18
Feb

Triple-A-Schwertscheide

   Posted by: jea   in Mittelalter-Manufaktur

 

Gerade habe ich eine Triple-A-Scheide für ein sehr außergewöhnliches Schwert angefertigt.  Das Besondere an diesem Schwert ist:  Es ist ein ‘Echtes’.

Es ist wesentlich dünner als Schaukampfschwerter und die Klingen sind scharf geschliffen.  Es wiegt auch – geschätzt – nur ein Drittel von dem, was ein Schaukampfschwert dieser Länge wiegen würde. Es war wirklich sehr interessant für mich, mal ein solches Schwert in der Hand zu halten: Es ist erstaunlich gut ausgewogen, obwohl Griff und Pommel nicht besonders schwer sind und sogar ich zarter Hänfling könnte es gut und sicher führen.

Die schmale Klinge war dann leider auch der Grund, warum mal wieder alles ein wenig länger gedauert hat und ich einen guten Teil der Arbeit doppelt machen durfte :-( .

Triple-A-Scheiden bestehen ja, im Gegensatz zu meinen einfachen Kastenscheiden, aus zwei gerundeten Sperrholzblättern (Laubholz), die passend für die Klinge gebogen werden.

Das Holz wird dafür zugeschnitten und eine Weile lang gewässert, danach in die gewünschte Linsen-Form gebracht und so trocknen gelassen. Für das In-Form-Bringen verwende ich normalerweise einen Holz-Dummy, der in etwa so breit wie die Klinge ist. Aber diese Klinge ist extrem flach, viel flacher als ich es gewohnt bin. Beim Einklammern fand ich noch den Querschnitt angenehm linsenförmig, wenn auch ein wenig flach, aber nach dem Trocknen biegt sich das Holz noch etwas zurück, und dabei blieb leider kaum noch Rundung übrig.

Also zurück zum Reißbrett: Für den zweiten Versuch habe ich einen Dummy genommen, der mehr als doppelt so dick ist wie die Klinge und diesesmal hat es dann auch wirklich funktioniert und ich habe einen angenehmen Linsenquerschnitt erhalten, der vielleicht noch ein wenig weit ist, aber das sollte sich bessern, wenn erst mal das Leinenfutter drinnen ist. (Was man hier nicht sieht, ist das tagelange Wässern und Trocknen der Scheidenrohlinge. Wirklich sehr unangenehm, der ganze Zeitverlust, aber some things can’t be rushed…)

Als ich dann mit dem Rohling so weit zufrieden war, kam das Futter an die Reihe. Um es nicht gleich an den Klingen aufzureißen, habe ich das Schwert sorgsam gepolstert und dann in Leinen eingenäht.

Das Futter wird dann mit Knochenleim in den Scheidenrohling eingeklebt und in Form trocknen gelassen. Das hilft auch, den gewünschten Querschnitt zu sichern. Wichtig ist, dass die halbfertige Scheide immer genug Zeit zum Trocknen bekommt; was man auf gar keinen Fall haben will, ist Feuchtigkeit in der Scheide, die womöglich, weil sie nirgends raus kann, auch noch Schimmel einfängt!

Schließlich bekommt die Scheide noch eine stützende Schicht aus Leinen von außen. Das Leinen wird in Streifen geschnitten und mit Knochenleim aufgeklebt. Knochenleim ist so etwas wie sehr dicke Gelatine, er klebt sehr gut, bleibt aber auch in festem Zustand noch flexibel. Instrumentenbauer benutzen fast ausschließlich Knochenleim (oder andere, ähnliche Leime wie Hasenleim, Fischblasenleim…).

Das macht aus der Scheide so etwas wie einen mittelalterlichen Verbundstoff: Am Ende ist die Scheide sehr formstabil und gleichzeitig flexibel. Hiermit ist der bedeutende Teil der Scheide eigentlich schon fertig, was jetzt folgt, sind ‘nur’ Verzierungsarbeiten :-)
Aber auch hier gilt wieder: Ordentlich Trocknen lassen!

Jetzt bekommt die Scheide nämlich noch ein schickes Mäntelchen aus Leder. Ich verwende hier vegetabil gegerbten Rinderhals, der ist wunderbar weich und gleichzeitig sehr stark.

Ich kaufe mein Leder übrigens bei Klaus Flach in Kiel. Die Preise dort sind nicht gerade billig im Vergleich, aber hier haben sie wirklich eine gute Auswahl vegetabil gegerbter Leder und ich kann mich auf eine gleichbleibende Qualität verlassen. Auch ist es nicht selbstverständlich, dass ich Sonderwünsche wie z.B. eine sehr lange Haut oder eine möglichst kleine Haut einfach erfüllt bekomme. Der Internetauftritt ist ein ziemliches Durcheinander, ohne Skripte funktioniert die Seite gar nicht. Aber, wenn man anruft, wird man gut beraten und die Lieferung geht umgehend auf den Weg.

