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SpäMi-Unterhosen
Heute sind ein Paar Spätmittelalterliche Unterhosen fertiggeworden.
Im Gegensatz zu den hochmittelalterlichen Unterhosen oder Bruchen, Brouchen, die an eine Boxershorts erinnern, die einem Riesen entwendet wurde, sind die Unterhosen im Spätmittelalter kurz und körpernah geschnitten.
Das hat etwas mit dem Wandel in der Mode zu tun: Während der Herr im Hochmittelalter sein Kleid knie- bis knöchellang trug, reicht das Gewand im Spätmittelalter kaum mehr, um die Blöße zu bedecken (Stoff muss teurer geworden sein
). Im Hochmittelalter sah man also von den Beinlingen höchstens den Teil ab dem Knie, da machte es wenig aus, wenn der obere Teil ausgebeult war von den reingestopften Bruchen. Da der modebewusste Herr im Spätmittelalter aber seine Beine in ihrer gesamten Länge und Pracht zur Schau stellte, musste eine Unterbekleidung her, die nicht auftrug.
Die Unterhosen, wie ich sie mache, sind aus zwei Lagen Stoff, also gefüttert, weil ich eine Lage für zu dünn halte - schließlich sollen die Unterhosen ja auch noch die Beinlinge hochhalten, zumindestens, wenn nicht schon ein modisches Wams dazu getragen wird.
So sieht die Unterhose aus, wenn sie fertig genäht ist. Der obere Saum ist noch einmal umgelegt, um einen Tunnelzug zu ermöglichen. Dadurch haben wir am oberen Saum 4 Lagen Stoff und können so die Nestellöcher durch zwei Lagen Stoff festnähen und trotzdem noch den Tunnelzug so gestalten, dass das Band hierfür durch eine Stoffschicht von den Bruchenbändern getrennt ist. Das ist wichtig, wenn man z.B. die Bänder austauschen will.
Beim Stechen der Nestellöcher muss man hier ganz besonders aufpassen: Bei vier Stoffschichten kann man leicht mal die falsche Schicht erwischen, und wenn das passiert, dann klappt das mit dem Durchziehen der Bänder nicht mehr, weil das Band auf einer anderen Lage hineingeht, als es herauskommen sollte. Also muss man vor wirklich jedem(!) Stich mit einer stumpfen Nähahle o.ä. den gewünschten Kanal offen halten, damit am Ende alles stimmt.
Danach müssen erstmal Unmengen von Fingerschlaufenbändern gewebt werden. Die eine Hälfte ist hier rot, die andere blau, weil die dazugehörigen Beinlinge ebenfalls einer rot, der andere blau sind. Das Durchzugsband für den Tunnelzug ist aus dickerer Wolle geflochten und in einem unauffälligen Birkengrün gehalten.
So sieht die Unterhose mit Durchzugsband aus: Wie eine Kreuzung aus normalem Slip und hochbeiniger Boxershorts
Hier sind alle Bänder passend durchgezogen. Idealerweise sollten an den Enden der Bänder noch Nestelspitzen befestigt werden, damit man die Bänder schneller und leichter durchziehen kann.
Hier habe ich mal einen Beinling an die Bänder angenestelt. Man kann gut sehen, wie er die männliche Blöße bedeckt, damit die Frauen nicht reihenweise in Ohnmacht fallen, wenn der Herr sich mal bückt
!
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Tags: Brouche, Bruche, Spätmittelalter, Unterhose





