Posts Tagged ‘Triple-A’

9
Mar

Schwertscheide in progress

   Posted by: jea    in Uncategorized

 

Dieses Fechtschwert soll eine neue Scheide bekommen. Die Klinge ist leicht abgestumpft, die Griffwicklung besteht aus einer (Sisal?-)kordel, sie soll durch eine Lederwicklung ersetzt werden. Das Bild zeigt das Wappen des Trägers, das (ohne die Helmzier) sich auf der Scheide wiederfinden soll.

Dieses Schwert braucht eine neue Scheide

Die Scheide wird mit Ziegenfell ausgeschlagen, dazu wird ein passend zugeschnittenes Stück Fell (Fellstrich zeigt nach innen) passend auf die Klinge genäht.

Ziegenfell für das Futter

Links sieht man die Klinge in dem Fellfutter stecken, das Futter passt so ganz genau und es können keine Falten entstehen. Die Klinge lässt sich mit wenig Kraft ziehen, rutscht aber wegen des Fellstriches nicht einfach so hinaus.
Rechts daneben sieht man die passend rund geformten Scheidenhälften, im Hintergrund einen Leinenstreifen, der die Scheidenhälften zusammenhalten soll.

links das Futter, rechts die beiden Kernhälften

Das Futter wird mit Knochenleim in die Kernhälften eingeklebt, und der Kern, der dadurch wieder etwas Feuchtigkeit zieht, mit einem gespannten Faden passend zusammengehalten. So passt sich die Rundung des Kerns exakt der der Klinge an.

fertig geklebter Kern, muss trocknen

Danach wird der Kern mit dem in Knochenleim getränkten Leinenstreifen fest umwickelt. Die verschiedenen Schichten zusammen ergeben eine elastische Stabilität.

Mit Leinen umwickelter Scheidenkern

Für die besonderen Details, die die Scheide bekommen soll, wird sie zunächst mit einem dünnen Ziegenleder bezogen. Dabei zeigt die Narbe nach innen.
Hierauf werden schmale Streifen aus einem dicken und weichem Ziegenleder aufgeklebt, auch hier mit Knochenleim.

Ziegenlederbezug mit Lederstreifen

Bis auf den Scheidenmund wird der Überstand des Bezugs nicht angeschnitten, sonden zurückgeklappt, das sorgt dafür, dass weniger ‘Wulst’ auf der Naht aufträgt. Aus dem gleichen Grund werden die schmalen Lederstreifen an den Enden angeschrägt.

Rückseite Ziegenlederbezug

Der eigentliche Außenbezug wurde nach einigen Versuchen aus einem Rinderhals-Blankleder angefertigt. Normalerweise nicht das Leder der Wahl für einen Bezug, weil recht steif, aber die gute Formbarkeit und Punzierbarkeit gab den Ausschlag.

Außenbezug aus Blankleder Rinderhals

Hier sieht man, warum Blankleder nur bedingt für einen Bezug geeignet ist: Die Steifigkeit des Leders macht es schwierig, den Ort der Scheide genau nachzuformen. Beim Trocknen wird sich das Leder aber noch etwas glätten, und mit etwas Glück verschwinden alle Unansehnlichkeiten unter dem Ortband.

Ort mit Blankleder bezogen

Hier sieht man den fertigen Scheidenmund: Jetzt sieht man auch, warum das Ziegenleder mit der Narbe zur Scheide zeigen muss. So ist am ‘Flap’ am Scheidenmund auf beiden Seiten die wasser- und schmutzabweisende Narbenseite des Leders außen.

Scheidenmund mit Ziege innen, Rinderhals-Blankleder außen

Solange das Leder noch feucht ist, müssen die Feinheiten ausgearbeitet werden. Beim Trocknen zieht sich das Leder etwas zusammen und die Lederstreifen zwischen den beiden Bezügen treten als Erhebungen zutage. Das Leder muss aber noch geglättet werden und die Kanten der Erhebungen möglichst scharf hervorgehoben.

Ausstreichen des Leders. Hervorheben der Erhebungen

Solange das Leder noch feucht ist, müssen auch die Punzierungen eingebracht werden: Hier ist es eine lange schnale Punzierung auf der Vorderseite des Hauptkörpers der Scheide.

Eindrücken der Punzierungen

Das Wappen des Trägers soll sich am Scheidenmund wiederfinden:

Wappen des Trägers, Motiv für Scheidenmund

Zuerst wird das Motiv übertragen: Ich ritze es mit einer stumpfen Ahle vorsichtig durch ein Trägerpapier durch.

Motiv auf Scheidenmund übertragen

Dann werden die Linien mit einem Skalpell sehr, sehr flach eingeschnitten, gerade so, dass die Narbe ein wenig aufklappt, und dann mit einem Stäbchen eingedrückt.

