Ich habe schon seit einer Ewigkeit vor, meine Literatur-Quellen zu teilen und allen Interessierten mitzuteilen, auf welche Bücher ich für Vorlagensuche zurückgreife und warum.
Wie so viele Großprojekte, die ich mir vornehme, habe ich es bis jetzt noch nicht geschafft.
Aber, ich habe ja jetzt ein Blog, und das ist dazu gedacht, häppchenweise Neuigkeiten einzufügen. Genau richtig für mich!
Also will ich gleich mal damit anfangen und ein Buch vorstellen, das mir wirklich sehr gut gefällt und das viele von euch vielleicht noch gar nicht kennen:
Das Buch heißt Purses in Pieces und ist 2007 bei einem niederländischen Archäologie-Verlag erschienen.
Und, wie der Titel vermuten lässt, beschäftigt es sich mit allen Arten von Taschen, wobei es sich aber auf Funde aus dem späten Mittelalter/frühe Rennaissance aus den Niederlanden beschränkt.
Auf 118 Seiten (Softcover) werden archäologische Funde dargestellt, als Foto und auch als Aufrisszeichnung, teilweise belegt mit Abbildungen. Ganz besonders hervorzuheben an diesem Buch ist auch, dass es eine Vielzahl von Repliken zeigt, so wie, bei schlechten Funden eine gut interpretierbare Zeichnung des gesamten Objekts, wie es neu ausgesehen haben müsste.
Der Autor, Olaf Goubitz, ist vielen sicherlich bekannt von seinem, inzwischen zum Standardwerk gewordenen Stepping through time, dem Standardwerk für historische Fußbekeidung. Der Archäologe, der sich in all seinen Arbeiten immer auch mit Repliken beschäftigte, bestand darauf , eine archäologischen Technik nicht ordentlich verstehen zu können, bevor man sie nicht ausprobiert habe. Leider ist er während der Arbeiten an diesem Buch verstorben (Sehr zum Nachteil für alle Hobby Living History’ler, da er ein weiteres Buch über Messerscheiden in Vorbereitung hatte).
Die vorgestellten Funde stammen überwiegend (aber nicht nur) aus einer großen Ausgrabung in Dordrecht zwischen 1968 und 1985. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Behältnisse für verschiedenste Dinge, die transportiert wurden, und viele von ihnen wurden mehr oder weniger reich verziert.
Die Themen des Buches sind:
- Girdle purse
- Hand purse
- Pouch purse
- Girdle bags
- Frames purses
- Money pouch or drawstring pouches
- Girdle pouch
- Waist bundle
- Money-changer’s purses
- Bag
- Wallet
- Cases
- Bottle covering
- Enigmatic finds
Das Kapitel über Girdle purses beshäftigt sich sehr ausführlich mit dem im Reenactment am weitesten verbreiteten Objekt: der Gürteltsche. Auf über zwanzig Seiten werden verschiedene Grundmuster erörtert, diverse Formen und Aufbaue (aus ein, zwei oder mehr einzelnen Taschen, teilweise mit aufgesetzten Täschchen) gezeigt und eine sehr schöne Replika gezeigt.
Sehr beachtenswert finde ich persönlich das Kapitel über framed purses, ich hatte schon mehrfach Abbildungen solcher ‘Beutel’ gesehen, war aber bislang noch nicht so recht zu einem Schluss gekommen, wie sie aufgebaut sind. Dankenswerterweise sind die ‘frames’ aus Metall und haben sich daher erhalten, mit Hilfe des Metalll-Fundes und der Abbildung ist eine Rekonstruktion also gut möglich.
Interessant ist noch am Rande, dass die Ring-Taschen mit einem Ring bald zu solchen mit einem zusammenklappbaren Halb-Ring mit Scharnier führten, die denen ziemlich ähnlich sehen, die meine Oma noch jeden Tag benutzte.
Wirklich spannend sind die Money-changer’s purses: große Taschen mit vielen verschiedenen kleinen Beutelchen und Comparments, in denen die Geldwechsler die verschiedene Stücke und Währungen auseinanderhalten konnten. Detaillierte Aufrisszeichnungen machen eine Rekonstruktion möglich.
Unter Cases fallen eine Menge verschiedener Objekte, die jeweils passend angefrtigt wurden für die Gegenstände, die sie beherbergten: Messerscheiden, Sonnenuhren, Schreibtäfelchen, Besteckhalter (ein sehr ausgefallener Behälter für einen zusammenklappbaren Löffel), Beutel für Brillengläser, Nadeln, Stifte, Flaschen, Schlüssel und sogar Buchumschläge. Alles mit sehr guten Fotos, Abbildungen und erläuternden Texten, die eine eigene Rekonstruktion gut möglich machen.
Ich kann das Buch für Hobby-Reenacter nur wärmstens empfehlen: Die Vielzahl der Objekte, die mit dem Buch als Anleitung herstellbar sind, reichen für weit mehr als eine Person/Figur, und, schließlich sind es die Kleinigkeiten, die den Unterschied machen zwischen einem Markt-Säufer oder Kostümcamper und einem Living-History Reenacter.
Ein bisschen Ahnung von Leder und seinen Verarbeitungstechniken sollte man schon mitbringen, das Buch ist nicht als Anleitung gedacht, sondern als Vorstellung der verschiedenen Funde für historisch interessierte Personen/Leute vom Fach. Aber die Gewissenhaftigkeit des Autors und seine wunderbaren eigenen Rekonstruktionen machen mit ein bisschen Try und Error eine Nacharbeit der verschiedenen Stücke sehr gut möglich. Überhaupt ist es sicherlich anzuraten, ein geplantes Stück zuerst einmal in Restleder zweifelhafter Herkunft herzustellen, und dann, wenn man alle Fallen und Missverständnisse hrausgefunden hat, diese Erfahrungen in schönem, vegetabil gegerbten Leder mit Leinenfaden, Bienenwachs und Pech umzusetzen.
Tags: Buchvorstellung, Purses in Pieces, Taschen






















