Posts Tagged ‘Cotta’

27
Apr

Gewand der heiligen Klara

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 

Das Gewand der heiligen Klara ist eines der ganz wenigen Kleidungsstücke des Mittelalters, das vollständig erhalten ist, aus dem vorteilhaften Grund, dass es  die Katholiken zur  Reliquie erklärt haben.

Der Schnitt ist untersucht worden und weithin bekannt:

Gewand der Heiligen Klara - Schnittmuster

Dies Gewand habe ich für eine Kundin angefertigt, auf ihre Körpermaße angepasst aus einem leichten pflanzengefärbten Wollköper als Oberstoff und einem leicht grünlich eingefärbten, leichtem Leinen als Futter.

Alle Nähte sind Handnähte, die Wolle dafür habe ich selbst gesponnen und eingefärbt.

 

Tags: ,

27
Apr

Familieneinkleidung

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 

Vor kurzer Zeit hatte ich das Vergnügen, eine ganze Familie im Stil der 1250er einzukleiden.

Der Vater hatte vor einer Weile mit dem MA-Hobby angefangen und beschlossen, dass er seine Familie um so eher zur Teilnahme überzeugt bekommt, wenn sie, genau wie er, passend gekleidet sind.

Der Vater hatte bei mir ein paar Beinlinge in Auftrag gegeben, eine modisch geschnittene Cotta und einen Gardecorps.

Beinlinge

Beinlinge im hochgotischen Stil. Die Beinlinge werden schräg zum Fadenlauf körpereng zugeschnitten, sie haben angesetzte Füßlinge und vorne an der Spitze zwei Nestellöcher, mit denen sie an der Bruche oder dem Bruchengürtel mittels eines Bändchens befestigt werden können.

Herren-Cotta

Herren-Cotta im hochgotischen Stil. Die Ärmel werden an der Schulter mittels Keilen zu einer Art Kugel erweitert, an den Unterarmen liegen sie körperang an und werden mit kleinen Zinnknöpfen geschlossen.
Der Saum endet auf Höhe der Waden und Keile erweitern den Rock auf eine angenehme Gehweite.
Die Cotta ist außen aus Wolle und innen vollständig mit Leinen gefüttert, das macht sie sehr angenehm zu tragen.

Gardecorps

Der Gardecorps ist ein weiter Mantel mit langen, überweiten Scheinärmeln, die an der Schulter in ganz viele kleine Quetschfältchen gelegt werden. Die Quetschfältchen werden mit Handstichen fixiert, die Ärmel gehen bis zu den Fingerspitzen und haben auf Höhe der Ellenbogen eine Öffnung, durch die die Arme gesteckt werden können.
Die Saumlänge entspricht der der Cotta, vorne ist der Gardecorps zusätzlich geschlitzt.

 

Im Gegensatz zu einer Gugel ist diese Kragenkapuze körpereng geschnitten, sie schmiegt sich genau um die Schultern. Am Saum ist sie noch zusätzlich in Paspelfalten gelegt, die nicht nur vom modischen Geschmack des Trägers zeugen, sondern auch noch davon, dass er es sich leisten kann, teuren Stoff auf diese Falten zu verschwenden.
Auch Gardecorps und Kapuze sind mit Leinen abgefüttert, hier ist der Außenstoff ebenfalls aus Wolle, allerdings von einer schwereren Qualität.

Für seine Frau hat er (zusammen mit ihr, versteht sich) eine Cotta ausgesucht, einen weiten Surcot mit Schleppe und Höllenfenstern, einen Vollkreis-Radmantel, einen Schleier mit verziertem  Stoffschapel und Gebende so wie eine passende Damengugel.