Motiv eingeschnitten und -gedrückt

Weil das eingedrückte Motiv aus weiterer Entfernung sich leider verliert, arbeite ich es mit Hell-Dunkel-Effekte heraus. Dafür nehme ich eine Eisensulfatlösung.

Eisensulfatlösung

Mit der wässrigen Lösung bestreiche ich das Motiv und lasse es in die eingedrückten Rillen laufen, hierbei muss ich sehr sehr vorsichtig arbeiten, weil die Farbe, wenn sie sich einmal entwickelt hat, nicht mehr zu entfernen ist. Auch die Kapillarwirklung das Leder darf nicht unterschätzt werden. Wenn genug Flüssigkeit da ist, ‘zieht’ das Leder daran, und es färben sich Flächen um, die das gar nicht sollen. Deshalb arbeite ich mit einem schmalen Pinsel und trage die Flüssigkeit nur sehr dünn auf. Nacharbeiten geht immer, Wegnehmen nie.

Ausarbeitung des Motivs mit Eisensulfat

Hier sieht man das fertig ausgearbeitete Motiv, mit den sich entwickelnden Farben. Die Farbe trägt sehr viel zur Flächigkeit des Motivs bei, so löst es sich auch bei weiterem Abstand nicht in zusammenhangslose Linien auf.

Das Eisensulfat entwickelt sich und färbt das Leder schwarz

Das Leder für die Aufhängung soll dunkelbraun sein, deshalb färbe ich es mehrere Tage in einem Walnuss-Sud. So sieht das Leder aus, wenn die Farbe sich entwickelt hat, vorher war es hell.

mit Walnuss gefärbte Lederstreifen

Alle Lederstreifen werden geglättet, die Kanten werden entgratet und in kurzem Abstand zum Rand Linien eingedrückt.

Lederstreifen wird entgratet und mit Punzierungen verziert

Das Besondere an dieser Aufhängung ist, dass das Leder nur geknotet und geschlungen wird, nirgends wird genäht oder genietet.

Die Schwertaufhängung wird nur mit sich selbst verknotet

Auch die Schnallen werden so befestigt: Das Leder wird durch sich selbst zurückgeführt und hält durch seine eigene Reibung.

Für Verbindungen wird das Leder durch sich selbst zurückgeführt

Schließlich wird noch die Griffwicklung aus dem gleichen Leder ersetzt, so, dass farblich alles zusammenpasst. Für mehr Plastizität wird auch hier der Lederstreifen zuerst entgratet.

Griffwicklung passend zum Schwertgehänge

Griffwicklung

Und so sieht die fertige Scheide dann aus: Alle Beschläge und Schnallen sind von Christian Frey von der Fibelschmiede .

Die fertige Scheide mit allen Beschlägen und auspoliert

 

Tags: , , , , , ,

 

Ein wirklich sehr schönes Schwert habe ich da mal wieder bekommen:

schickes Schwert

Die Schönheit möchte eine passende Scheide bekommen, in Triple-A-Ausführung und mit einer spätgotischen 2-Punkt-Aufhängung.

Die Scheide soll mit Ziegenfell ausgeschlagen sein, der Bezug aus schwarz gefärbtem Ziegenleder und natürlich der Gürtel passend dazu aus dem gleichen Leder.

Um Ziegenfell zu vernähen, braucht man Leinengarn, Bienenwachs (um das Garn zu wachsen), Schere und eine Kürschnernadel

Werkzeuge zum Fell vernähen

Eine Kürschnernadel ist vorne dreieckig scharf angeschliffen, sie endet in einer scharfen Spitze, die in drei Klingen ausläuft, mit denen kann mühelos in die zähe Haut schneiden

Kürschnernadel

Damit das Fellfutter die Klinge auch eng umschließt, wird es direkt auf die Klinge genäht.

Fellfutter

Die Gurtbeschläge hat der Kunde schon mitgeschickt, die beiden kleineren Beschläge sollen in den Scheidenmundbeschlag einhaken, den der Schmied passend für die Scheide anfertigen soll.

Gürtelbeschläge

Da die Beschläge sehr schmal sind und das fein genarbte Ziegenleder dünn ist, nähe ich richtige Gewandgürtel: Passend breite Lederriemen werden nass zu einem langen Schlauch genäht, der wird dann flach geklopft, so, dass die Naht rückseitig in etwa in der Mitte liegt. Dann werden die Enden gaaanz flach geklopft und in die Beschläge gesteckt und vernietet.

Gewandgürtel

Der Scheidenmund soll oben keine offene Lederkante haben; da Versuche zeigten, dass das Leder zum Verstürzen noch zu dick ist, habe ich die beiden Schichten glatt zusammengenäht, mit einem guten Centimeter Überstand. Der Überstand der Innenseite wird ganz eng an der Naht abgeschnitten, das außen überstehende Leder umgelegt und mit Überwendlichstichen festgenäht. Um das Leder dabei nicht über Gebühr zu strapazieren, werden dabei die Löcher der ersten Naht mitverwendet.

