Posts Tagged ‘Leinen’

8
Apr

Gambeson VoLa-HiKu

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 

Juchu!

Endlich ist ein Gambeson fertiggeworden!

Der VoLa-HiKu Gambeson, den ich schon seit Beginn des Jahres am Wickel habe, ist in den letzten Tagen des März endlich von mir gegangen! Das soll übrigens nicht heißen, dass es mir keinen Spaß gemacht hätte, es ist nur so, dass der Gambi im Verlauf seiner Fertigstellung immer wieder länger brauchte als von mir vorhergesehen. Das lag zum Einen daran, dass ich jetzt alle großen Stücke (Vorder- und Rückenteil und beide Ärmel) von Hand vorgesteppt habe, und zum Anderen daran, dass meine Nähmaschine teilweise der Aufgabe einfach nicht gewachsen war uns daher z.B. sämtliche Abschlüsse und Borten von Hand angenäht werden mussten.

Ganz nebenbei lag es natürlich auch daran, dass ich z.B.nicht mehr als vier Stunden am Stück die Handsteppungen machen konnte (probiert’s mal aus, Leute, zwei Stunden am Stück die Arme über Kopfhöhe halten, auch, wenn sie nichts Schwereres als ‘ne Nadel halten, und ihr fühlt euch wie nach zwei Stunden Workout!

Dann. als das Ding eigentlich fertig war, stellte sich heraus, dass der Einsprung durch die Steppung noch gößer war, als von mir vorher berechnet und das Ding in Bauchhöhe zu eng zu werden droht. (Fun-Fact: Diamantsteppung macht so gut wie keinen Einsprung, Röhrenstepung dagegen gewaltig!). Ein paar Geren mussten also her, also wieder vorsteppen, maschinensteppen, der ganze Zirkus. Immerhin schätze ich mich glücklich, dass dieser Gambi nur mit einer Lage Wollvlies gefüttert wurde. Bei seinem Kollegen, der parallel angefertigt wurde, sah das anders aus, aber dazu später mehr.

Schließlich und endlich aber war alles fertig, alls Borten dran, der Gambi gewaschen und getrocknet und verschickt und als dann die mail kam: “Passt, sieht gut aus, bin zufrieden”, da war der meiste Ärger eigentlich vergessen ;-)

Hier kommt noch mal, für alle Interessierten, die Foto-Love-Story der Gambeson-Entstehung:

Angefangen hat das Ganze mit Handsteppungen, ganz, ganz viele kleine Punkte über die ganze Stoffbreite verteilt, damit am Ende uch wirklich nichts verrutscht oder häßliche Falten wirft.

Hier sieht man schon die fertigen Vorder- und Rückenteile, wenn man genau hinsieht, kann man auch sehen, dass der untere Teil mit der Röhrensteppung schmaler geworden ist, als der mit der Diamantsteppung.

fertig maschinengesteppte Vorder- und Rückenteile

Die hübsch bunte Schablone zeigt ale Punkte an, die für die Ärmel vorgesteppt wurden (im Vergleich mit dem Vorder-/Rückenteil lächerlich wenige), darunter sieht man die am Aufbau beteiligten Stoffe.

Steppschablonen für Ärmel

Steppschablonen für Ärmel

Und hier sieht man ein Ärmelteil, schon fertig mit Maschinensteppung.

fertig maschinengesteppter Ärmel

fertig maschinengesteppter Ärmel

Damit die Ärmel schön beweglich bleiben und der Träger keinen klaustrophobischen Anfall bekommen soll, sind die Stepplinien ab dem Ellenbogen etwas weiter auseinander als oben. Außerdem ist der innenliegende Stoff ganz feines Leinen.

Hier sieht man den ganzen Haufen fertiger Teile, die ‘nur’ nochzusammengefügt werden müssen.

gesteppte Einzelteile, fertig zum Zusammensetzen

gesteppte Einzelteile, fertig zum Zusammensetzen

Hier sind Kopföffnung und Ärmelausschnitte schon weggenommen, so kann man schon den Schnitt des zukünftigen Kleidungsstücks erahnen:

fertiges Vorderteil

fertiges Vorderteil

Dies ist das abgeschittene Stück des Hinterteils, wir erinnern uns: der Gambeson sollte hinte kürzer sein als vorne, erstens wegen der Illumination-Vorlage und zweitens wegen der Praktikabilität beim Reiten.

