Posts Tagged ‘Köcher’

27
Sep

Sarazenen-Bogentasche und Köcher

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 

Ich habe ja schon ein paar Mal über den Anfertigungsprozess der beiden Teile berichtet, hier sind nun endlich Fotos von den Teilen in ihrer ganzen Pracht:

Hier sieht man die Bogentasche mit dem großen Schriftzeichen und der kleineren Schmuckverzierung am hinteren Ende.

Der vordere Rand der Tasche ist von mir ausgedünnt umd umgeschlagen worden, so hat die Tasche keine offenen Schnittkanten auf der Außenseite. Wie schon in vorhergehenden Blogs beschrieben, habe ich mich für eine wendegenähte Konstruktion entschieden, um so mehr Formstabilität zu erreichen. Die Formstabilität war meinem Kunden ganzbesonders wichtig, er hatte Sorge, dass die Tasche, wenn aus zu dünnem Leder, ‘labbern’ könnte, also habe ich zusätzlich zur wendegenähten Konstruktion auch noch das dickste Rindsleder verwendet, das ich bekommen konnte. Wer schon mal einen Schuh gewendet hat, kann sich sicherlich gut vorstellen, wie schwer das auf rechts zu ziehen war!

Die Taschenaufhängung am oberen Rand wird auf beiden Seiten auf die Lederoberseite aufgenäht, die Teile werden erst nach dem Wenden zusammengenäht.

Für mehr neatness habe ich die außen liegenden Nähte leicht eingesenkt und die Schnittkanten abgeschrägt.

Dies ist die Köchertasche, sie ist nur mit einer kleinen Verzierung versehen, nicht, wie die Bogentasche, zusätzlich mit dem Schriftzeichen. Bei der Köchertasche gehört auf die Vorderseite ein rechteckiger Einschnitt (Zierdetail oder hat es einen Nutzen?), also kann man hier nicht den Lederrand umschlagen. Damit es nicht so ‘rough and ready’ aussieht, habe ich auch hier alle außen sichtbaren Schnittkanten abgeschrägt und natürlich auch wieder die Nähte an der Aufhängung eingesenkt.

Die fertigen Teile wurden dann erst mal ordentlich trocknen gelassen (das hat bei diesem Sch*-Sommer locker ‘ne gute Woche gebraucht), und danach erst mal mit Lederfett eingerieben und dann auf Hochglanz poliert. Um Leder wirklich hochglänzend zu bekommen, braucht man nicht mehr als ein gutes Lederfett und “Spucke”. Kein Scherz, es macht wirklich Sinn, auf die Schuhe o.ä. beim Polieren draufzuspucken (ich selbst nehme ein Schälchen mit Wasser)! Immer wieder abwechselnd den Lappen mit etwas Lederfett einreiben bzw. ins Wasser tauchen: So entsteht ein dünner Wasserfilm auf dem Leder bzw. der Wachsschicht, er verhindert, dass feine Kratzer durch Tuch oder Staubkrümel o.ä. die glatte Oberfläche wieder aufreiben.

Schließlich werden noch die Schnallen eingenäht und Löcher gestanzt und die Bänder durch die Aufhängung gezogen. Der zukünftige Gürtelriemen bleibt unverziert, hier wird der Kunde sich noch selbst eine Gürtelschnalle und die Beschläge zum Durchziehen der Riemen befestigen.


 

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17
May

Köcher – Zwischenstand

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 

Mein Gott, wie die Zeit fliegt!

Es ist jetzt schon fast drei Wochen  her,  dass ich mit den Arbeiten am Köcher begonnen habe.

Dies hier

Gesamteindruck des Stücks bis hierher

war der letzte von mir gepostete Zustand.

Seitdem habe ich die andere Seite genauso fertig gemacht, also genau symmetrisch die Aufhängung angenäht und dann die beiden Teile gegengleich zusammengenäht.

Danach wurde das Stück gut gewässert und dann mit viel Körpereinsatz – Ziehen, Zerren, Fluchen – gewendet. Das funktioniert so ähnlich wie beim Wenden von Schuhen, nur, dass das Stück viel größer ist als das größte Paar Kindersärge, und außerdem das Leder hier überall so dick ist wie bei den Sohlen von Schuhen – 4,5mm!

Der noch nasse Köcher, frisch gewendet

Klar, dass das fast einen ganzen Tag in Anspruch genommen hat.

Nachdem die Tasche jetzt also ordentlich auf rechts gezogen war, musste noch die obere Naht an der Aufhängung geschlossen werden und vor allen Dingen das Leder geglättet. Macht man das nicht, sieht das getrocknete Leder aus wie ein Stück Orangenschale – nicht sehr ansehnlich!

Hier ist noch mal eine Nahaufnahme der Verzierung nach dem Wenden. Da das Leder durch und durch nass ist, kommt der Kontrast jetzt gerade nicht gut heraus.

Die nasse Verzierung

Danach habe ich den Köcher auf eine Papprolle gespannt und trocknen lassen. Langsam und bei Raumtemperatur, damit das Leder gleichmäßig trocknet.