Scheidenmund

Scheidenmund von Innen

So sieht die getrocknete Scheide aus

getrocknete Scheide

und so, wenn sie poliert ist:

polierte Scheide

Für die spätmittelalterliche Aufhängung braucht es ein passendes Ortband, das auf beiden Seiten Ösen hat, in die die Gürtelbeschläge eingehangen werden.

Entwurf Aufhängung

Dies ist der Entwurf des Schmiedes für die Scheidenbeschläge:

Beschlags-Entwuerfe

Jetzt geht das Schwert mit seiner neuen Scheide zum Schmied, der die passenden Mund- und Ortbänder anfertigt.

 

Tags: ,

18
Feb

Triple-A-Schwertscheide

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 

Gerade habe ich eine Triple-A-Scheide für ein sehr außergewöhnliches Schwert angefertigt.  Das Besondere an diesem Schwert ist:  Es ist ein ‘Echtes’.

Es ist wesentlich dünner als Schaukampfschwerter und die Klingen sind scharf geschliffen.  Es wiegt auch – geschätzt – nur ein Drittel von dem, was ein Schaukampfschwert dieser Länge wiegen würde. Es war wirklich sehr interessant für mich, mal ein solches Schwert in der Hand zu halten: Es ist erstaunlich gut ausgewogen, obwohl Griff und Pommel nicht besonders schwer sind und sogar ich zarter Hänfling könnte es gut und sicher führen.

Die schmale Klinge war dann leider auch der Grund, warum mal wieder alles ein wenig länger gedauert hat und ich einen guten Teil der Arbeit doppelt machen durfte :-( .

Triple-A-Scheiden bestehen ja, im Gegensatz zu meinen einfachen Kastenscheiden, aus zwei gerundeten Sperrholzblättern (Laubholz), die passend für die Klinge gebogen werden.

Das Holz wird dafür zugeschnitten und eine Weile lang gewässert, danach in die gewünschte Linsen-Form gebracht und so trocknen gelassen. Für das In-Form-Bringen verwende ich normalerweise einen Holz-Dummy, der in etwa so breit wie die Klinge ist. Aber diese Klinge ist extrem flach, viel flacher als ich es gewohnt bin. Beim Einklammern fand ich noch den Querschnitt angenehm linsenförmig, wenn auch ein wenig flach, aber nach dem Trocknen biegt sich das Holz noch etwas zurück, und dabei blieb leider kaum noch Rundung übrig.

Also zurück zum Reißbrett: Für den zweiten Versuch habe ich einen Dummy genommen, der mehr als doppelt so dick ist wie die Klinge und diesesmal hat es dann auch wirklich funktioniert und ich habe einen angenehmen Linsenquerschnitt erhalten, der vielleicht noch ein wenig weit ist, aber das sollte sich bessern, wenn erst mal das Leinenfutter drinnen ist. (Was man hier nicht sieht, ist das tagelange Wässern und Trocknen der Scheidenrohlinge. Wirklich sehr unangenehm, der ganze Zeitverlust, aber some things can’t be rushed…)

Als ich dann mit dem Rohling so weit zufrieden war, kam das Futter an die Reihe. Um es nicht gleich an den Klingen aufzureißen, habe ich das Schwert sorgsam gepolstert und dann in Leinen eingenäht.

Das Futter wird dann mit Knochenleim in den Scheidenrohling eingeklebt und in Form trocknen gelassen. Das hilft auch, den gewünschten Querschnitt zu sichern. Wichtig ist, dass die halbfertige Scheide immer genug Zeit zum Trocknen bekommt; was man auf gar keinen Fall haben will, ist Feuchtigkeit in der Scheide, die womöglich, weil sie nirgends raus kann, auch noch Schimmel einfängt!

Schließlich bekommt die Scheide noch eine stützende Schicht aus Leinen von außen. Das Leinen wird in Streifen geschnitten und mit Knochenleim aufgeklebt. Knochenleim ist so etwas wie sehr dicke Gelatine, er klebt sehr gut, bleibt aber auch in festem Zustand noch flexibel. Instrumentenbauer benutzen fast ausschließlich Knochenleim (oder andere, ähnliche Leime wie Hasenleim, Fischblasenleim…).

Das macht aus der Scheide so etwas wie einen mittelalterlichen Verbundstoff: Am Ende ist die Scheide sehr formstabil und gleichzeitig flexibel. Hiermit ist der bedeutende Teil der Scheide eigentlich schon fertig, was jetzt folgt, sind ‘nur’ Verzierungsarbeiten :-)
Aber auch hier gilt wieder: Ordentlich Trocknen lassen!

