Posts Tagged ‘Anleitung’

23
Apr

Nestellöcher nähen

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 

An dieser Stelle noch einmal, zum leichteren Wiederfinden, die Anleitung für Nestellöcher, am Beispiel eines Paars Damenstrümpfe.

Der Post ist genau der gleiche wie in dem Nähkurs Damenstrümpfe, ich habe den Teil nur noch mal ausgekoppelt, damit er leichter zu finden ist.

Für Nestellöcher brauchen wir ein passendes Garn, für Wollstoff möglichst ein Wollgarn, für Leinen ein möglichst dickes Leinengarn oder -zwirn, eine lange Nähnadel und eine Nähahle (ein chinesisches Stäbchen, das ihr im Bleistiftanspitzer geschärft habt).

Nadel und leicht gewachstes Wollgarn.
Einfache Nähahle aus einem Stückchen Holz.
einfache Nähahle aus einem Stückchen Holz.

Fädelt den Faden in die Nadel (wenn das Garn sehr dünn ist, nehmt es doppelt) und legt die eingefädelte Nadel bereit (Wenn der Faden sehr fransig isr, hilft ein bisschen Wachs). Jetzt nehmt einen Strumpf in die Hand und auf der Außenseite, nahe der Naht, bohrt vorsichtig mit der Ahle ein Loch in die äußere Stoffschicht (und nur in diese!)

Das Loch wird vorsichtig gebohrt.

Dreht die Ahle ein wenig hin und her, bis sie sich leicht im Loch dreht, dann zieht sie vorsichtig heraus, so, dass ein Loch zurückbleibt.

Das Loch, nachdem die Ahle herausgezogen wurde.

(Versucht dabei, keine Fäden durchzureißen, weil das leicht zu einem späteren Ausreißen der Löcher führen kann)

Jetzt nehmt die Nadel in die Hand, führt die Spitze durch das Loch in den schmalen Kanal, den der Saum bildet und kommt ca 0,5 bis 1cm vom Rand des Lochs entfernt wieder heraus.

Nadel einstechen

Zieht den Faden vorsichtig fest und wiederholt die Aktion , nur diesesmal kommt ein Stückchen neben dem alten Stich heraus.

Zweiter Einstich.

Legt jetzt den Faden um die Nadel herum, so, dass eine Schlaufe entsteht.

Fadenschlaufe

Vorsichtig festziehen. Das Ganze wiederholt ihr immer wieder und beschreibt dabei einen möglichst runden Kreis um das Loch herum.

Einmal im Kreis herum

Jetzt sieht das Loch schon richtig schick aus, aber zum besseren Halt wiederholt ihr das Ganze noch einmal und beschreibt noch einen zweiten Kreis, wobei ihr darauf achtet, möglichst immer in die Mitte zwischen zwei alten Stichen zu stechen. Vernäht den Faden mit ein bis drei Stichen durch das gerade gebildete Nestelloch, dann schneidet ihn ab.

Doppelt hält besser.

Jetzt habt ihr ein richtig schickes Nestelloch, das euch erlaubt, ein Band in den schmalen Tunnel zu führen, der von dem Saum gebildet wird.

Damit das mit dem Schnüren auch richtig funktioniert, macht ihr jetzt noch ein zweites Nestelloch auf der anderen Seite der Hinternaht und wiederholt schließlich die Aktion am anderen Strumpf.

Zwei fertige Nestellöcher, schon mit Durchzugsband

Fertig.

 

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20
Apr

Fingerschlaufen-Bänder

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 

Hier kommt noch mal in einem Einzelpost die Anleitung für die supereinfachen, superauthentischen Fingerschlaufenbänder.

Die Beschreibung ist genau die gleiche wie die in dem Nähkurs Damenstrümpfe, es lohnt sich also nicht, hier zu lesen, wenn ihr den anderen Post schon durchgelesen habt:

Ich webe am liebsten mit Türklinken, die sind auf der richtigen Höhe, fast überall verfügbar und das fertige Band lässt sich leicht abstreifen. Wenn Ihr gerade keine Türklinke in der Nähe habt, müsst ihr improvisieren: Sucht euch einen Haken, einen krummen Nagel, einen Regalvorsprung, einfach irgendetwas, an dem ihr etwa eine halbe Stunde lang eure Fäden aufhängen könnt.

Hier dient ein Geländer als Aufhängung für die Schlaufen.