Damen-Cotta

Die Damen-Cotta ist ähnlich geschnitten wie die Herren-Variante, auch hier wird der Oberarm mittels Keilen zu einer Kugel erweitert. Die Unterarme liegen auch hier eng an, allerdings nicht so eng, dass sie mit Knöpfen geschlossen werden müssen. Ein Schlitz am Handgelenk erlaubt es, den Ärmel zurückzuklappen, wenn man die Handgelenke frei haben möchte.
Die Keile am Rock sind weiter als bei der Herren-Variante, und hier erweitern zwei Mittelkeile auf der Vorder- und Rückseite den Rocksaum noch mehr.
Das Gewand ist bodenlang, aus einem Wollstoff und vollständig mit Leinen gefüttert.


Damen-Surcot mit Höllenfenstern

Der Damen-Surcot hat auf den Seiten sogenannte ‘Höllenfenster’, die den Blick auf das darunterliegende Gewand bis zur Hüfte freigeben. Sie snd mit echtem Pelz besetzt. Der Rock ist extra weit geschnitten, mit Keilen in der Mitte und an den Seiten, zusätzlich hat das bodenlange Gewand hinten eine kleine Schleppe. Auch dieses Gewand ist aus einem leichten Wollstoff, gefüttert mit dünnem Leinen.

Vollkreis-Radmantel

Der Radmantel bildet mit 18 Dreiecken einen vollen Kreis. Er ist außen aus einem dunkelblauen, festeren Wollstoff und innen aus einem mittelfesten, blau eingefärbten Leinen. Der Mantel ist bodenlang, vorne ein Stückchen kürzer, damit man nicht beim Laufen darüber stolpert. Er wird mittels eines Tasselbandes gehalten, das mit zwei Tasseln am Mantel befestigt wird.

Gebende mit Stoffschapel

Das Gebende ist grundsätzlich nichts anderes als ein Stoffstreifen aus an allen Seiten versäuberten, sehr leichtem Leinen, welcher mittels Schleiernadeln auf die passende Kopfform gebracht wird.
Das dazugehörige Stoffschapel ist hier als Pillbox (mit Hutdeckel) geschnitten, man muss es stärken und aufbügeln, damit es unter der Last des Schleiers nicht einknickt.

Schleier

Der eckige Schleier ist aus einem sehr leichten Leinen geschnitten, er reicht hinten bis in den Nacken und an den Seiten bis über die Schultern. Er ist zusätzlich mit einem bunten Band als Farbtupfer verziert.

Damengugel

Die Damengugel ist einer Abbildung aus dem Liber Manesse nachempfunden. Sie ist außen aus fester Wolle, innen aus Leinen und vorne ganz offen, so, dass sie auf- und abgestzt werden kann, ohne, dass der Schleier verrutscht.
Ein Bindebändchen aus fingerschlaufengeflochtener Wolle mit Nestelspitzen erlaubt es, die Gugel gegen Herunterfallen zu sichern und die Schlitze an den Schultern erlauben es, dass sie sich besser der Körperform der Trägerin anpasst.


Die jungen Damen des Hauses bekamen Leinenkleider im Cotta-Schnitt und Rechteckmäntel gegen zugige Abende.

Kleid für junge Dame

Das Kleid für die ältere und größere der Damen des Hauses ist als Cotta geschnitten, genau wie das der Mutter, nur ist es, statt aus Wolle und Leinen, ganz aus einem festen, aber fließenden Leinenstoff geschnitten, welcher noch in der Lieblingsfarbe der Trägerin eingefärbt wurde. Kontrastierende Bänder setzen angenehme Akzente und das am Saum umlaufende Band erlaubt es, mit wenigen Handstichen das Kleid ein gutes Stück zu kürzen, in dem man den Saum von innen hinter dem Band befestigt. So ist das Kleid auch für weniger mittelalterliche Anlässe tragbar.

