Posts Tagged ‘Tudor’

29
Feb

Tudor-Stays

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 

Dieser Post zeigt, wie ich meine Tudor-Stays, Korsetts des 16. Jahrhunderts gemacht habe.

Das Schnittmuster habe ich aus dem, von mir hier schon beschriebenen und hoch gepriesenem Buch ‘The Tudor Tailor’. Jedem Menschen, der gerne Tudor-Kostüme machen möchte, kann ich dieses Buch nur wärmstens ans Herz legen!

Ich habe das Schnittmuster aus dem Buch zunächst hochskaliert und dann, weil meine Figur nicht wirklich einem Bademodenkatalog entspricht, im Bauchbereich einige Adjustierungen gemacht.

Das Muster habe ich aus verschiedenen Stoffen ausgeschnitten: Zunächst aus einem mittelschweren Jeans-Stoff

Schnittmusterteile auf Jeans

aufgetragenes und beschriftetes Muster

zugeschnittene Teile aus Jeans Vorderteil

Zugeschnittene Jeansteile Rückenteil

Dann habe ich die Teile noch mal ausgeschnitten, aus einem weißen Seidenstoff, der die Außenseite bilden soll.

Schnittmuster auf Seide

Und schließlich aus einem mittelschweren ungebleichten Leinen für die Innenseite.

Schnittmuster auf Leinen

Hier habe ich alle Teile aufeinandergelegt und so aneinandergelegt, wie sie zusammengenäht werden müssen.

Alle Teile passend angeordnet

Als nächstes habe ich circa 1cm breite Kanäle in die Hauptteile (Vorderteile und Rückenteil genäht, und dabei darauf geachtet, dass die Nähte einen Zentimeter vor dem Rand enden.

Vorderteil mit Boning-Kanälen

Danach habe ich die drei Hauptteile zusammengenäht und dann die Boning-Stäbe (ich habe Peddigrohr genommen) in die Kanäle eingeführt. Schließlich habe ich sehr eng über das oberen Ende der Stäbe eine Abschlussnaht gesetzt.

Hauptteil mit Boning

Die Flaps werden alle mit einem Seidenstreifen umrandet.  Auf der Vorderseite werden die Streifen mit der Nähmaschine aufgenäht,

Flap mit Umrandung von vorne

und auf der Rückseite mit Handstichen angeheftet, die nur durch den Leinenstoff gestochen werden und amit auf der Vorderseite nicht sichtbar sind.

Flap mit Umrandung, mit Handstichen angeheftet

Alle Flaps angeordnet

Schließlich wird um den Hauptteil auf die gleiche Weise ein Stoffstreifen genäht und schließlich die Nestellöcher gestochen.

Umrandung

So sehen dann die fertigen stays aus, wenn die über einem passenden Unterhemdgetragen werden:

Stays von vorne

Ich bin ausgesprochen beeindruckt davon, wie diese stays meine Figur formen, so, dass sie tatsächlich wie auf den Bldern aussieht, und das, obwohl ich sie nur selbst geschnürt habe und durchaus noch Platz ist, um sie noch enger zu machen.

Das Beeindruckendste ist aber, wie mein durchschnittlicher C-Busen hochgepumpt wird , so, dass man fast ein Glas darauf abstellen kann ;-)

Stays leicht seitlich

Selbstverständlich kann ich solche stays auch für Kundinnen anfertigen. Dazu ist es natürlich unabdingbar, dass die Kundinnen zur Anprobe vorbei kommen.

Solche stays wie die abgebildeten kosten ab 300,- Euro, die Kosten für die zu verarbeitenden Stoffe kommen noch dazu.

 

Tags: , , ,

12
May

Horasia-LARP: Tudor Klamotte

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 

Nachdem wir im letzten Jahr ein paar Tage vor dem Horasia-Con krank geworden sind, so, dass unsere ganzen Mühen vergebens waren, haben wir es dieses Jahr dann endlich geschafft, den Con zu besuchen und stolz unsere neuentdeckte Kostüm-Periode zur Schau zu tragen.

Der Con war wunderschön, vor der herrlichen Kulisse des Jagdschlösschens Bückeburg in wunderbarsten frühsommerlichem Sonnenschein. Die Kleidung der Teilnehmer war eine Augenweide und der Plot, den die Spielleitung sich ausgedacht hatte, passte zu dem zauberhaften Wetter und der Kulisse wie ein Handschuh.

Schloss Baum ist eine herrliche Kulisse für frühneuzeitliche Veranstaltungen, wer interessiert ist, kann sich ja mal die Panoramabilder anschauen, die Sven gemacht hat.