Abschnitt vom Rückenteil

Abschnitt vom Rückenteil

Praktischerweise müssen wir das mühsam gesteppte Stück nicht wegwerfen, es wird wiedergeboren werden als Schlitzbeleg für die Kopföffnung:

Kopföffnung mit Schlitzbeleg

Kopföffnung mit Schlitzbeleg

Hier sieht man zum ersten Mal den ganzen Hauptteil des Gambis, so wie er gehört: Vorder- und Rückenteil inklusive des Kragens samt Schlitz und Beleg.

Gambi mit Kragen, noch ohne Ärmel

Gambi mit Kragen, noch ohne Ärmel

Hier sind wir schon ein ganzes Stückchen weiter: Nicht nur hat der Gambi seine Ärmel bekommen, er hat auch schon die eingesetzten Geren, die am empfindlichen Bauch für weniger Spannungen sorgen sollen (den Fehler der Planerin korrigieren).

Gambi mit Geren

Gambi mit Geren

Hier sieht man, dass alle Kanten, bevor sie verbortet wurden, erst mal einen ordentlichan Abschlusss bekommen haben. Weil man so ein zentimeterdickes Stück Gesteppe nicht einfach so säumen kann, wurden alle Kanten mit einem schmalen Stückchen Leinen eingeschlagen. Weil die Chance besteht, dass die später mal jemand zu Gesicht bekommt, habe ich bereits hier das Diamantköper-Leinen genommen, aus dem später die Borten werden sollen.


versäuberte Schlitze

versäuberte Schlitze

versäuberte Seiten'stufe'

versäuberte Seiten’stufe’

Dies ist die ‘Ventilations’-öffnung unter den Achseln (Gambesons werden in Kämpferkreisen auch ‘Tigerkäfig’ genannt, wegen des animalischen Dufts). Aber hier fehlen noch die Abschlüsse.

Ventilationsöffnung, unversäubert

Ventilationsöffnung, unversäubert

Hier haben wir endlich ein Bild vom fertigen Gambson: Alle Kanten sind versäubert und, wo nötig, verbortet, alle Löcher für die Verschlüsse sind drin (die Löcher wurden mit einem Naturleinenfaden von Hand gestochen, selbst, wenn man eine NäMa hätte, die solche Löcher sticken kann, würde ich dem Versuch, so kleine, feine Stiche an dem dicken Gambeson ausführen zu wollen, gerne mit einem Longdrink in der Hand zuschauen) und auch schon Lederbänder durchgzogen. Und, passend zu diesem Anlass ist dann auch die Wolkendecke hier so dünn geworden, dass man ein paar richtig gute Tageslichtfotos machen konnte.

fix & fertig: Gambeson VoLa-HiKu

fix & fertig: Gambeson VoLa-HiKu

Hier sieh man den ungeschnürten Unterärmel: Zieht man am Lederband…

Unterärmel, weit

Unterärmel, weit

kann man den Ärmel ca. 5cm enger machen. So kommt man leicht rein & raus, und der Ärmel sitzt trotzdem sngenehm und gutaussehend eng am Körper.

Unterärmel, eng

Unterärmel, eng

Hier, bei Tageslicht, kann man endlich auch mal einen Eindruck von der schicken Diamantköperborte bekommen. Leider habe ich vergessen, ein paar Makros von den feinen Handstichen zu machen.. .-(

seitlicher Schlitz, Stufe, mit Borten

seitlicher Schlitz, Stufe, mit Borten

Und noch mal Borten, diesesmal am vorderen Schlitz

vorderer Schlitz, mit Borten

vorderer Schlitz, mit Borten

Auf diesem Foto kann man es halbwegs erahnen: Auch der Kragen ist aus Diamantköper. Diesesmal nicht zum Angeben, sondern, weil der Diamantköper außerdem auch noch sehr weich ist und der zukünftige Besitzer hohe Kragen am Hals nicht mag.

