Posts Tagged ‘Lederverzierungen’

29
Apr

Köcher

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 

Zurzeit arbeite ich an einem Köcher.

Insgesamt soll es ein Set werden aus Köcher und Bogentasche für einen orientalischen Reiterbogen, die Vorlagen sind von Osprey und von einem Museumsstück (Fund).

Osprey-Vorlage Köcher

Osprey-Vorlage Bogentasche

Im Gegensatz zu der Osprey-Interpretation und in Einklang mit dem Museumsstück (erwähnte ich schon mal, dass ich Osprey nicht wirklich traue?) werden sie Stücke aber nicht flach zusammengenäht, sondern wie alle sonstigen Taschen auch, wendegenäht. Das verhindert ein Durchscheuern der Nähte und sorgt für wesentlich mehr Formstabilität.

Museumsstück, Wendenähte

Dazu kommen Verzierungen, nach langen Überlegungen mit einem Rillenzieher ausgeführt, der die oberste Schicht des Leders wegnimmt und das darunter liegende hellere Kernleder zum Vorschein kommen lässt. Der Kontrast ist sehr deutlich, im Gegensatz zu der verbreiteteren Methode des Punzierens (Eindrückens der Motive), die nur in vollem Licht richtig zur Geltung kommt.

Zuerst wurden die Einzelteile zugeschnitten, zwei große Taschenstücke für Vorder- und Rückseite und zwei kleinere Stücke, aus denen die Aufhängung werden soll.

Als nächstes wurden alle sichtbaren Kanten entschärft, das ist konstruktiv natürlich nicht notwendig, aber es macht einen schöneren Gesamteindruck.

Lederstück mit entschärften Kanten

Dann wurde das Motiv übertragen, zunächst mit einem Holzstäbchen in das Leder eingedrückt und dann mit dem Rillenzieher ausgeschnitten (Was hier in zwei Sätzen daherkommt, dauert mehrere Stunden. Man darf den Rillenzieher erst dann ansetzen, wenn man sich absolut sicher ist, und gerade die Rundungen des Motivs sind sehr schwierig, weil man den Zieher nicht zwischendurch absetzen darf – Macht mit dem Ding einen Fehler und ihr könnt das ganze Werkstück in die Tonne treten!)

Der Entwurf für das Motiv auf Seidenpapier

Das Motiv ist übertragen und ein das Leder eingedrückt

Das fertig ausgeschnittene Motiv

Der Rillenzieher wird hier auch benutzt, um Rillen zu schneiden, in denen die Nähte liegen sollen. Wenn sie etwas versenkt im Leder liegen, sind sie nicht so exponiert und können weniger leicht aufscheuern.

Rille für die versenkte Naht

alle Nähte vorgestochen

Bei großen Stücken zeichne ich gerne die Nahtlöcher vorher an und steche vor. Dann habe ich es später leichter, beide Stücke genau aufeinander zu alignieren. Das heißt übrigens nicht, dass man durch diese Löcher dann einfach später durchnähen kann: Die Löcher ziehen sich sehr schnell wieder zu (genau dafür sticht man die Löcher mit der Ahle und bohrt sie nicht etwa einen Dremel aus), und man muss, wie sonst auch, jedes Loch ahlen, bevor man die Fäden durchziehen kann.

Die Naht für die Haupttasche liegt auf der Fleischseite

vorgestochene Naht

Ach ja – Fäden und nicht Faden. Für Ledernähte, die halten sollen, sollte man immer mit zwei Fäden im Sattlerstich arbeiten: Scheuert einer der beiden Fäden an einer Stelle durch, ist die Gegennaht noch immer intakt. Ich benutze Leinengarn, dass ich auf die gewünschte Stärke verzwirne und dick mit Bienenwachs einwachse.

Sattlerstich

fertig angenähte Aufhängung

Heute habe ich es geschafft, auf der Vorderseite der zukünftigen Tasche die Halterung anzubringen.

Gesamteindruck des Stücks bis hierher

 

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5
Jan

Messerscheiden

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 

Diese beiden Messerscheiden habe ich als Weihnachtsüberraschung für zwei Freunde hergestellt.

Messerscheiden aus Leder

Sie sind aus vegetabil gegerbtem Rinderhalsleder mit Spieß hergestellt. Das Leder wird nass verformt, stellenweise noch entschärft und dann auf der Rückseite vernäht.

Die Verzierungen wurden mit einem sog. Freihand-Rillenzieher gemacht. Dieses Werkzeug nimmt die oberste dünne Schicht des Leders, die Narbe weg.  Darunter kommt der Kern des Leders zum Vorschein, der faserig ist und daher eine andere Farbe hat als die Narbe. Es nimmt auch z.B. Fett besser auf als die Narbe , so kann man den Effekt noch verstärken, wenn der Farbunterschied einem zu gering erscheint.

Freihand-Rillenzieher kann man u.a. bei lederkram kaufen.

Die fertigen Lederscheiden sind so eng, dass man die Messer am Anfang nur mit etwas Mühe ziehen kann.  Das Leder, das nass butterweich ist, wird beim Trocknen steinhart und zieht sich ein wenig zusammen. Es ist immer ein wenig Nervenkitzel dabei, ob man den Schrumpfungseffekt richtig eingeplant hat. Das Leder ist nämlich hinterhältig und gemein und zieht sich nicht an allen Stellen gleich weit zusammen!

 

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