Nehmt jetzt das Garn und beginnt damit, es um die Türklinke zu wickeln , haltet dabei ungefähr den Abstand ein, den das fertige Band am Ende haben soll. Macht 5 Schlaufen, und verknotet Anfang und Ende des Bandes miteinander. Arbeitet sehr sorgfältig, damit die einzelnen Schlaufen sich nicht verheddern.

Die Schlaufen werden aufgenommen.

So sollten die Schlaufen aussehen

Streift jetzt zwei Schlaufen über Mittel-und Ringfinger der rechten Hand, die anderen über Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger der linken Hand. Breitet die Arme weit auseinander, damit die Schlingen sich voneinander lösen.

Verteilung der Schlaufen: 3 auf der linken und 2 auf der rechten Hand.

Mit dem freien Zeigefinger der rechte Hand nehmt jetzt die untere Schlaufe der linken Hand (die auf dem Ringfinger) auf. Die Schlaufe sollte jetzt nicht mehr auf dem Ringfinger der linken, sondern auf dem Zeigefinger der rechten Hand liegen.

Der rechte Zeigefinger greift in die linke Ringfinger-Schlaufe...

...und übernimmt sie. Die Schlaufe liegt jetzt auf dem rechten Zeigefinger.

Gebt mit der linken Hand die Schlaufe des Mittelfingers auf den Ringfinger und die des Zeigefingers auf den Mittelfinger, so, dass der Zeigefinger frei wird.

Der linke Ringfinger greift jetzt in die linke Mittelfinger-Schlaufe...

...und übernimmt sie.

Der linke Mittelfinger greift in die linke Zeigefinger-Schlaufe...

...und übernimmt sie. Der linke Zeigefinger ist jetzt frei.

...und übernimmt sie. Der linke Zeigefinger ist jetzt frei.

Breitet wieder weit die Arme auseinander, damit die Schlaufen sich voneinander lösen. Ganz am entfernten Ende, an der Türklinge haben sie sich jetzt überkreuzt.

Die Arme werden ausgebreitet, um die Schlingen voneinander zu lösen.

Die Fäden haben sich hier überkreuzt.

Nehmt nun wiederum mit dem freien Zeigefinger der linken Hand die unterste Schlaufe (Ringfinger) der rechte Hand auf, und an der rechten Hand, die nunmehr nur noch zwei Schlaufen habt, reicht die Schlaufen jeweils zum nächstunteren Finger. Arme weit machen.

Das ganze Spiel wiederholt ihr jetzt, ja nach Wunschlänge des Bandes und Dicke des Garns so ein- bis vierhundertmal. Das geht schneller, als man denkt, am Anfang braucht ihr so um eine halbe Stunde für ein Band, wenn ihr den Dreh raus habt, nur noch zehn Minuten.

Ihr werdet bald sehen, dass dich an der Türklinge die Fäden miteinander verschlingen und so ein Band bilden.

Das Band bildet sich.

Webt, so lange es geht, wenn der Platz in den Schlingen nicht mehr groß genug ist fr eure Finger, seid ihr fertig.

Die Schlaufen sind jetzt zu klein, um noch weiterzuweben. Das Band ist fertig.

Macht einen Knoten ins Ende und streift das andere Ende von der Türklinge. Macht auch in das andere Ende einen Knoten und schneidet die überstehenden Enden sauber ab.

So sieht das fertige Band aus.

Solche Bänder wurden häufig verwendet: Zum Beispiel als Schuhbänder, zum Binden figurbetonter Kleidung, aber auch als Aufhängung für Almosenbeutel fanden sie Verwendung.

Für alle, die sich immer noch nicht so richtig vorstellen können, welche Schritte in welcher Reihenfolge gemacht werden müssen, habe ich noch ein kleines Video gemacht. Ich habe versucht, meine Hände ganz langsam und überdeutlich zu bewegen; ich glaube, man kann ganz gut sehen, wie die Schlaufen zwischen den Fingern hin und her wandern.

http://blog.mittelalter-manufaktur.de/wp-content/videos/fingerloop

Wenn ihr die Technik erst einmal drauf habt, werdet ihr übrigens sehr viel schneller weben. Mit meiner normalen Geschwindigkeit hätte man nur auf dem Video nichts mehr erkennen können.

Wenn ihr die Grundtechnik beherrscht, könnt ihr damit spielen: Benutzt verschiedenfarbige Fäden für die Schlaufen und seht zu, wie sich Muster bilden.

