Mal wieder ist es viel zu lange her, dass ich zuletzt gebloggt habe…
Dafür habe ich hier ein Mammut-Pojekt für alle Freunde der vielen, vielen Bilder:
Einen Gambeson nach Maciejowski-Bibel Vorlage, vollständig mit der Hand genäht.
Dies ist die Vorlage
und dies ist daraus geworden:
Gedauert hat dieses Mammut-Projekt mehr als ein halbes Jahr, in dem ich im Schnitt ein bis zwei Stunden täglich daran gearbeitet habe (mehr als vier Stunden täglich für ein einzelnes Projekt waren nicht drin, wenn ich meine anderen Kunden nicht durch zu lange Wartezeiten verärgern wollte).
Aus diesem Grund werde ich solch einen Gambeson in Zukunft nur noch unter ganz bestimmten Bedingungen anbieten, mehr dazu am Ende dieses Blogs.
Jetzt geht es aber erst mal um den Gambi.
Der fängt, wie alle anderen Gambesons, an mit einem Wollvlies, Leinenstoff und Faden.
Hier ist das Wollvlies: Der Kunde hat sich für Fettwolle entschieden, die riecht zwar etwas stärker nach Schaf als andere, aber durch den erhöhten Lanolin-Gehalt ist sie noch wasserabweisender.
Hier sieht man das Vlies ganz ausgebreitet, in ein-facher Stärke
Da der Kunde sich von dem Gambeson auch ernsthaften Schutz verspricht, habe ich dieses Vlies doppelt genommen für den Gambi.
Hier kann man den Leinenstoff sehen, wir haben uns für ungebleichten Stoff entscheiden (dreckig wird der Gambi ganz von selbst), innen eine feine Qualität für mehr Tragekomfort, außen eine grobe für mehr Robustheit.
Als Nähfaden habe ich mich für gepichtes Leinengarn entschieden. Damit nähe ich normalerweise Schuhe und Schwertscheiden.
Dies Garn ist auf der Rolle 6-fach verzwirnt, das heißt, dass 6 unverzwirnte Fäden zusammengedreht sind.
Zum Nähen von Kleidung ist das aber zu dick und zu steif, ich möchte es nur 1/3 so dick haben, das heißt, ich muss den Faden in drei Fäden teilen
und die drei Teile dann wieder neu verzwirnen
Jeder der neuen Fäden wird dann noch mal mit Bienenwachs eingerieben und kräftig verzwirnt, bis ein steifer Draht entsteht.
Dann beginnt der erste Teil der Gambeson-Odyssee: Das ‘Sandwich’, das hier statt eines normalen Stoffes die Elemente des Kleidungsstückes bildet, muss erst gebildet werden.
Dazu werden jeweils zwei Stoffbahnen mit einem doppelten Wollvlies dazwischen zu einem Sandwich zusammengefügt und auf einen Rahmen aufgespannt.
Dann werden zunächst mit dem gewachsten Faden Kreuzungspunkte zusmmengesteppt, die zuvor auf beiden Seiten passend markiert wurden.
Hier ist noch ein lustiger Grund, warum man nicht mehr als zwei Stunden am Stück steppen kann: Während die Außenreihen noch ganz einfach gehen, muss man für die Stiche in der Mitte des Stücks die Arme so weit recken, dass die nach einer Weile aufs Heftigste anfangen, zu protestieren.
Aber, mit dem Karo-Sandwich ist es ja noch längst nicht getan: Das Vorlagenbild zeigt Röhren. Also muss jetzt die Reihe der Stepppunkte mit einem Vorstich zu einer Linie verbunden werden.
Hier sieht man ein Stück, das schon teilweise durchgesteppt ist, in der Mitte sind noch nur die Karopunkte zu sehen:
Hier sieht man ein fertiges Vorder- oder Rückenstück: Wenn es nicht mehr aufgespannt ist, sind die Röhren auch deutlicher sichtbar als im gespannten Zustand.