Jetzt bekommt die Scheide nämlich noch ein schickes Mäntelchen aus Leder. Ich verwende hier vegetabil gegerbten Rinderhals, der ist wunderbar weich und gleichzeitig sehr stark.

Ich kaufe mein Leder übrigens bei Klaus Flach in Kiel. Die Preise dort sind nicht gerade billig im Vergleich, aber hier haben sie wirklich eine gute Auswahl vegetabil gegerbter Leder und ich kann mich auf eine gleichbleibende Qualität verlassen. Auch ist es nicht selbstverständlich, dass ich Sonderwünsche wie z.B. eine sehr lange Haut oder eine möglichst kleine Haut einfach erfüllt bekomme. Der Internetauftritt ist ein ziemliches Durcheinander, ohne Skripte funktioniert die Seite gar nicht. Aber, wenn man anruft, wird man gut beraten und die Lieferung geht umgehend auf den Weg.

Das Leder wird eingeweicht und dann in nassem Zustand um die Scheide genäht. Das ist wichtig, weil das nasse Leder noch mal flexibler ist als das Trockene, so kann ich das Leder fest um die Scheide ziehen und beim Trocknen zieht es sich noch ein wenig zusammen und liegt dann knalleng an.

Oben am Scheidenmund werden noch ein paar Feinheiten angebracht: Ich lege dicke Lederstreifen unterhalb des Bezugsleders auf die Scheide , die werden später sichtbare Wölbungen ergeben und die durchgezogene Wicklung sehr schön umrahmen.

Die Klinge hat an der Parierstange eine kleine Verzierung, die Parierstange ist hier V-förmig ein wenig zur Klinge hin ausgezogen.

Dieser Einschnitt ist sehr flach, vielleicht einen Zentimeter breit, mit einem passend geformten Scheidenkern ist hier wenig zu wollen, weil das dicke Leder diesen Einschnitt fast unsichtbar machen würde. Also habe ich mich entschieden, das Bezugsleder ein wenig weiter herauszuziehen als normal (ein bis zwei Zentimeter) und schon in feuchtem Zustand an der passenden Stelle ein wenig einzudrücken. Das Leder bildet also einen dicken Rand über dem Mund der Scheide und es sollte jetzt weich genug sein, um sich der Form der Parierstange anzupassen, wenn das Schwert darin getragen wird.

Wenn die Scheide fertig bezogen ist, muss sie unbedingt gut geglättet werden, sonst bekommt das leder beim Trocknen viele kleine Runzeln und das sieht gar nicht gut aus.  Zum Glätten verwendet man ein Stück Holz oder Knochen, es gibt sogar aus dem Buchbinderbereich ein spezielles Werkzeug aus Knochen, ein sogenanntes Falzbein.

Fehlt noch die Wicklung, aber vorher heißt’s mal wieder : Trocknen lassen, denn gerade das Leder kann viel Feuchtigkeit speichern, auch, wenn es sich gar nicht mehr nass anfühlt.

Für die Wicklung will ich alaunggerbtes Schweineleder verwenden, das macht die schönen reinweißen Ritter-Schwertgurte. Zusammen mit dem rötlichen Rinderhals (der auch noch geölt und so nachgedunkelt werden soll), sollte das einen sehr hübschen Kontrast ergeben.

Bevor gewickelt wird,muss noch das Leder geölt  und poliert werden, einfach ganz langsam, nach und nach in kleinen, kreisenden Bewegungen zuerst das Öl einreiben, und danach mit Lederfett und Wasser so lange polieren, bis das Leder richtig glänzt und Wassertropfen abperlen.

So sieht die fertige Schwertscheide mit Wicklung aus:

Netterweise hatten wir heute nachmittag so etwas wie Sonne, so, dass ich ein paar anständige Fotos bei Tageslicht machen konnte, die Farben kommen dabei einfach unendlich viel schöner heraus als bei dem leidigen Kunstlicht. Hier haben wir ein Close-Up von der Wicklung, man kann gut sehen, wie die Wicklung von den Erhebungen im Leder eingerahmt wird.

Und zum Abschluss gibt’s noch ein Foto in Manesse-Art, mit umgewickelten Gürtel, sehr schön hier der Kontrast zwischen dem dunklen Leder und dem reinweißen Gurt.

Buy Windows 7 Ultimate
Order Windows 7 Ultimate
Buy Windows 7 Ultimate
Buy Windows 7 Ultimate
Discount Adobe Creative Suite 6 Master Collection
Buy Adobe Creative Suite 6 Master Collection
Sale Adobe Creative Suite 6 Master Collection
Sale Microsoft Office 2010 Professional Plus
Microsoft Office 2010 Professional Plus
Sale Microsoft Office 2010 Professional Plus

 

Tags: , , , ,