Oder nehmt mehr als fünf Bänder. Das dickste Band, das ich mal gewebt habe, hatte elf Schlaufen. Dafür braucht man zwei Leute, viel Platz und sehr viel Konzentration!

 

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Ich habe vom Herstellungsprozess meiner letzten Rüsthauben so viele Bilder gemacht, dass ich dachte, ich könnte das mal ganz gut veröffentlichen. Dies ist keine absolute-Beginners Anleitung wie die bei den Strümpfen, aber, wer schon mal das eine oder andere Kleidungsstück genäht hat, sollte mit diesen Bildern und Beschreibungen ganz gut seine eigene Rüsthaube basteln können.

Der Beginn ist, wie sonst auch immer, das Maßnehmen. Messt eure Hutgröße, Gesichtsumfang etc.; wenn ihr für euch selbst näht, könnt ihr euch auch lustige kleine Punkte ins Gesicht malen, von wo bis wo die Haube reichen soll und dann von Punkt zu Punkt messen (mind you: Wenn ihr einen 3-D-Scanner habt, könnt ihr euch auch da rein stellen und der gibt das fertige Schnittmuster raus :-)   ). Für alle Scannerlosen beginnt jetzt der – wie immer – komplizierteste Teil: Das Schnittmuster-Erstellen.

Es gibt verschiedene Schnittmuster für Rüsthauben, die alle von den verfügbaren Schnitten für Bundhauben stammen. Es gibt sie zwei- und dreiteilig, ich selbst mache sie eigentlich immer dreiteilig, weil ich finde, dass die Mittelnaht zu sehr auf den Kopf drückt.

“Schnittmuster” aus den Wollvlies-Teilen

Wenn das Schnittmuster fertig ist, müsst ihr jeden Teil aus Leinen 2x zuschneiden (also 4 Seiten, 2 Mittelteile) und einmal aus Wollvlies. Bedenkt dabei, dass die fertigen Teile durch die Steppung kleiner werden als das Schnittmuster (gebt also großzügig zu)!

zugeschnittenes Seitenteil aus Leinen

Als nächstes (wenn ihr das nicht schon beim Schnittmuster-Übertragen gemacht habt) tragt auf allen Teilen ein, wie die Stepplinien verlaufen sollen. Bedenkt dabei, dass die Seite, auf der ihr malt, auch später noch die Aussenseite und damit sichtbar sei wird. Benutzt also Schneiderkreide oder Seife o.ä., irgendwas, was auch wieder rausgeht.

Stepplinien auf Seitenteil

Wenn alle Teile fertig vorgezeichnet sind, nadelt zusammen: Immer ein Sandwich aus Leinen-Wolle-Leinen (klar, oder?).

Mittelteil aus Leinen mit Stepplinien

Wenn ihr mit der Hand näht, reichen wenige Nadeln, für die Nähmaschine sollte alles bombenfest verdadelt sein, am Besten noch ein paar Punkte mit Handstichen vorfixieren. Dann steppt die eingezeichneten Linien entlang, immer darauf achtend, dass Vorder- und Rückseite exakt aufeinander zu liegen kommen, damit die Stepplinien auch auf beiden Seiten exakt durch die vorgezeicheten Linien verlaufen.

fertig gesteppte Einzelteile

Wenn alles fertig gesteppt ist, kommen alle Nadeln raus.

Dann werden die Teile zusammengenäht und die Haube ist schon fast fertig.

alle Teile zusammengenäht

Jetzt müsst ihr messen oder anprobieren, um festzustellen, ob die Haube noch enger gemacht werden muss und wo.

Passend enger gemacht

Wenn alles so zusammengenäht ist, wie es gehört, bringt noch eine Verstärkungsnaht an und trimmt dann die Nahtzugaben sorgfältig.

Alle Nähte verstärkt und Nahtzugaben getrimmt

Jetzt braucht ihr nur noch Bänder aus dem gleichen Leinenstoff, 4-5 cm breit.

Faltet und bügelt die Streifen in der Mitte, dann faltet die Seiten zur Mitte. Am Ende sollte das Band 4-fach liegen und keine Stoffkante mehr herausschauen.

Eines der Bänder kommt in den Nacken, das andere an die Gesichtsöffnung, beachtet dabei, dass eines der Bänder auf beiden Seiten genug Überstand haben muss, um daraus die Bindebänder zu fertigen.

Fertig!

fertige Haube

Und , für den Zweck des genauen Studiums, nochmal eine Rundum-Ansicht Galerie:

 

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