Rechteckmantel

Der Rechteckmantel ist in etwa so lang wie der Kleidersaum. Er ist aus fester Wolle geschnitten und mit festem Leinen gefüttert. Bis zu den Ellenbogen hüllt er seine Trägerin komplett ein und schützt sie gegn Zugluft und Regen. Außerdem ist er weit genug, dass man sich am Lagerfeuer darin einwickeln, oder, ihn bei gutem Wetter als Picknickdecke benutzen kann.

 

Das Kleid für die jüngere der beiden jungen Damen wurde so genäht, das am Saum noch gute 10 cm nach innen eingeschlagen und mit wenigen Stichen befestigt wurden. Wenn sie wächst, kann das Kleid ausgelassen und so noch länger getragen werden. Weiterhin ist es genauso geschnitten wie die anderen Damen-Cottas, mit Schulterkugel durch Keile, Rockkeile vorn und an den Seiten, Ärmelschlitze am Handgelenk. Es wurde in der Lieblingsfarbe der Trägerin eingefärbt und erhielt auch ein par verzierende Borten an Hals und Handgelenken.

Rechteckmantel

Der Mantel für die jüngere der beiden Damen hat die gleiche Grundfläche wie der der älteren Schwester, allerdings wurde hier  der Mantel an den Schultern so zusammengenäht, dass ein ca. 10 cm langer Kragen überhängt. So schleift ihr Mantel jetzt nicht im Dreck, und wenn sie älter wird, kann die Naht weiter nach oben versetzt werden, so, dass der Mantel im Rücken weiter herabhängt.

Der junge Herr bekam einen  Leinenkittel und eine Gugel.

Leinenkittel für Kleinkind

Der Leinenkittel des jungen Herrn wurde ganz geometrisch zugeschnitten, die etwas überlangen Ärmel wurden gerade und ohne Kugel angesetzt, und es wurde darauf geachtet, dass der Kttel in der Brust noch reichlich Platz hat so wie durch Auslassen der Nahtzugaben noch zusätzlich erweiterbar ist. Auch hier wurde am Saum der überreiche Stoff nicht abgeschnitten, sondern nach innen eingeschlagen, damit er ausgelassen werden kann, wenn sein Träger größer wird.

Kindergugel

Die Gugel des jungen Herrn ist ganz im klassischen Gugelschnitt gearbeitet, nur eben weiter. Der Kragen ist sehr lang bemessen, so, dass er auch noch schützt, wenn das Kind wächst. Durch ein vorsichtiges Auslassen der vorderen Naht kann die Kopföffnung vergrößert werden, wenn das nötig wird.

Bei allen Kindersachen habe ich reichlich Nahtzugaben gelassen und besonders die Säume können noch mehr als 10 cm ausgelassen werden,wenn die Kinder wachsen. Außerdem sind die Mädchenkleider so einfach und wenig ‘auffällig mittelalterlich’ geschnitten, wie möglch, dass sie auch als Sommerkleider getragen werden können.

Die Familie hat an diesem wunderschönen Osterwochenende ihre Sachen zum ersten Mal getragen und mir ein wunderschönes Familienfoto geschickt:

Familienfoto

 

Tags: , , , , , , , , , , , ,

6
Sep

Gewandung für das 13. Jahrhundert

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 

Hier will ich schnell noch ein paar Worte schreiben zu der Gewandung, mit der Sven und ich dieses Jahr beim Sparrenburgfest waren:

Prinzipiell stellte die Gewandung mittelständische Leute aus dem 13. Jahrhundert in Mitteleuropa dar, allerdings mit ein paar mehr oder weniger groben Schnitzern, die vor allen Dingen darauf basieren, dass ich für meine eigenen Sachen irgendwie nie genug Zeit habe, weil ich mit Kundenaufträgen beschäftigt bin und deshalb auf Dinge zurückgreifen muss, die noch ‘rumliegen’.