Ich zeige hier erst mal nur ein paar Eindrücke unserer Klamotte, ob und wie genau ich die Einzelstücke beschreiben werde, weiß ich noch nicht ganz, da die Entwürfe nicht von mir selbst, sondern aus dem – sehr empfehlenswerten – Buch The Tudor Tailor stammen.
Ein Besuch der Website empfiehlt sich übrigend nachdrücklich für alle Interessierten, da die Macher inzwischen auch die passenden Stoffe dort anbieten!

Die Kleider sind aus einem Baumwollsatin, das Unterkleid (altrosa) hat einen rundum verstärkten Schnürleib und an den Schultern Träger, an welchen die geschlitzten und kontrastierend gefütterten Ärmel befestigt werden können. Darunter wird ein Unterhemd mit einem weiten Ausschnitt getragen, mit langen Ärmeln und Rüschen an den Handgelenken. Die Haube ist aus Steifleinen und Hutmacherdraht aufgebaut, dann innen mit einem weißen Leinenstoff, außen mit einem schwarzen Baumwollsamt bezogen. Die Perlen sind Wachsperlen. Unter den Röcken wird eine spanische Farthingale geragen, ein Unterrock mit verstärkten Reifen auf mehreren Höhen, der das Gewicht der Röcke tragen und zu der gewünschten Kegelform beitragen soll. Beim Oberkleid (lila) ist nur der Vorderteil verstärkt, er wird mit Haken und Ösen seitlich geschlossen. Der Vorderteil des Rockes ist weggelassen, um den Blick auf den Unterrock freizugeben.
Die Bemalung mit Blütenornamenten ist dem LARP geschuldet, die Gewänder sollten optisch etwas aufgewertet werden (historisch korrekt, hätten sie bestickt werden müssen, aber einen solchen Zeitaufwand konnte ich mir bei Weitem nicht leisten).

Sven trägt eine Kniebundhose aus einem dunkelroten Wollstoff, die Hose wird vorne geschnürt, unter den Knien mit Knöpfen geschlossen und mit Bändern am Jerkin befestigt. Das Jerkin besteht aus mehreren, durch Steppung verstärkten Stofflagen, die Außenstoffe sind Synthetik-Abendgarderobenstoffe. Unter den Flügeln hat das Jerkin Nestellöcher, an denen verschiedene Ärmel befestigt werden können. Aufgrund der Zeitknappheit haben wir hier Metallösen genommen; wenn mal etwas Zeit übrig ist, werden wir diese austauschen gegen die korrekten gestickten Nestellöcher. Unter dem Jerkin trägt Sven ein Unterhemd aus einem weißen Baumwollstoff (Leinen wäre besser, auch gegen Schwitzen), das an Hals und Ärmeln mit Rüschen verziert ist.
Der Hut ist konstruiert aus Steifleinen und Hutmacherdraht und dann mit einem schwarzen Baumwollsamt außen und weißem Leinen innen bezogen. Das Hutband verdeckt die Falten, dort, wo der Bezug des Domes an die Krempe stößt.

Das Abendkleid besteht ebenfalls wieder aus einem verstärkten Unterkleid, hier ist zusätzlich zu den Korsettverstärkungen noch eine Schnur an der Oberkante eingezogen, die dafür sorgt, dass das Kleid sich genau an die Brust anschmiegt. Auch dieses Unterkleid hat keine Ärmel, nur Träger, an denen Ärmel befestigt werden können.
Das Oberkleid aus einem Kunstfaser-Brokat hat vorne an der Schnürung zwei Korsettstäbe eingezogen, diese sollen den Zug der Schnürung verteilen. Die Ärmel sind nur bis zum Bizeps aus dem Oberstoff, danach gehen sie über in weite Überärmel, die innen gefüttert sind mit dem Stoff den Unterkleides, außen sind sie aus einem lila Baumwollsamt, der sich auch in der Haube wiederfindet. Die Schnürung des Oberkleides sollte eigentlich nicht sichtbar sein, hierüber wird normalerweise ein sogenanntes Placard getragen, eine Art Latz in der Form des Vorderteils, welcher mit Haken und Ösen befestigt wird. Leider wurde der aber nicht mehr rechtzeitig fertig. Da die Röcke dieses Kleides gefüttert wurden, ist die Kegelform des Rockteiles hier viel ausladender und perfekter; die Farthingale ist die selbe wie beim altrosa/lila Kleid.
Die Haube schließlich ist ebenfalls wieder aus Steifleinen und Hutmacherdraht konstruiert, sie ist innen mit Leinen und außen mit lila Baumwollsamt bezogen. Der Haarbeutel und der Schleier sind aus einem schwarzen (Kunstfaser-) Seidenstoff. Die Perlen sind aufgeklebt.