Heute habe ich befunden, dass der Köcher durch und durch trocken ist und weiter behandelt werden kann.

Er sieht jetzt so aus:

Der Köcher ist durchgetrocknet

Man kann ganz gut sehen, dass der Köcher jetzt einen ellipsenförmigen Querschnitt angenommen hat. Das Leder ist trotzdem noch weich und lässt sich ohne Druck verformen.

Jetzt komt auch die Verzierung wieder richtig schön heraus:

Die getrocknete Verzierung

Der nächste Arbeitsschritt ist Ölen und Polieren. Dadurch wird das Leder noch etwas nachdunkeln und die Farbgebung wird etwas gleichmäßiger werden. Natürlich wird die Farbe nie ganz gleichmäßig werden, schließlich handelt es sich um Naturleder, das lediglich vegetabil gegerbt und gefettet wurde. Ganz gleichmäßige Farben erzielt man nur mit deckend gefärbten Ledern – wir aber wollen lieber die schöne Farbe des Leders selbst herausbringen!

 

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29
Apr

Köcher

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 

Zurzeit arbeite ich an einem Köcher.

Insgesamt soll es ein Set werden aus Köcher und Bogentasche für einen orientalischen Reiterbogen, die Vorlagen sind von Osprey und von einem Museumsstück (Fund).

Osprey-Vorlage Köcher

Osprey-Vorlage Bogentasche

Im Gegensatz zu der Osprey-Interpretation und in Einklang mit dem Museumsstück (erwähnte ich schon mal, dass ich Osprey nicht wirklich traue?) werden sie Stücke aber nicht flach zusammengenäht, sondern wie alle sonstigen Taschen auch, wendegenäht. Das verhindert ein Durchscheuern der Nähte und sorgt für wesentlich mehr Formstabilität.

Museumsstück, Wendenähte

Dazu kommen Verzierungen, nach langen Überlegungen mit einem Rillenzieher ausgeführt, der die oberste Schicht des Leders wegnimmt und das darunter liegende hellere Kernleder zum Vorschein kommen lässt. Der Kontrast ist sehr deutlich, im Gegensatz zu der verbreiteteren Methode des Punzierens (Eindrückens der Motive), die nur in vollem Licht richtig zur Geltung kommt.

Zuerst wurden die Einzelteile zugeschnitten, zwei große Taschenstücke für Vorder- und Rückseite und zwei kleinere Stücke, aus denen die Aufhängung werden soll.

Als nächstes wurden alle sichtbaren Kanten entschärft, das ist konstruktiv natürlich nicht notwendig, aber es macht einen schöneren Gesamteindruck.

Lederstück mit entschärften Kanten

Dann wurde das Motiv übertragen, zunächst mit einem Holzstäbchen in das Leder eingedrückt und dann mit dem Rillenzieher ausgeschnitten (Was hier in zwei Sätzen daherkommt, dauert mehrere Stunden. Man darf den Rillenzieher erst dann ansetzen, wenn man sich absolut sicher ist, und gerade die Rundungen des Motivs sind sehr schwierig, weil man den Zieher nicht zwischendurch absetzen darf – Macht mit dem Ding einen Fehler und ihr könnt das ganze Werkstück in die Tonne treten!)

Der Entwurf für das Motiv auf Seidenpapier

Das Motiv ist übertragen und ein das Leder eingedrückt

Das fertig ausgeschnittene Motiv

Der Rillenzieher wird hier auch benutzt, um Rillen zu schneiden, in denen die Nähte liegen sollen. Wenn sie etwas versenkt im Leder liegen, sind sie nicht so exponiert und können weniger leicht aufscheuern.

Rille für die versenkte Naht

alle Nähte vorgestochen

Bei großen Stücken zeichne ich gerne die Nahtlöcher vorher an und steche vor. Dann habe ich es später leichter, beide Stücke genau aufeinander zu alignieren. Das heißt übrigens nicht, dass man durch diese Löcher dann einfach später durchnähen kann: Die Löcher ziehen sich sehr schnell wieder zu (genau dafür sticht man die Löcher mit der Ahle und bohrt sie nicht etwa einen Dremel aus), und man muss, wie sonst auch, jedes Loch ahlen, bevor man die Fäden durchziehen kann.

Die Naht für die Haupttasche liegt auf der Fleischseite

vorgestochene Naht

Ach ja – Fäden und nicht Faden. Für Ledernähte, die halten sollen, sollte man immer mit zwei Fäden im Sattlerstich arbeiten: Scheuert einer der beiden Fäden an einer Stelle durch, ist die Gegennaht noch immer intakt. Ich benutze Leinengarn, dass ich auf die gewünschte Stärke verzwirne und dick mit Bienenwachs einwachse.

Sattlerstich

fertig angenähte Aufhängung

Heute habe ich es geschafft, auf der Vorderseite der zukünftigen Tasche die Halterung anzubringen.

Gesamteindruck des Stücks bis hierher

 

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