Sven in Cotta

Sven trägt hier eine knielange Cotta in einem hellen Indigoblau aus einem 2-1 köpergebundenem Wollstoff.

blaue Cotta aus Wolle

Mit heimischem Waid war die Farbe damals durchaus auf Wolle zu erzielen, und auch die Webart war nicht unüblich. Allerdings ist dieser Stoff maschinengewebt und chemisch gefärbt und dann, weil ich ja nie genug Zeit habe, auch noch mit der Nähmaschine genäht. Der Schnitt ist durchaus authentisch zu nennen, so oder so ähnlich ist er jedenfalls auf Funden nachzuweisen und auch der Fall ist so wie auf den Miniaturen. Beachtet zum Beispiel die Fältchen, die sich von der Achsel zur Brust ziehen, diese sind z.B. auf den Darstellungen des Liber Manesse genauso dargestellt. Dort allerdings sind adelige Personen dargestellt, daher sind die Farbtöne, wie das Blau dort wesentlich dunkler (wofür man mehr Farbe aufwenden muss) und die Gewandlänge ist in der Regel dort knöchellang. Arbeitende Personen dagegen wurden eher mit kurzen Gewändern dargestellt, wie z.B. in der Maciejowski-Bibel, was ganz einfach mit de Praktikabilität zu tun hat. Da dieses Gewand für den Sommer gedacht ist, ist es nicht gefüttert.

Maciejowski  Bibel – David und Goliath

David trägt auf diesen Bildern eine ähnliche Cotta wie Sven, nur dass Davids Cotta hier rot ist. Man sieht gut den Schlüssllochausschnitt und die Achselfalte. Da Davids Gewand geschlitzt ist, erlaubt sie auch einen Blick auf Davids Beinlinge und Bruche. Dies ist auch ein sehr netter Beleg für die Methode, die Ärmel am Handgelenk zu schlitzen. So kann man sie zurückklappen, wenn man die Hände frei braucht – ganz wie David es hier auf drei von vier Bildern zeigt.

Darunter wurde ein einfaches Unterhemd aus Leinen getragen, das im Großen und Ganzen dem gleichen Schnittmuster folgt, aber keine Armkugeln hat. Unterhemden sollten immer so geschnitten sein, dass sie nicht unter der Oberkleidung hervorschauen, das galt als eher unschicklich und man assoziierte damit, dass die Person nicht in der Lage war, ihre Kleidung in Ordnung zu halten.

Unterhemd aus gebleichtem Leinen

Am Hals wird die Cotta mit einem Fürspan verschlossen, wie er in dieser Zeit modern war (Omega-Fibeln gehören in eine frühere Zeit).

Fürspan

Dazu trägt der Herr natürlich auch etwas auf dem Kopfe; ohne Kopfbedeckung aus dem Haus zu gehen, ist erst in der Neuzeit populär geworden. In Svens Fall ist es die unvermeidliche Bundhaube (so eine Art Unterwäsche für den Kopf) und darüber ein Pilgerhut mit einem Jakobs-Muschel-Anstecker aus Zinn.

Bundhaube aus gebleichtem Leinen

Pilgerhüte waren in der Hauptsache praktisch, von der Form am ehesten mit  Ölzeug-Regenhüten zu vergleichen. Ihr Zweck war es, vor Sonne und Regen gleichermaßen zu schützen: Dafür wurde die breite Krempe vorn hochgeschlagen und hinten heruntergeklappt, so, dass das Wasser über den Rücken ablaufen konnte. Ich habe es ausprobiert und es funktioniert wirklich gut!