Kragen und Schlitzverschluss mit Löchern und Bändern

Kragen und Schlitzverschluss mit Löchern und Bändern

Hier ist auch die Unter-Arm-Öffnung ordentlich versäubert.

versäuberte Achselöffnung

versäuberte Achselöffnung

Insgesamt sind in diesem Gambeson ca. 2 qm Wollvlies, 4qm Leinen, fast ein ganzer qm Diamantköper-Leinen, 700m Nähgarn, ungefähr zwanzig Nähmaschinennadeln und noch ein paar Meter Leinengarn, Bienenwachs und Lederbänder enthalten. Leider habe ich vergessen ihn zu wiegen :-(

Und so sah er aus, als er sich auf den Weg zu seinem stolzen Besitzer gemacht hat:

Auf dem Weg zum Besitzer

 

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18
Feb

Triple-A-Schwertscheide

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 

Gerade habe ich eine Triple-A-Scheide für ein sehr außergewöhnliches Schwert angefertigt.  Das Besondere an diesem Schwert ist:  Es ist ein ‘Echtes’.

Es ist wesentlich dünner als Schaukampfschwerter und die Klingen sind scharf geschliffen.  Es wiegt auch – geschätzt – nur ein Drittel von dem, was ein Schaukampfschwert dieser Länge wiegen würde. Es war wirklich sehr interessant für mich, mal ein solches Schwert in der Hand zu halten: Es ist erstaunlich gut ausgewogen, obwohl Griff und Pommel nicht besonders schwer sind und sogar ich zarter Hänfling könnte es gut und sicher führen.

Die schmale Klinge war dann leider auch der Grund, warum mal wieder alles ein wenig länger gedauert hat und ich einen guten Teil der Arbeit doppelt machen durfte :-( .

Triple-A-Scheiden bestehen ja, im Gegensatz zu meinen einfachen Kastenscheiden, aus zwei gerundeten Sperrholzblättern (Laubholz), die passend für die Klinge gebogen werden.

Das Holz wird dafür zugeschnitten und eine Weile lang gewässert, danach in die gewünschte Linsen-Form gebracht und so trocknen gelassen. Für das In-Form-Bringen verwende ich normalerweise einen Holz-Dummy, der in etwa so breit wie die Klinge ist. Aber diese Klinge ist extrem flach, viel flacher als ich es gewohnt bin. Beim Einklammern fand ich noch den Querschnitt angenehm linsenförmig, wenn auch ein wenig flach, aber nach dem Trocknen biegt sich das Holz noch etwas zurück, und dabei blieb leider kaum noch Rundung übrig.

Also zurück zum Reißbrett: Für den zweiten Versuch habe ich einen Dummy genommen, der mehr als doppelt so dick ist wie die Klinge und diesesmal hat es dann auch wirklich funktioniert und ich habe einen angenehmen Linsenquerschnitt erhalten, der vielleicht noch ein wenig weit ist, aber das sollte sich bessern, wenn erst mal das Leinenfutter drinnen ist. (Was man hier nicht sieht, ist das tagelange Wässern und Trocknen der Scheidenrohlinge. Wirklich sehr unangenehm, der ganze Zeitverlust, aber some things can’t be rushed…)

Als ich dann mit dem Rohling so weit zufrieden war, kam das Futter an die Reihe. Um es nicht gleich an den Klingen aufzureißen, habe ich das Schwert sorgsam gepolstert und dann in Leinen eingenäht.

Das Futter wird dann mit Knochenleim in den Scheidenrohling eingeklebt und in Form trocknen gelassen. Das hilft auch, den gewünschten Querschnitt zu sichern. Wichtig ist, dass die halbfertige Scheide immer genug Zeit zum Trocknen bekommt; was man auf gar keinen Fall haben will, ist Feuchtigkeit in der Scheide, die womöglich, weil sie nirgends raus kann, auch noch Schimmel einfängt!

Schließlich bekommt die Scheide noch eine stützende Schicht aus Leinen von außen. Das Leinen wird in Streifen geschnitten und mit Knochenleim aufgeklebt. Knochenleim ist so etwas wie sehr dicke Gelatine, er klebt sehr gut, bleibt aber auch in festem Zustand noch flexibel. Instrumentenbauer benutzen fast ausschließlich Knochenleim (oder andere, ähnliche Leime wie Hasenleim, Fischblasenleim…).

Das macht aus der Scheide so etwas wie einen mittelalterlichen Verbundstoff: Am Ende ist die Scheide sehr formstabil und gleichzeitig flexibel. Hiermit ist der bedeutende Teil der Scheide eigentlich schon fertig, was jetzt folgt, sind ‘nur’ Verzierungsarbeiten :-)
Aber auch hier gilt wieder: Ordentlich Trocknen lassen!

