Posts Tagged ‘Schleier’

31
Jan

Huldremose-Rock und Tunika

   Posted by: jea    in Uncategorized

 

Eine Kundin wünschte sich einen Rock nach dem Huldremose-Fund und dazu eine Tunika aus dünnem Leinen nach einer anderen Fundbeschreibung so wie passende Schleiertücher.

Das dänische Nationalmuseum stellt die Kleider des Moorleichenfundes der Huldremosefrau aus und es hat auf seiner website eine wunderbare Darstellung eines ultrahochaufgelösten Fotos,  das es erlaubt, die Fadenzahl der Gewebe so wie die Nähtechniken genau nachzuvollziehen.

Eine Replik des Stoffes war leider finanziell für dieses Projekt nicht möglich, aber ich habe die Stoffe, die meine Kundin mir gab, mit 2-fädigem Leinengarn vernäht und dabei die Nähtechniken des Fundes verwendet. Auch das Lederband, das den Rock zusammengehält, habe ich, wie in dem Fund direkt durch das Gewebe mit Hilfe einer Ahle durchgezogen. Lediglich musste ich, durch die Schnittkanten des Stoffes, die der Originalfund nicht hat, ein paar Säume hinzufügen, die das Original natürlich nicht hat, weil das Stück direkt für den Rock gewebt wurde.

Wie bei der Tunika und den Schleiertüchern aus Leinen habe ich hierfür einen feinen Überwendlichstich benutzt.

Eisenzeitliche Kombi

Durchzugsband aus Leder

Ärmeldetail Tunika

Nahtdetail Huldremoserock.

Ein handgenähter Rock nach dem Huldremose-Fund kostet 80,- Euro, eine handgenähte Tunika nach diesem frühen Schnitt 90,-. Handgenähte Schliertücher kosten 15,-/100cm. Die Preise sind alle Arbeitspreise, die Kosten für den Stoff kommen noch dazu.

 

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27
Apr

Familieneinkleidung

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 

Vor kurzer Zeit hatte ich das Vergnügen, eine ganze Familie im Stil der 1250er einzukleiden.

Der Vater hatte vor einer Weile mit dem MA-Hobby angefangen und beschlossen, dass er seine Familie um so eher zur Teilnahme überzeugt bekommt, wenn sie, genau wie er, passend gekleidet sind.

Der Vater hatte bei mir ein paar Beinlinge in Auftrag gegeben, eine modisch geschnittene Cotta und einen Gardecorps.

Beinlinge

Beinlinge im hochgotischen Stil. Die Beinlinge werden schräg zum Fadenlauf körpereng zugeschnitten, sie haben angesetzte Füßlinge und vorne an der Spitze zwei Nestellöcher, mit denen sie an der Bruche oder dem Bruchengürtel mittels eines Bändchens befestigt werden können.

Herren-Cotta

Herren-Cotta im hochgotischen Stil. Die Ärmel werden an der Schulter mittels Keilen zu einer Art Kugel erweitert, an den Unterarmen liegen sie körperang an und werden mit kleinen Zinnknöpfen geschlossen.
Der Saum endet auf Höhe der Waden und Keile erweitern den Rock auf eine angenehme Gehweite.
Die Cotta ist außen aus Wolle und innen vollständig mit Leinen gefüttert, das macht sie sehr angenehm zu tragen.

Gardecorps

Der Gardecorps ist ein weiter Mantel mit langen, überweiten Scheinärmeln, die an der Schulter in ganz viele kleine Quetschfältchen gelegt werden. Die Quetschfältchen werden mit Handstichen fixiert, die Ärmel gehen bis zu den Fingerspitzen und haben auf Höhe der Ellenbogen eine Öffnung, durch die die Arme gesteckt werden können.
Die Saumlänge entspricht der der Cotta, vorne ist der Gardecorps zusätzlich geschlitzt.

 

Im Gegensatz zu einer Gugel ist diese Kragenkapuze körpereng geschnitten, sie schmiegt sich genau um die Schultern. Am Saum ist sie noch zusätzlich in Paspelfalten gelegt, die nicht nur vom modischen Geschmack des Trägers zeugen, sondern auch noch davon, dass er es sich leisten kann, teuren Stoff auf diese Falten zu verschwenden.
Auch Gardecorps und Kapuze sind mit Leinen abgefüttert, hier ist der Außenstoff ebenfalls aus Wolle, allerdings von einer schwereren Qualität.

Für seine Frau hat er (zusammen mit ihr, versteht sich) eine Cotta ausgesucht, einen weiten Surcot mit Schleppe und Höllenfenstern, einen Vollkreis-Radmantel, einen Schleier mit verziertem  Stoffschapel und Gebende so wie eine passende Damengugel.