Als nächstes müssen die Stücke zugeschnitten werden, so wie die für das Kleidungsstück gebraucht werden. Damit nicht an den Schnitten die Wolle herausquillt, muss vorher an allen Schnittkanten abgesteppt werden. Gerade bei den Zaddeln dauert das ganz schön lange…
Dann müssen noch Halsausschnitte, abgeschrägte Schultern und ein Kopfschlitz vorbereitet werden. Auf eine Armkugel wird hier verzichtet.
Dann erst kommt die Schere zum Einsatz und die Teile werden zugeschnitten.
Jetzt erst sind wir so weit, dass die einzelnen Teile zu einem Kleidungsstück zusammengefügt werden können.
Um die Nahtkanten nicht nur stabil, sondern auch möglichst sauber zu halten, arbeite ich mit einem Knopflochstich, der versäubert gleichzeitig die Schnittkante.
Von besonderem Interesse sind hier noch die Ärmel, denn die sollen in Handschuhen enden. Hier sieht man den angesetzten Ärmel, Außenansicht, noch ohne Handschuh.
Hier sieht man die Handschuhe, wie sie vom Stepprahmen kamen, an der Außenseite zusammengefügt.
Da die Außenseite aber auf der Unterseite des Ärmels, lliegt, da, wo der Ärmel zusammengefügt ist, müssen auch die Handschuhe geteilt werden. Dies geschieht auch hier mithilfe einer Steppnaht links und rechts des Teilungsschnittes.
Dann erst werden sie auseinandergeschnitten
und an den Ärmel angesetzt.
Damit der Träger in Zukunft auch noch seine Finger benutzen kann, wenn er den Gambi trägt, müssen Schlitze am Handgelenk eingearbeitet werden, durch die er die Hände herausstrecken kann. Gleiche Technik hier: Auf beiden Seiten absteppen, dann schneiden.
Die Handschuhe werden jetzt zunächst mit einem schmalen Stoffstreifen versäubert. Dazu wird dieser zunächst mit einem Vorstich angebracht
und dann umgeschlagen und auf der anderen Seite mit Überwendlichstichen festgemacht.
Auf die gleiche Art werden übrigens die Zaddeln versäubert. so wie überhaupt alle offenen Stoffkanten:
Damit die Handschuhe trotz des großen Schlitz’ gut am Handgelenk halten, muss der Schlitz mit einem Band zusammengezogen werden können. Dsfür braucht es Nestellöcher
Bevor der Handschuh zusammengenäht wird, wird zwischen Daumen und Zeigefinger noch ein kleines Stückchen Ziegenleder angebracht, das einerseits dazu dient, den Handschuh ‘griffiger’ zu machen, andererseits etwas mehr Platz zum Bewegen bereitstellt.
Um schließlich die konstruierenden Nähte einerseits zu verstärken, andererseits nicht ganz so tief erscheinen zu lassen, werden alle konstruierenden Nähte noch auf der Außenseite zusätzlich mit einer Vorstich-Naht geschlossen: Auf den Foto links ist die unversäuberte Naht zu sehen, rechts die bereits versäuberte.
Das Ansetzen des Kragens habe ich nicht mehr dokumentiert, aber auch hier wurden die gleichen Techniken benutzt wie bei den anderen Teilen: Steppteile mit Knopflochstich zusammenfügen, mit Band alle offenen Seiten versäubern, Nestellöcher zum Verschließen und schließlich Vorstichnaht über die konstruierenden Nähte.
So kommt man von ein paar Metern Stoff, Wolle und Leinendraht schließlich zu einem fertigen Gambeson:
Und, weil das so furchtbar viel Arbeit ist, gibt’s diese Version nur noch für echte ‘Authentiker’, die es sich Geld und Zeit kosten lassen, einen komplett handgefertigten Gambeson zu besitzen:
Ein Jahr Anfertigungszeit und 1000,- pauschal (inklusive aller Extras, Anproben etc.) werden diese Gambesons kosten.
Oder aber, ihr lest euch das Blog ganz genau durch, und versucht es selbst!
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Tags: Gambeson



































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