Jetzt bekommt die Scheide nämlich noch ein schickes Mäntelchen aus Leder. Ich verwende hier vegetabil gegerbten Rinderhals, der ist wunderbar weich und gleichzeitig sehr stark.

Ich kaufe mein Leder übrigens bei Klaus Flach in Kiel. Die Preise dort sind nicht gerade billig im Vergleich, aber hier haben sie wirklich eine gute Auswahl vegetabil gegerbter Leder und ich kann mich auf eine gleichbleibende Qualität verlassen. Auch ist es nicht selbstverständlich, dass ich Sonderwünsche wie z.B. eine sehr lange Haut oder eine möglichst kleine Haut einfach erfüllt bekomme. Der Internetauftritt ist ein ziemliches Durcheinander, ohne Skripte funktioniert die Seite gar nicht. Aber, wenn man anruft, wird man gut beraten und die Lieferung geht umgehend auf den Weg.

Das Leder wird eingeweicht und dann in nassem Zustand um die Scheide genäht. Das ist wichtig, weil das nasse Leder noch mal flexibler ist als das Trockene, so kann ich das Leder fest um die Scheide ziehen und beim Trocknen zieht es sich noch ein wenig zusammen und liegt dann knalleng an.

Oben am Scheidenmund werden noch ein paar Feinheiten angebracht: Ich lege dicke Lederstreifen unterhalb des Bezugsleders auf die Scheide , die werden später sichtbare Wölbungen ergeben und die durchgezogene Wicklung sehr schön umrahmen.

Die Klinge hat an der Parierstange eine kleine Verzierung, die Parierstange ist hier V-förmig ein wenig zur Klinge hin ausgezogen.

Dieser Einschnitt ist sehr flach, vielleicht einen Zentimeter breit, mit einem passend geformten Scheidenkern ist hier wenig zu wollen, weil das dicke Leder diesen Einschnitt fast unsichtbar machen würde. Also habe ich mich entschieden, das Bezugsleder ein wenig weiter herauszuziehen als normal (ein bis zwei Zentimeter) und schon in feuchtem Zustand an der passenden Stelle ein wenig einzudrücken. Das Leder bildet also einen dicken Rand über dem Mund der Scheide und es sollte jetzt weich genug sein, um sich der Form der Parierstange anzupassen, wenn das Schwert darin getragen wird.

Wenn die Scheide fertig bezogen ist, muss sie unbedingt gut geglättet werden, sonst bekommt das leder beim Trocknen viele kleine Runzeln und das sieht gar nicht gut aus.  Zum Glätten verwendet man ein Stück Holz oder Knochen, es gibt sogar aus dem Buchbinderbereich ein spezielles Werkzeug aus Knochen, ein sogenanntes Falzbein.

Fehlt noch die Wicklung, aber vorher heißt’s mal wieder : Trocknen lassen, denn gerade das Leder kann viel Feuchtigkeit speichern, auch, wenn es sich gar nicht mehr nass anfühlt.

Für die Wicklung will ich alaunggerbtes Schweineleder verwenden, das macht die schönen reinweißen Ritter-Schwertgurte. Zusammen mit dem rötlichen Rinderhals (der auch noch geölt und so nachgedunkelt werden soll), sollte das einen sehr hübschen Kontrast ergeben.

Bevor gewickelt wird,muss noch das Leder geölt  und poliert werden, einfach ganz langsam, nach und nach in kleinen, kreisenden Bewegungen zuerst das Öl einreiben, und danach mit Lederfett und Wasser so lange polieren, bis das Leder richtig glänzt und Wassertropfen abperlen.

So sieht die fertige Schwertscheide mit Wicklung aus:

Netterweise hatten wir heute nachmittag so etwas wie Sonne, so, dass ich ein paar anständige Fotos bei Tageslicht machen konnte, die Farben kommen dabei einfach unendlich viel schöner heraus als bei dem leidigen Kunstlicht. Hier haben wir ein Close-Up von der Wicklung, man kann gut sehen, wie die Wicklung von den Erhebungen im Leder eingerahmt wird.

Und zum Abschluss gibt’s noch ein Foto in Manesse-Art, mit umgewickelten Gürtel, sehr schön hier der Kontrast zwischen dem dunklen Leder und dem reinweißen Gurt.