Damen-Cotta

Die Damen-Cotta ist ähnlich geschnitten wie die Herren-Variante, auch hier wird der Oberarm mittels Keilen zu einer Kugel erweitert. Die Unterarme liegen auch hier eng an, allerdings nicht so eng, dass sie mit Knöpfen geschlossen werden müssen. Ein Schlitz am Handgelenk erlaubt es, den Ärmel zurückzuklappen, wenn man die Handgelenke frei haben möchte.
Die Keile am Rock sind weiter als bei der Herren-Variante, und hier erweitern zwei Mittelkeile auf der Vorder- und Rückseite den Rocksaum noch mehr.
Das Gewand ist bodenlang, aus einem Wollstoff und vollständig mit Leinen gefüttert.


Damen-Surcot mit Höllenfenstern

Der Damen-Surcot hat auf den Seiten sogenannte ‘Höllenfenster’, die den Blick auf das darunterliegende Gewand bis zur Hüfte freigeben. Sie snd mit echtem Pelz besetzt. Der Rock ist extra weit geschnitten, mit Keilen in der Mitte und an den Seiten, zusätzlich hat das bodenlange Gewand hinten eine kleine Schleppe. Auch dieses Gewand ist aus einem leichten Wollstoff, gefüttert mit dünnem Leinen.

Vollkreis-Radmantel

Der Radmantel bildet mit 18 Dreiecken einen vollen Kreis. Er ist außen aus einem dunkelblauen, festeren Wollstoff und innen aus einem mittelfesten, blau eingefärbten Leinen. Der Mantel ist bodenlang, vorne ein Stückchen kürzer, damit man nicht beim Laufen darüber stolpert. Er wird mittels eines Tasselbandes gehalten, das mit zwei Tasseln am Mantel befestigt wird.

Gebende mit Stoffschapel

Das Gebende ist grundsätzlich nichts anderes als ein Stoffstreifen aus an allen Seiten versäuberten, sehr leichtem Leinen, welcher mittels Schleiernadeln auf die passende Kopfform gebracht wird.
Das dazugehörige Stoffschapel ist hier als Pillbox (mit Hutdeckel) geschnitten, man muss es stärken und aufbügeln, damit es unter der Last des Schleiers nicht einknickt.

Schleier

Der eckige Schleier ist aus einem sehr leichten Leinen geschnitten, er reicht hinten bis in den Nacken und an den Seiten bis über die Schultern. Er ist zusätzlich mit einem bunten Band als Farbtupfer verziert.

Damengugel

Die Damengugel ist einer Abbildung aus dem Liber Manesse nachempfunden. Sie ist außen aus fester Wolle, innen aus Leinen und vorne ganz offen, so, dass sie auf- und abgestzt werden kann, ohne, dass der Schleier verrutscht.
Ein Bindebändchen aus fingerschlaufengeflochtener Wolle mit Nestelspitzen erlaubt es, die Gugel gegen Herunterfallen zu sichern und die Schlitze an den Schultern erlauben es, dass sie sich besser der Körperform der Trägerin anpasst.


Die jungen Damen des Hauses bekamen Leinenkleider im Cotta-Schnitt und Rechteckmäntel gegen zugige Abende.

Kleid für junge Dame

Das Kleid für die ältere und größere der Damen des Hauses ist als Cotta geschnitten, genau wie das der Mutter, nur ist es, statt aus Wolle und Leinen, ganz aus einem festen, aber fließenden Leinenstoff geschnitten, welcher noch in der Lieblingsfarbe der Trägerin eingefärbt wurde. Kontrastierende Bänder setzen angenehme Akzente und das am Saum umlaufende Band erlaubt es, mit wenigen Handstichen das Kleid ein gutes Stück zu kürzen, in dem man den Saum von innen hinter dem Band befestigt. So ist das Kleid auch für weniger mittelalterliche Anlässe tragbar.

Rechteckmantel

Der Rechteckmantel ist in etwa so lang wie der Kleidersaum. Er ist aus fester Wolle geschnitten und mit festem Leinen gefüttert. Bis zu den Ellenbogen hüllt er seine Trägerin komplett ein und schützt sie gegn Zugluft und Regen. Außerdem ist er weit genug, dass man sich am Lagerfeuer darin einwickeln, oder, ihn bei gutem Wetter als Picknickdecke benutzen kann.

 

Das Kleid für die jüngere der beiden jungen Damen wurde so genäht, das am Saum noch gute 10 cm nach innen eingeschlagen und mit wenigen Stichen befestigt wurden. Wenn sie wächst, kann das Kleid ausgelassen und so noch länger getragen werden. Weiterhin ist es genauso geschnitten wie die anderen Damen-Cottas, mit Schulterkugel durch Keile, Rockkeile vorn und an den Seiten, Ärmelschlitze am Handgelenk. Es wurde in der Lieblingsfarbe der Trägerin eingefärbt und erhielt auch ein par verzierende Borten an Hals und Handgelenken.

