Ich beschreibe hier den etwas komplizierteren Schnitt; wer meint, dass das für ihn nicht lohne, der kann auch einfach eine gerade Linie zwischen Brust und Hüfte ziehen.

Als erster Schritt steht also mal wieder das Messen auf der Reihe. Erwähnte ich schon, dass Messen viel, viel einfacher wird, wenn eine zweite Person euch dabei hilft? Ihr solltet einfach nur still stehen, möglichst aufrecht (als würdet ihr bei der Messung beim Arzt versuchen, einen Extra-Zentimeter rauszuholen) und die zweite Person sollte um euch herumwuseln und euch ausmessen.

Für die Krötenhaut brauchen wir den Brustumfang, den Bauchumfang und den Hüftumfang. Außerdem die Schulterbreite und die Abstände zwischen den Maßen.

  • Schulterbreite (A)
  • Brustumfang (B)
  • Bauchumfang (C)
  • Hüftumfang (D)
  • Abstand Schulterbreite und Brustumfang (E)
  • Abstand Schulterbreite und Bauchumfang (F)
  • Abstand Schulterbreite und Hüftumfang (G)
Krötenhaut Maßnehmen

Maßnehmen für die Krötenhaut

Weil wir diese Krötenhaut später mit Nieten in regelmäßigen Abständen verzieren wollen, solten wir am besten ein gerastertes Schnittmuterpapier verwenden (kann man im Nähladen kaufen). Wer nicht in solches Papier investieren kann oder mag, sollte sich am besten ein anderes großes kariertes Papier besorgen (Schreibunterlagen z.B.) oder selbst Rasterlinien einzeichnen. Ein Karo mit einer Kästchenbreite von 5cm wäre ein guter Mittelwert.

Rasterpapier

Rasterpapier für Schnittmuster

Für das Schnittmuster übertragt nun zunächst das Kreuz aus den Höhenmaßen und den Breitenmaßen (Achtung: Brustumfang (D), Bauchumfang (E) und Hüftumfang (F) durch zwei teilen!)
Verbindet jetzt die Außenpunkte und ihr erhaltet eine Art symmetrisches Achteck. Teilt das Schnittmuster in der Mitte, die eine Hälfte wird eure Vorderseite, die andere die Rückseite.

Für den endgültigen Schnitt braucht ihr jetzt noch einen Halsausschnitt und Armlöcher. Für den Halsausschnitt nehmt einfach das Maß um euren Hals (unten, dort, wo eine Kette sitzen würde) und macht einen Kreis mit diesem Umfang (durch pi teilen, dann habt ihr den Durchmesser). Dann faltet den Kreis so, dass ein Teil ca 1/3, der andere ca. 2/3 der Fläche beinhaltet. Den größeren, den 2/3 Teil legt ihr auf den Teil des Schnittmusters, der die Vorderseite werden soll, den anderen auf die Rückseite. Jetzt braucht ihr noch Armlöcher. Die haben im Schnitt eine Länge von 60cm (ein bisschen weniger für kleine, schmale Menschen, ein bisschen mehr für bullige, große). Nehmt also euer Maßband und zieht einen Bogen von ca. 30cm von der oberen Ecke (dort, wo ihr die Schulterbreite aufgetragen habt) bis ca. zur Höhe der Brustweite. Wenn ihr jetzt das Schnittmuster an der Teilungslinie zusammenklappt, könnt ihr diesen Bogen auf die andere Seite übertragen und erhaltet so genau die gleichen Bögen für vorne und hinten.

Hals- und Ärmelausschnitt Krötenhaut

Hals- und Ärmelausschnitt Krötenhaut

Jetzt fehlt noch eine Linie im Abstand von 1,5cm außen herum für die Nahtzugabe.

Wenn ihr das  alles geschafft habt, habt ihr ein halbes Schnittmuster für vorne und ein halbes für hinten.

 

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This entry was posted on Thursday, August 22nd, 2013 at 15:34 and is filed under Mittelalter-Manufaktur. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can skip to the end and leave a response. Pinging is currently not allowed.

One comment

Tapferes Schneiderlein
 1 

Ich hab das Schnittmuster ausprobiert (für die Außenseite hab ich Kunstleder genommen) und hab noch ein paar Anmerkungen/Verbesserungsvorschläge für alle die sich daran versuchen wollen.

1. Wenn ihr Maß nehmt, rechnet zusätzlich zur Nahtzugabe nochmal 2-3cm drauf, denn durch das wenden am Ende gehen nochmal ein paar cm weg.

2. Wenn ihr die drei Westen näht, denkt daran den Saum an den Ärmeln NICHT umzunähen (ich hab nicht dran gedacht und musste auftrennen)

3. Um die Westen zusammen zu nähen muss die Rehenfolge (im Gegensatz zur Anleitung!)
Stoff – Leder – Vlies
sein. Dabei liegen Stoff und Leder mit der guten Seite aufeinander. Nur so liegt das Vlies nach dem Wenden in der Mitte der Schichten.

3. Näht die Westen an den Schultern NICHT zusammen (lernt aus meinen Fehlern)

4. Da die Ärmel noch offen sind, ist es einfacher die Westen durch einen der Ärmel zu wenden als durch ein kleines Loch.

Davon abgesehen funktioniert der Schnitt aber sehr gut und sieht auch sehr gut aus.
Danke für die vielen Skizzen!

May 6th, 2014 at 19:01

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