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10
Jan

Gambeson Vola-Hiku

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 

Das erste Stück (u.a.) in diesem Jahr soll ein Gambeson werden, und zwar einer, der vorne länger ist als hinten, an den Seiten also eine “Stufe” aufweist.

Die Inspiration für das Stück ist aus einer Abbildung des Grand Psautier de Canterbury entnommen.

Am besten sieht man den besonderen Schnitt auf diesem Ausschnitt:

Ich nehme an, dass das Blaue auf dem Bild Kette ist, das Weiße darunter der Gambeson. Meine Interpretation für das Design sieht dann so aus:

Das Schema ist noch nicht ganz maßstabsgetreu, ich rechne damit, dass die Stepplinien ca. 5-7cm weit auseinander liegen werden, für die Diamantsteppung im oberen Teil sollte dieserAbstand die unsichtbaren Reihen bilden, auf denen die Kreuzungspunkte der diagonalen Steppung liegen.

Am Hals und Oberkörper sollen sich der linke und rechte Teil leicht überlappen, geschlossen wird der Gambi dann mit einer einfachen Schnürung, die dicken braunen Punkte zeigen (ungefähr) die Lage der Nestellöcher dafür an. Dann kann man den Ausschnitt einfach zuziehen, einen halben Knoten rein – und hält.

Unter den Achseln sollten eigentlich Rauten sitzen, die mehr Bewegungsweite erlauben, was gerade bei den weit ausholenden Bewegungen des Schwertkampfes eigentlich ein Muss ist. Allerdings ist der Träger selbst gar kein Kämpfer, weswegen der Gambi auch nur leicht gesteppt wird. Insofern denke ich daran, den Gami unter den Achseln offen zu lassen, um ein wenig mehr Transpiration zu erlauben (In Kämpferkreisen wird ein Gambeson auch “Tigerkäfig” genannt, und die wissen, warum ;-) ).

Jetzt ist noch wichtig, zu erwähnen, dass die Ärmel ordentlich eng zulaufen sollen, um den Michelin-Effekt abzuschwächen. Gambesons von der Stange verwenden ja gewöhnlich Rechtecke als Ärmelzuschnitt (one size, fits no one), dankbarerweise kann ich jedes Stück auf seinen Träger anpassen und damit wenigstens auf wenige cm genau passend machen.

Um ganz sicher zu sein, dass der Gambi an den Unterarmen auch nicht zu weit wird, werden hier noch Nestellöcher auf der Ärmelrückseite eingearbeitet; durch diese wird ein fingerschlaufengeflochtenes Band wie ein Schnürschuh gefädelt, dann kann man mit einem Zug an den Schnurnden den Ärmel enger machen.

Das verwendete Material für den Gambeson wird ein Sandwich aus Leinen, Wollvlies und wieder Leinen, wobei das Leinen für die innere Lage etwas leichter sein darf, auch wieder zu Zwecken des Tragekomforts, der erleichterten Transpiration und der Abmilderung des Michelin-Effekts.

So sieht das Wollvlies aus:

Und das hier ist das Leinen:

Für die Säume werden wir so posh, dass Uneingeweihte es gar nicht sehen können: Anstelle einer fetten Goldborte werden wir die Säume mit einer Verzierung aus Leinen-Diamantköper versehen. Der Stoff ist aus sehr feinem, weichen Leinengarn gewebt und entwickelt durch die besondere Webweise einen sehr speziellen, changierenden Schimmer.

Weil das fertige Sandwich sich durch die Steppung ganz natürlicherweise zusammenzieht, werde ich vorsteppen:

Ich baue einen stabilen Rahmen, in den ich das unversteppte Sandwich einspanne und fixiere innerhalb des Rahmens die Kreuzungspunkte und Stepplinien mit der Hand.

Das hat zwei Vorteile: Erstens verhindert es, dass beim Maschinensteppen unschöne Quetschfalten auf einer Seite des Gewebes entstehen, wie es bei so dicken Sandwiches leicht passieren kann und zweitens kann ich den fertig gesteppten Stoff aus dem Rahmen nehmen und dann passend zuschneiden und nix zieht sich mehr zusammen und ich muss nicht den Einsprung vorher beim Zuschnitt mit einrechnen.

So sieht es aus, wenn dann gesteppt wird:

Und so sieht ein fertiges Vorderteil aus:

 

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