Hier will ich euch mal ein Paar Luxus-Hosen vorstellen: Vom Schnitt her sind es nichts anderes als die ‘normalen’ spätmittelalterlichen Hosen mit Schamlatz und angesetzten Fußlingen, aber diese hier sind komplett handgenäht und haben auch sonst noch ein paar sehr nette Extras aufzuweisen: Hosen ‘für den verwöhnten Hintern’!

Gesamtansicht der Hosen von vorn
Der Schnitt ist wie bei allen anderen spätmittelalterlichen Hosen auch: Jedes Bein wird aus einem Stück Stoff (vorzugsweise Wolle) schräg zur Webrichtung zugeschnitten und in der Mitte zusamengefügt. Hier sieht man den Schnitt ganz besonders gut, weil hier jedes Bein eine andere Farbe hat. Geschlossen werden die Hosen auf der Vorderseite mittels eines Bändchens, das durch Nestellöcher auf beiden Seiten gezogen wird, wie man einen Schuh schnürt. Das hat den weiteren Vorteil, dass, wenn der Ritterschmaus gar zu gut war, man dieses Bändchen etwas lockern kann und die Hosen trotzdem nicht herunterrutschen
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Verdeckt wird diese Schnürung von einem Schamlatz (oder Schamkapsel), man möchte ja nicht, dass gar jemand einen Blick auf das Allermännlichste erhaschen kann.

Vorderansicht Schamlatz
Weil man im Mittelalter aber nicht prüde war, stellte Mann seine Männlichkeit auch gerne etwas heraus (vergleichsweise damit, wenn heutzutage Schauspieler ihre Badehosen ausstopfen). Dieser ‘Prallsack’ reichte von sehr moderat bis zu ausufernden Größen mit zusätzlich angebrachten ausgestopften Röhren. Dies hier ist eine recht moderate Größe, sie deutet an, ohne hervorzustechen.
Sehr schön sind auf diesem Bild auch die vielen kleinen Vorstiche zu sehen, mit denen der gewendete Latz noch mal weiter verfestigt wurde.

Schamlatz mit moderatem Prallsack
Hier sieht man eines der Extras: Auf Höhe der Kniekehlen wurden pro Seite vier Nestellöcher angebracht, durch die dann ein brettchengewebtes Band durchgezogen wurde. Mit diesen Bändern kann man dafür sorgen, dass die Beine nicht ‘heruntersacken’, wenn nach längerem Tragen der Stoff sich etwas gedehnt hat. Schließlich sind diese Hosen dazu da, mit seinen perfekt geformten Männerbeinen anzugeben!

Hosenbeine mit durchgezogenem brettchengewebtem Band
Hier gibt es noch mal eine Nahansicht der Nestellöcher mit dem durchgezogenen Band. Die Löcher werden so gefertigt, dass die Fäden des Stoffes mit einer Nähahle auseinandergeschoben werden, um das Loch zu bilden, die Stiche mit dem hellen Leinenfaden halten das Loch dann offen. Kein Faden wird hierfür durchgeschnitten, das ist besonders wichtig, wenn man Löcher mitten auf einer Fläche anbringt und nicht z.B. in Saumnähe.

Nahansicht Nestellöcher und durchgezogenes Brettchenband
Am Fuß wird mit dem Stoff eine Art Schuh gebildet, ein sogenannter Fußling komplett mit Ferse. Die senkrechte Naht verläuft über den Spann an seiner höchsten Stelle, und die waagerechte Naht unten (hier nur durch den Wulst zu erkennen) verläuft um die Fußsohle herum.

Fußling
Hier kann man einen Blick auf das Darunter erhaschen, das Außenstehenden sonst verwehrt bleiben sollte: Der Schnürverschluss hält den Schlitz zusammen und kann, genau wie auch beim Schuh, gelockert oder enger gemacht werden, wie es dem aktuellen Nahrungsangebot entspricht. Auch der Schamlatz wird mit Bändern obengehalten, die natürlich auch verstellbar sind.

Hosen mit offenem Schamlatz
Hier sieht man ein weiteres Extra dieser Luxus-Hosen: Der gefütterte Schamlatz ist als Tasche gearbeitet: Hier kann man(n) alles aufbewahren, was ihm dicht am Herzen (oder anderen Körperregionen) liegt: saubere Taschentücher, Geldbeutel, ein extra Paar Socken, und, und, und. Damit kann man auch den Grad der männlichen Selbstdarstellung weiter varieren.
Auf dem Leinenstoff kann man auch die feinen Handstiche sehr schön sehen.

Schamlatztasche
Mehr Extras: im ganzen oberen Bereich sind diese Hosen mit einem feinen Leinenstoff gefüttert und sorgen damit für einen besonderen Tragekomfort: Das Leinen saugt Schweiß sehr gut auf, im Gegensatz zu Baumwolle gibt es die Feuchtigkeit aber als Wasserdampf leicht wieder ab, der Wasserdampf kann durch den Wollstoff diffundieren.

helles Leinenfutter
Hier noch mal ein Blick nach innen: Sieht das nicht aus, als wäre es furchtbar angenehm auch im Sommer zu tragen?

Hosenfutter
Hier kann man erahnen, wie weit das Futter geht: Es hört auf Höhe der Oberschenkel auf, weil ja ab dort die Beine möglichst eng anliegen sollen und ein Futter hier für einen unmodischen Knuddel-Look sorgen könnte.

Blick ins Hosenbein
Um einen besseren Eindruck der Features verschaffen zu können, habe ich noch mal ein Model in die Hosen gesteckt, das nur leider nicht genau die Maße des designierten Trägers hat: Mein Model hat etwas kürzere Beine und leicht dickere Oberschenkel.
Trotzdem kann man hier sehen, wie die Bänder unter den Knien funktionieren sollen

Kniebänder am Modell (von hinten)

Kniebänder am Modell (von vorne)
Hier sieht man noch mal wie die Fußlinge (hier nicht ganz passend) sitzen:

Fußligne mit Füßen drin
Und dies Bild zeigt sehr schön, wie der Schamlatz die Scham verdeckt und gleichzeitig ein bisschen angibt.

Schamlatz, getragen,nicht ausgestopft
Und, zuguterletzt, ein Blick auf einen feinen Männerhintern, der hier gut abgemalt wird, auch, wenn die Maße für dieses Modell nicht ganz passend sind.

Hinter(n)ansicht, getragen
Ein Paar solcher Luxus-Hosen sind bei mir ab 200,- (plus Stoff) zu erstehen. Dafür bekommt ihr ein handgenähtes, gefüttertes Kleidungsstück, mit brettchengewebten Bändern und einer Tasche im Schamlatz.
Im Preis inbegriffen sind selbstverständlich sämtliche Anproben inklusive aller Cookies, die ihr währenddessen verdrücken könnt!
Auch abweichende Vorstellungen sind fast immer möglich, ich fertige ausschließlich Einzelstücke an, die ich zusammen mit dem zukünftigen Träger genau für ihn (sie) und nach seinen Maßen entwerfe.
Schreibt mir einfach eine eMail an info@mittelalter-manufaktur.de und fragt nach!
Tags: Handnähte, Hosen, Schamlatz