Pilgerzeichen waren in iher Zeit so etwas wie ein Modeartikel, sie wurden entlang der Pilgerwege verkauft. Während die Jakobsmuschel natürlich für den Jakobsweg nach Santiago de Compostela steht, gab es noch eine Vielzahl anderer Zeichen, die häufig Berufsgruppen kennzeichneten, oder aber auch das, was man sich von der Pilgerfahrt erhoffte. Heutzutage findet man in den verschiedenen Reenactment-Shops häufig Phalli und Vulvae, die tatsächlich von Originalfunden kopiert sind. Man sollte aber beachten, dass man zu der Zeit wesentlich weniger prüde war, zumindestens, was die Darstellung dieser Körpermerkmale betraf, als heutzutage.
Darunter, kaum zu sehen, trägt Sven Beinlinge. Diese sind aus dünnem Leinen geschnitten (Wolle ist eigentlich besser, weil dehnbarer, aber es war wirklich ein heißer Sommertag), haben angesetzte Füße (sind also so eine Art Overknee-Strümpfe) und werden vorne mit Nestelschnüren an einem Bruchengürtel befestigt.

Beinlinge mit Fußling aus ungebleichtem Leinen

Dazu (hier ganz unsichtbar) trägt Sven eine Bruche, eine sehr weit geschnittene, knielange Boxershorts, die eng um die Beine gewickelt und oben in die Beinlinge gesteckt wird.

Bruche aus ausgeblichenem Leinen

Zu dem Gewand gehört auf jeden Fall ein Gürtel, mindestens mit einer Metallschnalle und einem passenden Ortband. Das Ortband ist deshalb nötig, weil es modisch war, ein langes Stück des Gürtels bis auf Knielänge (ungefähr) herabhängen zu lassen und dieses musste beschwert werden für den richtigen Fall. Ein modebewussterer (oder reicherer) Herr als Sven hätte auch noch Gürtelstrecker dazu getragen, Nietenbeschläge und einen besonderen Beschlag, an dem er seine Tasche oder seinen Almosenbeutel hätte hängen können.

Gürtel mit Schnalle und Gürtelende

Am Gürtel trägt Sven außerdem ein Essmesser in einer verzierten Scheide. Dies ist überhaupt eine Besonderheit fast aller vorindustriell gefertigter Dinge: Verzierungen und Details. Da jedes Stück einzeln  in Handarbeit hergestellt wurde, war es kein Problem, jedes Ding passend für seinen Zweck zu fertigen und mit Verzierungen zu versehen. Man findet kaum ein Stück, das nicht auf die eine oder andere Art verziert war.

Essmesser und verzierte Scheide

Bis hierhin ist die Gewandung wirklich authentisch (bis auf die Maschinennähte, vielleicht), kommen wir zu den Anachronismen:

a) die Tasche: Eine wunderschöne und praktische Tasche mit einer Vielzahl von Fächern, teilweise verschließbar. Ich habe hier ausführlich über diese Tasche gebloggt. Leider, leider, ist der zugehörige Fund aus der frühen Renaissance, ein- bis zweihundert Jahre der restlichen Gewandung voraus.

Renaissance-Gürteltasche
b) die Stiefel: Stiefel des dreizehnten Jahrhunderts erreichten nur die untere Wade und sie waren grundsätzlich anders geschnitten und mit anderen Verschlüssen versehen als diese. Dies  ist eine Adaptation eines modernen Schnitts mit zeitgenössischen (des 13. Jhs) Techniken. Die Stiefel sind wendegenäht, mit einem Randstreifen und einer angenähten Doppelsohle versehen.