Svens Abendgarderobe besteht aus einer weißen Trunkhose und einem dazu passenden verstärkten Jerkin. Darüber wird ein ärmelloses Jerkin getragen, das vorne ein wenig gekürzt wurde und dazu ein King-Henry-Hut.
Die Trunkhose besteht aus einer eng anliegenden Unter-Hose aus weißer Seide, darauf wird die Trunkhose mit ihren gerafften Panes befestigt und dann alles zusammen zu einer Hose verarbeitet. Wie die einfache Hose wird auch diese unter den Knien geknöpft, vorn geschnürt und ebenfalls mit Schnüren am Jerkin befestigt. Zu der Hose gehört eigentlich noch ein Codpiece, das aber auch der Zeitschere zum Opfer gefallen ist.
Das Jerkin besteht innen aus mehreren Lagen festem Stoff, die versteppt werden, um dem Gewand möglichst viel Steifigkeit zu verleihen. Möglich ist es auch, zusätzlich noch Taschen für Korsettstäbe einzuarbeiten. Es wird vorne mit vielen kleinen Zinnknöpfen geschlossen, auch an den Handgelenken schließt je ein Knopf den Ärmel. Der Oberstoff ist der gleiche wie bei der Trunkhose, diese sind als Kombination angefertigt worden.
Das ärmellose Jerkin darüber ist weniger versteift und vorne etwas kürzer, da es nicht geschlossen werden soll. Unter den Zierborten sind Taschen mit Korsettstäben eingearbeitet, die dem Gewand die gewünschte Form verleihen sollen.
Wie alle anderen Hüte auch wurde der King-Henry-Hot zunächst aus Steifleinen und Hutdraht konstruiert, dann mit den Außenstoffen bezogen. Die Perlen sind auch hier aufgeklebt.

 

Tags: , , , , , , ,

1
Jul

Kein Gewandungscampen für Uns!

   Posted by: jea    in Mittelalter-Manufaktur

 
French Hood

French Hood

Eigentlich wollten Sven und ich am letzten Wochenende auf dem Horasia-Larp gewesen sein.

Wir haben wochenlang dafür gearbeitet, um einen kompletten Satz Klamotten fertigzustellen und uns fast buchstäblich die Finger wundgenäht und versucht, all diese Mehrarbeit mit den laufenden Aufträgen ohne Zeitverluste ineinander laufen zu lassen, und dann bin ich / sind wir kurz vorher krank geworden und all die Arbeit (und das viele Geld für die Stoffe und die Anmeldung) war umsonst. Ich könnte Heulkrämpfe kriegen.

Aber, auch, wenn wir nicht dazu kamen, sie zu tragen (schnüff, mein schönes Ballkleid), haben wir jetzt dennoch einen schicken Satz elisabethanischer Klamotten, und weil ich mir denke, dass das bestimmt den einen oder die andere interessiert, werde ich in den nächsten Wochen Stück für Stück die Sachen vorstellen.

Die Schnittmuster sind übrigens alle aus dem Buch The Tudor Tailor,

Buchtitel Tudor Tailor

The Tudor Tailor

das ich allen Nähprofis nur wärmstens empfehlen kann und dem ich in naher Zukunft hier auch einen eigenen Eintrag widmen werde.

An Stücken wurden fertig:

  • Smock
  • Chemise
  • Elisabeth Vernon Bodies
  • Spanish Farthingale
  • Kirtle
  • French Dress
  • Venetian Hose
  • Trunk Hose
  • Jerkin
  • Doublet (mit 2 Paar Ärmeln)
  • Henrician Hat
  • French Hood

An manchen fehlen noch Nestellöcher oder Haken und Augen, hier ein Stückchen Borte und da ein paar Perlen, ich werde alles jetzt ganz in Ruhe und nach und nach abschließen und stückchenweise hier vorstellen.

Leider habe ich aus Zeitmangel keine Work-in-Progress Bilder machen können, aber ich werde immer über meine Erfahrungen und Schwierigkeiten berichten, so, dass es designierten Nachahmern sicherlich den einen oder anderen Fehler ersparen kann!

Henrician Hat und French Hood

Henrician Hat und French Hood

 

Tags: , , , ,