, das ist besonders wichtig, wenn man Löcher mitten auf einer Fläche anbringt und nicht z.B. in Saumnähe.

Nahansicht Nestellöcher und durchgezogenes Brettchenband

Am Fuß wird mit dem Stoff eine Art Schuh gebildet, ein sogenannter Fußling komplett mit Ferse. Die senkrechte Naht verläuft über den Spann an seiner höchsten Stelle, und die waagerechte Naht unten (hier nur durch den Wulst zu erkennen) verläuft um die Fußsohle herum.

Fußling

Hier kann man einen Blick auf das Darunter erhaschen, das Außenstehenden sonst verwehrt bleiben sollte: Der Schnürverschluss hält den Schlitz zusammen und kann, genau wie auch beim Schuh, gelockert oder enger gemacht werden, wie es dem aktuellen Nahrungsangebot entspricht. Auch der Schamlatz wird mit Bändern obengehalten, die natürlich auch verstellbar sind.

Hosen mit offenem Schamlatz

Hier sieht man ein weiteres Extra dieser Luxus-Hosen: Der gefütterte Schamlatz ist als Tasche gearbeitet: Hier kann man(n) alles aufbewahren, was ihm dicht am Herzen (oder anderen Körperregionen) liegt: saubere Taschentücher, Geldbeutel, ein extra Paar Socken, und, und, und. Damit kann man auch den Grad der männlichen Selbstdarstellung weiter varieren.

Auf dem Leinenstoff kann man auch die feinen Handstiche sehr schön sehen.

Schamlatztasche

Mehr Extras: im ganzen oberen Bereich sind diese Hosen mit einem feinen Leinenstoff gefüttert und sorgen damit für einen besonderen Tragekomfort: Das Leinen saugt Schweiß sehr gut auf, im Gegensatz zu Baumwolle gibt es die Feuchtigkeit aber als Wasserdampf leicht wieder ab, der Wasserdampf kann durch den Wollstoff diffundieren.

helles Leinenfutter

Hier noch mal ein Blick nach innen: Sieht das nicht aus, als wäre es furchtbar angenehm auch im Sommer zu tragen?

Hosenfutter

Hier kann man erahnen, wie weit das Futter geht: Es hört auf Höhe der Oberschenkel auf, weil ja ab dort die Beine möglichst eng anliegen sollen und ein Futter hier für einen unmodischen Knuddel-Look sorgen könnte.

Blick ins Hosenbein

Um einen besseren Eindruck der Features verschaffen zu können, habe ich noch mal ein Model in die Hosen gesteckt, das nur leider nicht genau die Maße des designierten Trägers hat: Mein Model hat etwas kürzere Beine und leicht dickere Oberschenkel.

Trotzdem kann man hier sehen, wie die Bänder unter den Knien funktionieren sollen

Kniebänder am Modell (von hinten)

Kniebänder am Modell (von vorne)

Hier sieht man noch mal wie die Fußlinge (hier nicht ganz passend) sitzen:

Fußligne mit Füßen drin

Und dies Bild zeigt sehr schön, wie der Schamlatz die Scham verdeckt und gleichzeitig ein bisschen angibt.

Schamlatz, getragen,nicht ausgestopft

Und, zuguterletzt, ein Blick auf einen feinen Männerhintern, der hier gut abgemalt wird, auch, wenn die Maße für dieses Modell nicht ganz passend sind.

Hinter(n)ansicht, getragen

Ein Paar solcher Luxus-Hosen sind bei mir ab 200,- (plus Stoff) zu erstehen. Dafür bekommt ihr ein handgenähtes, gefüttertes Kleidungsstück, mit brettchengewebten Bändern und einer Tasche im Schamlatz.

Im Preis inbegriffen sind selbstverständlich sämtliche Anproben inklusive aller Cookies, die ihr währenddessen verdrücken könnt!

Auch abweichende Vorstellungen sind fast immer möglich, ich fertige ausschließlich Einzelstücke an, die ich zusammen mit dem zukünftigen Träger genau für ihn (sie) und nach seinen Maßen entwerfe.

Schreibt mir einfach eine eMail an info@mittelalter-manufaktur.de und fragt nach!

 

Tags: , ,

Seite 1 von 212»