Posts Tagged ‘Bruche’

20
Mar

Bruche

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 

Abbildungen des ‘Darunter’ sind durchaus selten zu finden, es gibt sie aber doch: Hier sieht man eine Unterhose im bäuerlchen Kontext in ihrer ganzen Pracht

Maciejowski-Bibel

Die Abbildung verrät, dass diese Unterhosen sehr weitgeschnitten waren und, sofern sie nicht hochgebunden wurden, bis fast zu den Fußknöcheln reichten.

Diese Abbildung zeigt sehr schön den dreiteiligen Schnitt (man beachte die Falte, die sich links vom Schritt bis zum oberen Saum zieht) und die auf der Innenseite offenen Hosenbeine, die mit dem hinteren Zipfel zum Bauch hochgebunden wurden; der vordere Zipfel wurde in die so entstandene Tasche gesteckt.  Der Bund dürfte dem Träger bis unter die Achseln gereicht haben, er wurde bis zum Bauch heruntergerollt und mit einem Bruchengürtel (unsichtbar) fixiert, an dem auch die Schnüre zum Hochbinden befestigt wurden.

Dieser Bruchenträger braucht sicher Hilfe beim Ausziehen

Bei einem ‘ordentlich angezogenen’ Mann sollte man natürlich die Bruche nicht sehen, wir gehen schließlich auch nicht in Boxershorts auf die Straße (es sei denn, es ist gerade No Pants Day). Während von oben die Tunika/Cotta darüber fällt, bedecken Benlinge die Beine. Die Beinlinge werden am Bruchengürtel befestigt, mit den gleichen Bändern, mit denen die Bruchenbeine hochgebunden werden können. Es ist gar nicht so einfach, die Bruchenbeine halbwegs faltenfrei in die Beinlinge zu bekommen, und man darf diese Klamotte alle halbe Stunde wieder richten. Von daher ist es gar nicht so schlecht, wenn der Saum der Cotta/Tunika möglichst tief fällt, so dass man idealerweise nur die Unterschenkel der Beinlinge sieht.

Schön zu sehen: Ab dem Knie liegen die Beinlinge eng an

Meine Version hält sich an den dreiteiligen Schnitt und die offenen Hosenbeine, allerdings füge ich standardmäßig einen Tunnelzug hinzu. Dies hat mit dem häufig schmalen Geldbeutel der designierten Träger zu tun, die sonst zusätzlich noch einen Bruchengürtel erstehen müssten, der idealerweise aus einem kamm- oder brettchengwebten Band besteht und locker noch mal das Gleiche kostet wie die Bruche selbst. Viele Darsteller mögen nicht gerne so viel Geld für ein Kleidungsstück ausgeben, das idealerweise gar nicht gesehen werden sollte.

Weil die Bruche so weit ist, fertige ich sie am liebsten aus einem sehr leichten Leinenstoff an. Je schwerer da Gewebe, um so größer der ‘Windelhintern’, der unter der Oberkleidung deutlich sichtbar aufträgt.

Bruche von vorne

Hier sieht man die auf der Innenseite offenen Hosenbeine:

Beininnenseite

Und hier ist eine Nahaufnahme des Tunnelzugverschlusses. Aus Kostengründen ist das Durchzugsband aus Leinenstoff geschnitten, gegen Aufpreis ist aber auch ein gewebtes Band möglich oder gleich eine Version mit Bruchengürtel.

Links und rechts von diesem Band sind zwei geflochtene Wollschnüre durchgezogen, die es erlauben, die Bruchenbeine hochzubinden und/oder die Beinlinge daran zu befestigen.

Detail Nestelbänder und Verschluss

Eine solche Bruche kostet einen Anfertigungspreis von 30,- Euro, die Kosten für den zu verarbeitenden Stoff kommen noch dazu.

 

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20
May

SpäMi-Unterhosen

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 

Heute sind ein Paar Spätmittelalterliche Unterhosen fertiggeworden.

Im Gegensatz zu den hochmittelalterlichen Unterhosen oder Bruchen, Brouchen, die an eine Boxershorts erinnern, die einem Riesen entwendet wurde, sind die Unterhosen im Spätmittelalter kurz und körpernah geschnitten.

Spätmittelalterliche Rückseite

Das hat etwas mit dem Wandel in der Mode zu tun: Während der Herr im Hochmittelalter sein Kleid knie- bis knöchellang trug, reicht das Gewand im Spätmittelalter kaum mehr, um die Blöße zu bedecken (Stoff muss teurer geworden sein :-) ). Im Hochmittelalter sah man also von den Beinlingen höchstens den Teil ab dem Knie, da machte es wenig aus, wenn der obere Teil ausgebeult war von den reingestopften Bruchen. Da der modebewusste Herr im Spätmittelalter aber seine Beine in ihrer gesamten Länge und Pracht zur Schau stellte, musste eine Unterbekleidung her,  die nicht auftrug.

Die Unterhosen, wie ich sie mache, sind aus zwei Lagen Stoff, also gefüttert, weil ich eine Lage für zu dünn halte -  schließlich sollen die Unterhosen ja auch noch die Beinlinge hochhalten, zumindestens, wenn nicht schon ein modisches Wams dazu getragen wird.

So sieht die Unterhose aus, wenn sie fertig genäht ist. Der obere Saum ist noch einmal umgelegt, um einen Tunnelzug zu ermöglichen. Dadurch haben wir am oberen Saum 4 Lagen Stoff und können so die Nestellöcher durch zwei Lagen Stoff festnähen und trotzdem noch den Tunnelzug so gestalten, dass das Band hierfür durch eine Stoffschicht von den Bruchenbändern getrennt ist. Das ist wichtig, wenn man z.B. die Bänder austauschen will.

Unterhose in Grundform

Beim Stechen der Nestellöcher muss man hier ganz besonders aufpassen: Bei vier Stoffschichten kann man leicht mal die falsche Schicht erwischen, und wenn das passiert, dann klappt das mit dem Durchziehen der Bänder nicht mehr, weil das Band auf einer anderen Lage hineingeht, als es herauskommen sollte. Also muss man vor wirklich jedem(!) Stich mit einer stumpfen Nähahle o.ä. den gewünschten Kanal offen halten, damit am Ende alles stimmt.

Danach müssen erstmal Unmengen von Fingerschlaufenbändern gewebt werden. Die eine Hälfte ist hier rot, die andere blau, weil die dazugehörigen Beinlinge ebenfalls einer rot, der andere blau sind. Das Durchzugsband für den Tunnelzug ist aus dickerer Wolle geflochten und in einem unauffälligen Birkengrün gehalten.

Fingerschlaufenbänder

Fingerschlaufenbänder

So sieht die Unterhose mit Durchzugsband aus: Wie eine Kreuzung aus normalem Slip und hochbeiniger Boxershorts

Unterhose mit Tunnelzugband

Hier sind alle Bänder passend durchgezogen. Idealerweise sollten an den Enden der Bänder noch Nestelspitzen befestigt werden, damit man die Bänder schneller und leichter durchziehen kann.

Unterhose mit allen Bändern

Hier habe ich mal einen Beinling an die Bänder angenestelt. Man kann gut sehen, wie er die männliche Blöße bedeckt, damit die Frauen nicht reihenweise in Ohnmacht fallen, wenn der Herr sich mal bückt ;-) !

Unterhose mit Beinling

 

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