Rechteckmantel

Der Mantel für die jüngere der beiden Damen hat die gleiche Grundfläche wie der der älteren Schwester, allerdings wurde hier  der Mantel an den Schultern so zusammengenäht, dass ein ca. 10 cm langer Kragen überhängt. So schleift ihr Mantel jetzt nicht im Dreck, und wenn sie älter wird, kann die Naht weiter nach oben versetzt werden, so, dass der Mantel im Rücken weiter herabhängt.

Der junge Herr bekam einen  Leinenkittel und eine Gugel.

Leinenkittel für Kleinkind

Der Leinenkittel des jungen Herrn wurde ganz geometrisch zugeschnitten, die etwas überlangen Ärmel wurden gerade und ohne Kugel angesetzt, und es wurde darauf geachtet, dass der Kttel in der Brust noch reichlich Platz hat so wie durch Auslassen der Nahtzugaben noch zusätzlich erweiterbar ist. Auch hier wurde am Saum der überreiche Stoff nicht abgeschnitten, sondern nach innen eingeschlagen, damit er ausgelassen werden kann, wenn sein Träger größer wird.

Kindergugel

Die Gugel des jungen Herrn ist ganz im klassischen Gugelschnitt gearbeitet, nur eben weiter. Der Kragen ist sehr lang bemessen, so, dass er auch noch schützt, wenn das Kind wächst. Durch ein vorsichtiges Auslassen der vorderen Naht kann die Kopföffnung vergrößert werden, wenn das nötig wird.

Bei allen Kindersachen habe ich reichlich Nahtzugaben gelassen und besonders die Säume können noch mehr als 10 cm ausgelassen werden,wenn die Kinder wachsen. Außerdem sind die Mädchenkleider so einfach und wenig ‘auffällig mittelalterlich’ geschnitten, wie möglch, dass sie auch als Sommerkleider getragen werden können.

Die Familie hat an diesem wunderschönen Osterwochenende ihre Sachen zum ersten Mal getragen und mir ein wunderschönes Familienfoto geschickt:

Familienfoto

 

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7
Oct

Peplos und Tunika (La Tene)

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 

Dies ist mit ziemlicher Sicherheit das früheste Kleisungsstück, was ich je hergestellt habe: Ein frühgermanischer Peplos mit darunter zu tagender Tunika und Schleier, angelehnt an Funde aus der La Tene-Kultur.

Alle Teile wurden aus einem mittelschweren, ungebleichten Leinen mit der Maschine genäht.

Allerdings waren meine Kundin und ich uns nicht ganz einig, was die ‘authentische’ Anfertigungsweise angeht: Während es wohl keinen Zweifel daran geben kann, dass die Webbreite damals irgendwo zwischen 40 und 70cm gelegen haben muss (und nicht, wie industriell gewebter Stoff, 140cm), war die Kundin sich absolut sicher, dass zu der Zeit keine Geren verwendet wurden, um Kleidungsstücke weiter zu machen.

Leider reicht mein Bücherregal nicht so weit zurück und auch eine längere Internetrecherche ergab nichts erhellendes zu dieser Frage. Sollte einer meiner Leser mehr zu dem Thema wissen, würde ich mich über einen Kommentar diesbezüglich sehr freuen.

Da meine Kundin zwar sehr schmal ist, aber dennoch sich in einer 140cm weiten Tunika eingeengt gefühlt hätte, haben wir das Stück nach der Bauweise von Markt-Mittelalter-Klamotten gemacht: vorn zwei Teile aus 140cm breitem Stoff ausgeschnitten, aufeinander genäht, und fertig. Auch der Peplos ist nach dieser Billig-Bauweise gemacht, etwas, das ich eigentlich gar nicht mag :-(

Da die Kundin kurze Haare trägt, konnte sie an diesen den Schleier nicht befestigen. Mein Vorschlag, nach mittelalterlicher Weise den Schleier mit Nadeln an einem Kopfband zu befestigen, wurde abgelehnt und stattdessen ein Kopfband direkt angenäht, wie bei einer Schürze.

So gehört dieses Kleidungs-Ensemble wohl eher in die LARP als die Mittelalter-Ecke, aber es bietet für wenig Aufwand (und Geld) einen netten, historischen Look, zumindestens, wenn man es mit der Authentizität nicht zu ernst nimmt.

Für LARPer im High-Fantasy oder griechisch-römischen Bereich ist so eine Klamotte auf jeden Fall empfehlenswert, da einfach zu tragen, preiswert und unaufwendig!

 

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