Jea in Gewandung

Jea trägt hier ebenfalls eine Cotta des 13. Jahrhunderts, der Schnitt unterscheidet sich kaum von dem der Herrencotta. Auch hier werden Armkugeln verwendet, die die typischen Unterarm-Fältchen erzeugen, es hat, genau wie die Herren-Ausführung, einen Schlüsselloch-Ausschnitt, verschlossen mit einem Fürspan und eng anliegende, geschlitzte Unterärmel.  Anders als bei der Herrenform fällt die Saumlänge länger aus (weniger als knöchellang wäre unschicklich oder sehr ärmlich) und wesentlich weiter, hier wird nochmal ein ganzes Set Geren in die Mitte des Vorder- und Rückenteils eingesetzt. Eine modischere Frau hätte auf jeden Fall ein überlanges Gewand getragen, das auf den Boden fällt, eventuell noch mit einer extra Schleppe. Und sie hätte keine einfachen Schlitze an den Handgelenken, die das Herein- und Herauskommen aus den engen Ärmeln ermöglichen, sondern eine Reihe kleiner Knöpfe vm Ellenbogen bis zum Handgelenk.
Genau wie bei Sven handelt es sich um einen maschinengewebten und -gefärbten Wollstoff mit Handnähten, allerdings ist die Farbwahl etwas fragwürdig. Während man ein helles, leuchtendes gelb leicht mit Birke Färben konnte, hätte es für ein derartiges Orange schon Safran oder eine Mischfarbe benötigt. Beides ist nicht vereinbar mit dem Stand, den ihre Kleidung sonst suggeriert.

Orange-Gelbe Cotta aus Wolle

Unter der ungefütterten Cotta trägt auch Jea ein Unterhemd aus einem leichten Leinenstoff, ganau wie bei Sven ist es einfacher geschnitten als die Cotta, z.B. hat es Geren nur an den Seiten.

Unterkleid aus leichtem, gebleichtem Leinen

Auf dem Kopfe trägt sie hier einen Wimpel, ein langes rechteckiges Tuch aus einem dünnen Leinenstoff, das auf eine ganz besondere Weise gewickelt und geschlungen wird. Dazu kann auch noch ein Schleier getragen werden, der mit Nadeln befestigt wird.

Unterhosen waren für Frauen nicht vorgesehen, frau ging ‘unten Ohne’.

Dafür gab es Strümpfe, die ähnlich geschnitten waren wie die Beinlinge der Herren und mit einem Band in einem Tunnelzug und/oder durch viele Nestellöcher befestigt wurden.  Dies ist ein Fall, an dem ich die modernen Gummibänder wirklich vermisse: Diese unflexibelen Strumpfbänder rutschen entweder, oder sie sitzen so eng, dass sie einschnüren. Dies ist ein wirklich unkomfortabeles Kleidungsstück (imho).

Jeas Gürtel ist wie Svens mit Schnalle und Ortband versehen, ihren Almosenbeutel trägt sie ohne Metallbeschlag direkt am Gürtel.

Gürtel mit Essmesser und Täschchen (Anachronismen)

Der Almosenbeutel besteht aus zwei verschiedenen Seidenstoffen, einer mit dem anderen gefüttert.  Er wird mit einem fingerschlaufengewebten Band befestigt und mit einem weiteren Band zugezogen, Glasperlen, die man auf der Schnur hin- und herschieben kann, bilden den Verschluss. Er ist mit mehreren Troddeln verziert.

Almosenbeutel, Seide gefüttert mit Seide, Troddeln, Glasperlen, schlaufengewebte Schnüre

Dazu trägt Jea ihre allerersten sebstgenähten Schuhe, ein Paar offene Schnallenschuhe, wie sie im 13.Jahrhundert häufig getragen wurden. Die Schuhe sind inzwischen 6 Jahre alt!

Schließlich kommt noch eine Pilgertasche hinzu, diese hier ist anachronistischerweise aus einem Barchent gefertigt, wie er erst hundert Jahre später in breiter Masse Verwendung finden sollte. Die Form und auch die Verzierung mit Troddeln und Pilgerabzeichen aber sind authentisch.

Pilgertasche aus Barchent mit Pilgerabzeichen aus Zinn

Anachronistisch für Jeas Kleidung ist zuallererst die Brille (war zu faul für Kontaktis) und dann das Messer. Sowohl ein Ringknaufmesser als auch eine Kederscheide gehören eher zu den Germanen am Anfang des Mittelalters, gute 500 Jahre früher. Es wäre also zu ihrer Zeit schon eine echte Antiquität gewesen.

Ringknaufmesser in Kederscheide

 

Tags: , , , , , , , , , ,