Das Leder wird eingeweicht und dann in nassem Zustand um die Scheide genäht. Das ist wichtig, weil das nasse Leder noch mal flexibler ist als das Trockene, so kann ich das Leder fest um die Scheide ziehen und beim Trocknen zieht es sich noch ein wenig zusammen und liegt dann knalleng an.

Oben am Scheidenmund werden noch ein paar Feinheiten angebracht: Ich lege dicke Lederstreifen unterhalb des Bezugsleders auf die Scheide , die werden später sichtbare Wölbungen ergeben und die durchgezogene Wicklung sehr schön umrahmen.

Die Klinge hat an der Parierstange eine kleine Verzierung, die Parierstange ist hier V-förmig ein wenig zur Klinge hin ausgezogen.

Dieser Einschnitt ist sehr flach, vielleicht einen Zentimeter breit, mit einem passend geformten Scheidenkern ist hier wenig zu wollen, weil das dicke Leder diesen Einschnitt fast unsichtbar machen würde. Also habe ich mich entschieden, das Bezugsleder ein wenig weiter herauszuziehen als normal (ein bis zwei Zentimeter) und schon in feuchtem Zustand an der passenden Stelle ein wenig einzudrücken. Das Leder bildet also einen dicken Rand über dem Mund der Scheide und es sollte jetzt weich genug sein, um sich der Form der Parierstange anzupassen, wenn das Schwert darin getragen wird.

Wenn die Scheide fertig bezogen ist, muss sie unbedingt gut geglättet werden, sonst bekommt das leder beim Trocknen viele kleine Runzeln und das sieht gar nicht gut aus.  Zum Glätten verwendet man ein Stück Holz oder Knochen, es gibt sogar aus dem Buchbinderbereich ein spezielles Werkzeug aus Knochen, ein sogenanntes Falzbein.

Fehlt noch die Wicklung, aber vorher heißt’s mal wieder : Trocknen lassen, denn gerade das Leder kann viel Feuchtigkeit speichern, auch, wenn es sich gar nicht mehr nass anfühlt.

Für die Wicklung will ich alaunggerbtes Schweineleder verwenden, das macht die schönen reinweißen Ritter-Schwertgurte. Zusammen mit dem rötlichen Rinderhals (der auch noch geölt und so nachgedunkelt werden soll), sollte das einen sehr hübschen Kontrast ergeben.

Bevor gewickelt wird,muss noch das Leder geölt  und poliert werden, einfach ganz langsam, nach und nach in kleinen, kreisenden Bewegungen zuerst das Öl einreiben, und danach mit Lederfett und Wasser so lange polieren, bis das Leder richtig glänzt und Wassertropfen abperlen.

So sieht die fertige Schwertscheide mit Wicklung aus:

Netterweise hatten wir heute nachmittag so etwas wie Sonne, so, dass ich ein paar anständige Fotos bei Tageslicht machen konnte, die Farben kommen dabei einfach unendlich viel schöner heraus als bei dem leidigen Kunstlicht. Hier haben wir ein Close-Up von der Wicklung, man kann gut sehen, wie die Wicklung von den Erhebungen im Leder eingerahmt wird.

Und zum Abschluss gibt’s noch ein Foto in Manesse-Art, mit umgewickelten Gürtel, sehr schön hier der Kontrast zwischen dem dunklen Leder und dem reinweißen Gurt.

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This entry was posted on Thursday, February 18th, 2010 at 23:46 and is filed under Mittelalter-Manufaktur. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can skip to the end and leave a response. Pinging is currently not allowed.

3 comments so far

Hermann
 1 

Hallo,

sehr schöne Arbeiten!
Was mich besonders interessieren würde: Hast du eine gute Adresse für das alaungegerbte Leder und würdest du diese mit mir teilen :) ? Ich habe zwar inzwischen die ein oder andere Bezugsquelle, aber das angebotene Leder ist bei diesen nicht so wunderbar weiß.

Viele Grüße
Hermann

December 30th, 2013 at 04:42
 2 

Wirklich wieder eine sehr sehr schöne Inspiration fürs Basteln. Dein Blog ist wirklich immer ein Besuch wert!

September 6th, 2014 at 17:16
Weiß, Jörg
 3 

Hallo erst mal…
beim durchsuchen des Internets bin ich auf deine Arbeit gestoßen. Super Arbeit, richtig gut. Da ich mir zur Zeit selbst eine Schwertscheide baue, suche ich noch ein Schnittmuster für den Schwertgürtel. bis jetzt habe ich noch nicht das richtige gefunden. Es wär sehr nett wenn du mich in dieser Hinsicht unterstützen könntest, was Länge, Stärke und Schnitt des Leders angeht.
Viele Grüße
Jörg

November 25th, 2014 at 01:06

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